Fasten

Zom Kal!

Fasten macht keinen Spaß, und so soll es auch sein. Foto: Thinkstock

Tante Esther schwört als »Seuda Hamafseket«, als letzte Mahlzeit vor Erew Jom Kippur, auf gedünstetes Hühnchen mit Gemüse und Ferfel. Mein Mann auf eine riesengroße Portion Pommes mit Ketchup und eine Nachbarin auf Kugel, Hühnersuppe und Rinderbraten, abgerundet mit einem ordentlichen Stück Kuchen. Fest steht: Vor Beginn von Jom Kippur sollte man ausgiebig essen, um am Fastentag selbst nicht zu sehr Hunger zu leiden – damit man sich auf das Wesentliche besinnen kann. Doch unterschiedlicher, wie man am besten den Fastentag erfolgreich übersteht, könnten die Meinungen nicht sein.

Eines steht fest: Fasten macht keinen Spaß, und so soll es auch sein. Denn das Fasten an Jom Kippur soll uns unsere Bescheidenheit und Schwäche bewusst machen, ohne uns zu übermannen. Seit jeher gibt es daher viele Tipps und Tricks, um diese Herausforderung elegant zu bestehen. Das Mantra des Vorabends lautet zweifellos: »Wasser«.

Flüssigkeit Der Arzt Schlomo Hamm, ein Experte auf diesem Gebiet, rät, vor allem darauf zu achten, dass man am Tag vor Beginn des Fastens regelmäßig und ausreichend Wasser trinkt. Denn es ist überaus wichtig, dass der Körper am Fastentag selbst über genügend Flüssigkeitsreserven verfügt: »Das ist sogar noch wichtiger, als vorher ausreichend zu essen.«

Der Mediziner hält es deshalb auch für ratsam, am Vorabend keinen Kaffee, Tee oder Alkohol zu trinken, weil diese Getränke dehydrieren. Des Weiteren soll man auch vermeiden, dass brutaler Koffeinentzug sich mit üblem Kopfweh rächt. Daher sollte man schon ein paar Tage vorher versuchen, den Konsum schrittweise zu reduzieren. Gegebenenfalls kann man der Gewohnheit auch ein Schnäppchen schlagen, indem man auf koffeinfreie Sorten umsteigt.

Um Kol Nidre nicht mit einem leeren Magen anzugehen, rät die Fachliteratur dazu, schon am Morgen ein großes und ausgewogenes Frühstück zu sich zu nehmen. Das soll helfen, genügend Reserven für den nächsten Tag aufzubauen, ohne dass unser Motor auf Hochtouren im Leerlauf drehen muss. Außerdem empfiehlt der Arzt Hamm, bei der »Seuda Hamafseket« leichte Kost, bestehend aus Proteinen (wie etwa Huhn) und Gemüse zu sich zu nehmen. Gut geeignet sind ferner auch Avocado, Tomaten und andere Rohkost, da Blattsalat zu schnell verdaut ist.

Zucker Obst ist in kleinen Mengen auch geeignet, da es sehr wasserhaltig ist. Trotzdem sollte man nicht zu viel davon essen, da dann der Körper zu sehr damit beschäftigt ist, den Zucker abzubauen. Als selbstverständlich sollte gelten, dass eine kohlenhydratreiche, fetttriefende Mahlzeit aus viel Kartoffeln, Nudeln und Süßem nicht empfehlenswert ist.

Kohlenhydrate stellen eine doppelte Belastung für unseren Körper dar: Einerseits wandeln sie sich in Zucker um, zum anderem entziehen sie dem Körper zusätzlich Wasser. Man sollte ebenfalls so wenig wie möglich salzen und keine scharfen Gewürze verwenden. Das heißt nicht, dass das Essen langweilig sein muss: Mit Kräutern, Zitronensaft und anderen Gewürzen kann man es durchaus aufpeppen.

Bei Krankheit und Schwangerschaft, die das Fasten erschweren oder den Fastenden gar in Lebensgefahr bringen können, gibt es natürlich Ausnahmeregeln. Denn das oberste Gebot heißt: Achte auf deine Gesundheit! Ist eine Person schwer krank oder könnte sich das Krankheitsbild aufgrund des Fastens verschlimmern, ist es halachisch verboten zu fasten (Bavli, Joma 82a). Rav Soloveitchik sagt, dass eine nicht lebensbedrohliche kranke Person weniger als ein Schiur (Größe einer großen Dattel) und eine sehr kranke Person unbegrenzte Mengen an Essen zu sich nehmen darf. Bei einer Schwangerschaft gilt dasselbe. Die Größe eines Schiurs wird laut Halacha noch nicht als richtiges Essen betrachtet (Rambam Hilchot Schevitat Assor 2,3).

Des Weiteren hat Rav Ovadia Josef bestimmt, dass eine schwangere Frau, wenn die Notwendigkeit besteht, in einem Abstand von jeweils neun Minuten einen Schiur essen und alle fünf Minuten ebenfalls einen Schiur trinken darf. Wie immer sollte alles vorher mit dem Arzt und Rabbiner abgesprochen werden.

Nach dem Fasten ist es ratsam, in kleinen Schlucken wieder mit dem Trinken und mit einem leichten Snack anzufangen. Ungefähr eine Stunde, nachdem der Körper sich wieder an die Nahrung gewöhnt hat, wäre als nächster Schritt eine leichte Mahlzeit wie etwas Suppe ideal, bevor alles dann wieder seinen gewohnten Gang nimmt. Ich wünsche allen Lesern Zom Kal – ein leichtes Fasten!

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