Zacharias Frankel College

Zwei Rabbiner ordiniert

Joshua Weiner und Netanel Olhoeft Foto: Tobias Barniske

Zum zweiten Mal in seiner noch jungen Geschichte konnte das Zacharias Frankel College, Rabbinerschule der konservativen Masorti-Bewegung in Deutschland, mit Freunden aus aller Welt Ordination feiern. Am Sonntagabend erhielten die Rabbinerstudenten Netanel Olhoeft (26) und Joshua Weiner (35) im Gemeindezentrum der jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Charlottenburger Fasanenstraße ihre Smicha.

Wie andere aktuelle Veranstaltungen blieb auch diese Ordinationsfeier von den geltenden Abstandsregeln zur Corona-Prävention nicht verschont. Die Teilnehmer trugen Mundschutzmasken, ein festlicher Empfang blieb aus. Doch trotz oder gerade wegen der äußerlichen Beschränkungen geriet die Feier zu einem außergewöhnlichen und hoffnungsvollen Ereignis.

PROGRAMM Dazu trug auch das feierliche Programm bei mit Gitarren- und Violinenklängen der Kantorinnen-Studentinnen Noga-Sarai Bruckstein und Shulamit Lubowska sowie mit internationalen Grußadressen, Statements der College-Mitarbeiter und Worten der frisch ordinierten Rabbiner. Zugleich ist nun klar: Das Frankel College hat zu den schon länger existierenden »Geschwister«-Ausbildungsstätten, dem Abraham Geiger Kolleg in Potsdam und dem Rabbinerseminar zu Berlin, aufgeschlossen.

»Wir sind akademisches Institut und gelebte Gemeinschaft zugleich«, ließ Sandra Anusiewicz-Baer, Koordinatorin des Colleges, eingangs wissen. »Diese Ordination ist ein neuer Beleg für das Wachstum jüdischen Lebens in Mitteleuropa«, freute sich Jeffrey Herbst, per Zoom zugeschalteter Präsident der American Jewish University Los Angeles, »und es ist ein Tag der Freude. Wir sind zwar über Tausende Meilen entfernt, aber im Herzen verbunden.«

Rabbi Bradley Artson, Dekan der Ziegler School of Rabbinic Studies an der derselben Universität und Mitbegründer des Frankel College im Jahre 2013, dankte sämtlichen Unterstützern und wandte sich dann direkt an Netanel Olhoeft und Joshua Weiner: »Ihr habt unsere Schule zu einem noch besseren Platz gemacht, und nun seid ihr Pioniere eines einmaligen Bandes, das von Los Angeles über Jerusalem bis nach Potsdam reicht.«

EHRENGÄSTE Zu den Ehrengästen in der Fasanenstraße zählte auch der Geschäftsführer des Zentralrates der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, der zugleich auf aktuelle Situationen einging. »Die Corona-Pandemie hat viele Menschen aus der Bahn geworfen, und was vor einigen Monaten noch selbstverständlich war, hat plötzlich keinen Bestand mehr«, sagte Botmann.

»In solch schwierigen Zeiten braucht es gut ausgebildete Rabbiner, die einfühlsam sind und den Menschen Halt geben.« Zugleich sei es eine große Herausforderung, die Gemeinden für jüdische Frauen, Männer und Kinder besser erreichbar zu machen. »Wir müssen auch um jeden einzelnen Menschen werben, dem die Religion bisher vielleicht nur wenig bedeutet. Diese Menschen erreichen wir nur mit vereinten Kräften – orthodoxe, konservative und liberale gemeinsam«, betonte Botmann.   

BIOGRAFIEN Joshua Weiner, 1985 in Jerusalem geboren und als Kind zunächst in London aufgewachsen, ist der erste Student, der seine Ausbildung direkt am Frankel College begann und hier nun auch abgeschlossen hat. An der hiesigen Ausbildung schätzt er besonders die Flexibilität des Curriculums und Lehrplans. »Besonders gut haben mir zudem das Jahr an der Conservative Yeshiva in Jerusalem und die Studien-Praktika in Paris und Berlin gefallen«, sagte Joshua Weiner der Jüdischen Allgemeinen. 

Netanel Olhoeft, 1994 in Berlin geboren, sieht seine nächsten Jahre zunächst im akademischen Bereich, vornehmlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der School of Jewish Theology der Universität Potsdam. Von der Atmosphäre am Zacharias Frankel College war er in den vergangenen Jahren grundsätzlich begeistert. »Das College hat es geschafft, eine sehr harmonische und einander helfende, beistehende Community von Studierenden zu formen, die sich gemeinschaftlich dem Quellenstudium hingeben.« Es sei zwar noch ein kleines Institut, habe aber »eine beständig brennende Flamme in seinem Inneren«.

Das Zacharias Frankel College, ein An-Institut der Universität Potsdam, entstand 2013 in Zusammenarbeit mit der Leo Baeck Foundation und steht unter der religiösen Leitung der Ziegler School of Rabbinic Studies in Los Angeles. Die erste Absolventin war 2017 als Rabbinerin in Berlin ordiniert worden.

Lesen Sie mehr in der kommenden Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

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