Hannover

»Ein Tag der Hoffnung und der Freude«

In der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover sind am Montag fünf Rabbiner und ein Kantor offiziell ins Amt eingeführt worden. Bei der feierlichen Zeremonie erhielten Absolventen des Rabbinerseminars zu Berlin ihre Smicha.

Die Rabbiner - Nehorai Daus, Mendel Itkin, Meir Yisroel Myropolskyy, Shimshon Pushenco und Bryan Weisz - sind unter anderem bereits in Gemeinden in Kiel, Köln und London tätig. Zudem wurde ein Absolvent des Leipziger Instituts für Traditionelle Jüdische Liturgie, Kantor Benjamin Maroko, mit der Übergabe des Abschlussdiploms ins Berufsleben verabschiedet.

PREMIERE Die Ordinationsfeier des Rabbinerseminars, zu der der Gemeindevorsitzende Michael Fürst die zahlreichen Gäste willkommen hieß, fand erstmals in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt. »Für mich ist es ein Tag der Hoffnung und der Freude«, betonte das Staatsoberhaupt. Dass zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in Hannover und zum ersten Mal in Niedersachsen wieder Rabbiner ordiniert werden, bewege ihn zutiefst.

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Er beglückwünschte die Rabbiner zur Ordination und dankte ihnen für ihr Engagement für das Land. »Sie alle bauen mit am Fundament unseres Zusammenhalts, an dem, was unsere Demokratie ausmacht: ein friedliches Miteinander der Religionen und die Achtung der Würde jedes Menschen, der hier lebt«, sagte Steinmeier.

Der Bundespräsident sprach auch von Angriffen auf die Werte, auf denen die liberale Demokratie gründe. Die Zahl antisemitischer Straftaten steige in Deutschland. Dabei erwähnte er die Schüsse, die ein Unbekannter in der vergangenen Woche auf die Tür des Rabbinerhauses in Essen abgefeuert hatte, und die Beschädigung einer Synagoge in Berlin am Wochenende.

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Das alles schmerze ihn zutiefst. Darauf könne es nur eine Antwort geben, so Steinmeier: »Wir müssen wachsam sein. Wir dürfen nicht wegschauen. Wir dürfen in Deutschland keinerlei Antisemitismus dulden.« Solche Taten müssten mit aller Härte des Rechtsstaates geahndet werden.

Der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, erinnerte daran, dass es 1945 niemand für möglich gehalten habe, dass jüdisches Leben in Deutschland fortbestehen könnte. Dennoch sei 78 Jahre danach eine Erneuerung zu erleben, die an der wachsenden Zahl von Jüdinnen und Juden im Land und an der Ordination von fünf neuen Rabbinern zu erkennen sei. Ihre Aufgabe sei es, »Juden beizubringen, Juden zu sein« und eine enge Verbindung zur Deutschland aufzubauen, so Lauder.

Bundespräsident Steinmeier würdigte die historische Dimension der Rabbiner-Ordination.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach in seiner Rede von der aktuellen Situation, die von einer großen Unsicherheit geprägt sei. Jüdinnen und Juden würden zu Sündenböcken und der Hass auf Minderheiten zum Ventil einer gewaltbereiten, vor allem rechtsextremen Szene.

»Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist aufgewühlt. Sie ist verunsichert«, sagte der Zentralratspräsident. Er würde gern Vertrauen in dieses Land und diese Gesellschaft haben. »Aber es fiel in diesem Jahr nicht immer leicht, dieses Vertrauen aufzubringen.«

»Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist aufgewühlt. Sie ist verunsichert.«

Zentralratspräsident Josef Schuster

Schuster erwähnte auch die Herausforderungen des Alltags, die die Rabbiner und Kantoren bereits seit einiger Zeit in ihren Gemeinden erleben. Seelsorge sei dabei eine besondere Aufgabe.

GEMEINSINN Der Zentralratspräsident forderte die Ordinierten auf, sich gut um die Gemeinden zu kümmern: »Sie sind in Ihren Gemeinden Bezugspersonen, Sie übernehmen Verantwortung für Ihre Mitmenschen und dienen damit auch Gottes Gebot und des an Gemeinsinn orientierten Ideals jüdischen Glaubens.«

Erstmals wurden 2009 Rabbiner des Berliner Seminars ins Amt eingeführt. Insgesamt sind es inzwischen 21 orthodoxe Rabbiner, die in Gemeinden in Deutschland und dem Ausland tätig sind, unter ihnen auch der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Hannover, Shlomo Afanasev.  ddk

Lesen Sie mehr zum Thema in der am 24. November erscheinenden Printausgabe.

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