Brauch

Von links nach rechts

Am achten Abend brennen alle Kerzen. Foto: Thinkstock

Brauch

Von links nach rechts

Für das Entzünden der Chanukkakerzen gibt es feste Regeln. Und was ist mit den Schabbatkerzen?

von Ayala Goldmann  07.12.2015 16:15 Uhr

Chanukka nähert sich dem Ende – an diesem Sonntagabend ist der achte und damit letzte Tag des Lichterfestes. Das bedeutet, dass am Freitagabend die sechste Chanukkakerze entzündet wird. Manch einer fragt sich vielleicht: Welche Kerzen zündet man zuerst an – die Schabbatkerzen oder die Chanukkakerzen?

Traditionell darf nach Anzünden der Schabbatlichter keine Arbeit mehr verrichtet werden, obwohl sie schon einige Minuten vor Beginn des Schabbats gezündet werden. Daher werden die Chanukkakerzen am Freitagabend vor den Schabbatkerzen angezündet.

In orthodoxen Haushalten wird zusätzlich Wert darauf gelegt, dass der Chanukkaleuchter vom Anzünden der Schabbatkerzen bis zum Ende des Schabbats auch nicht bewegt oder vorbereitet werden darf – etwa, indem man neue Kerzen in den Leuchter steckt oder Wachsflecken entfernt.

Hawdala An diesem Samstagabend, nachdem die Hawdala-Kerze entzündet und das entsprechende Gebet gesprochen worden ist, in dem zwischen »Licht und Dunkel« unterschieden wird, darf dann auch die siebente Chanukkakerze entzündet werden.

Seit dem vergangenen Sonntagabend werden die Chanukkalichter angezündet, wenn die ersten Sterne am Himmel zu erkennen sind. Zur Erinnerung für alle, die sich vielleicht auch nach den ersten Chanukkatagen immer noch unsicher sind: Man platziert die Kerzen zwar von rechts nach links in den Leuchter, sodass am ersten Abend nur der Schamasch und die Kerze ganz rechts brennen, am zweiten Abend die beiden rechten Kerzen – und dann jeden Abend eine Kerze mehr, bis am letzten Abend alle acht Lichter brennen.

Reihenfolge
Angezündet aber werden die Kerzen von links nach rechts, also die jeweils neue Kerze zuerst. Denn als Erstes wird immer das neu hinzugefügte Licht angezündet. Der Grund für diese Reihenfolge ist, dass man dem neuen Licht den »Vortritt« lässt und so dem im Tempel von Jerusalem von Tag zu Tag größer werdenden Chanukkawunder Ausdruck verleiht – in Erinnerung an den Ölkrug, dessen Inhalt nur für einen Tag ausgereicht hätte, der aber laut Talmud acht Tage am Stück brannte.

Die Kerzen sollen jeden Tag so platziert werden, dass sie alle gleich hoch aus dem Leuchter ragen. Unterschiedliche Höhen sind nicht erwünscht. Auch eine kreisförmige Anordnung – die sich bei Leuchtern mit Drehfunktion ergeben könnte – ist unzulässig.

Wachs Zwischen den verschiedenen Chanukkakerzen soll außerdem genügend Abstand bleiben, damit das Wachs bei der Hitze nicht schmilzt. Die Chanukkalichter sollen mindestens eine halbe Stunde lang brennen – was in der Praxis aber oft nicht funktioniert, weil das Wachs mancher Chanukkakerzen zu schnell abtropft.

Beim Entzünden der Kerzen werden folgende Segenssprüche gesagt: »Baruch ata Haschem elohenu melech haolam ascher kidschanu bemizwotaw weziwanu lehadlik ner schel chanukka.« – »Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns hat geheiligt durch Seine Gebote und uns befohlen hat, das Chanukkalicht anzuzünden.«

Der zweite Segensspruch lautet: »Baruch ata Haschem elohenu melech haolam sche’assah nissim leawotenu bajamim hahem basman hase.« – »Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Wunder erwiesen hat unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit.«

Schehechijanu Nur am ersten Chanukkaabend ist ein dritter Segensspruch vorgeschrieben – das »Schehechijanu«: »Baruch ata Haschem elohenu melech haolam schehechejanu wekijemanu wehigianu lasman hase.« – »Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns Leben und Erhaltung gegeben hat – und uns diese Zeit hat erreichen lassen.«

Laut Maimonides, dem Rambam, zählt das »Schehechijanu« zu den Brachot, die man bei immer wiederkehrenden Gelegenheiten spricht, die Freude bereiten. Und dazu gehört natürlich auch das Chanukkafest.

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