Instrumente

»Mit Trompeten und Schofar jubelt vor dem König«

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Vor einiger Zeit wurde in der Nähe der Kotel, der Klagemauer, ein Stein gefunden, auf dem ein Musikinstrument, eine Art Trompete, eingraviert war. Welches Instrument wurde an Rosch Haschana im Tempel geblasen: eine Trompete oder ein Schofar, ein Widderhorn?

An Rosch Haschana blasen wir in der Synagoge ein Schofar. Aber im Tempel wurden an Rosch Haschana sowohl zwei Trompeten als auch ein Schofar geblasen, wie es der Psalmist, König David, beschreibt (Psalm 98,6): »Mit Trompeten und Schofar jubelt vor dem König, Haschem!« Auch Maimonides, der Rambam, schreibt: »Im Tempel wurde das Schofar von zwei Trompeten begleitet. Das Schofar hielt länger an, weil dies die Mizwa dieses Tages ist. Aber überall sonst wird nur das Schofar geblasen.«

Wecker Das Schofar symbolisiert die Schreie, Seufzer und Rufe des Menschen, der Teschuwa tut und zur Einkehr kommt. Nach Rabbi Saʼadia Gaʼon wirkt das Schofar wie ein Wecker. Seine Töne rütteln unsere Neschama, unsere Seele, aus der Selbstgefälligkeit, dem Erfolgsstreben und Vergnügen wach: »Es gibt mehr als nur diese Welt.« Die Symbolik der Trompete reicht noch weiter.

Nach der Tora sollen zwei Trompeten aus einem Stück Silber gefertigt werden: »Mach dir zwei Trompeten aus Silber; aus angetriebener Arbeit sollst du sie machen« (4. Buch Mose 10,2). Eine Trompete heißt auf Hebräisch: Chazozra. Das bedeutet eigentlich: »Chazi Zura – nur ein halbes Bild«. Es unterstreicht die Idee, dass wir ohne G’tt nur halb und unvollkommen sind. Nur wenn wir uns mit dem Allmächtigen verbinden, werden wir vollständig.

Deshalb werden Trompeten geblasen, wenn wir in den Krieg ziehen: Mit gebrochenem Herzen bitten wir G’tt, uns aus der Schlacht zu retten. Auch an Feiertagen sollten wir Trompeten blasen, um zu betonen, dass wir in Zeiten der Freude nicht hochmütig werden dürfen und an G’tt denken müssen.

Die Tora drückt dies wie folgt aus: »Wenn ihr also in eurem Land in den Krieg zieht gegen den Widersacher, der euch bedrängt, dann müsst ihr mit diesen Trompeten einen stoßweisen Ton blasen. Dann wird vor dem Angesicht Haschems, deines G’ttes, an dich erinnert, und du wirst von deinen Feinden befreit werden« (4. Buch Mose 10,9). Die Trompeten dienten dazu, die Moral der Truppen zu stärken.

Demut Sie dienten auch der musikalischen Untermalung der Opfergaben, um uns Menschen demütig zu halten: »Und am Tag eurer Freude, an euren Festtagen und zu Beginn eurer Monate sollt ihr auch die Trompeten blasen, zu euren Brandopfern und zu euren Dankopfern. Sie dienen euch zum Gedenken vor dem Angesicht eures G’ttes« (4. Buch Mose 10,10).

Vor 3334 Jahren wurden in der Wüste Sinai zwei Trompeten für Mosche angefertigt, um das Volk und die Stammesführer zur Beratung und Belehrung zusammenzurufen, wenn G’tt Mosche etwas Neues aus der Tora mitgeteilt hatte. Zu diesem Zweck wurde auf den Trompeten ein lang gezogener Ton (»Tekia«) geblasen.

Brach das Volk die Zelte ab und zog weiter, wurde der unterbrochene Alarmton »Teru’a« geblasen. Mosche wurden Herolde mit Trompeten gegeben, weil er den Status eines Königs erlangt hatte. Doch nach seinem Tod wurden Mosches Trompeten versteckt und neue angefertigt.

ALARM Diese lang gezogenen oder gebrochenen Alarmtöne erleben wir auch heute noch in Kriegszeiten in Israel. Bei einem Luft­alarm hören wir einen unterbrochenen Alarmton. Sobald es wieder sicher ist, ertönt ein lang gezogener Ton, Tekia. Diese Töne wurden den Tönen der Trompeten nachempfunden. Nicht weniger als 21 lang gezogene Töne wurden jeweils im Heiligtum geblasen. Drei waren es beim Öffnen der Tore. Außerdem wurden neun Töne geblasen beim Morgenopfer und neun beim Nachmittagsopfer.

Wenn wegen eines Neumondtages (Rosch Chodesch) oder eines Feiertags ein Mussaf oder ein zusätzliches Opfer dargebracht wurde, wurden noch einmal neun Töne geblasen. Zu Beginn des Schabbats wurden sechs Töne geblasen. Die meisten Gelehrten gehen davon aus, dass nur Kohanim (Priester) die Trompeten im Tempel blasen durften. Während des Tempeldienstes bliesen mindestens zwei und höchstens 120 Kohanim gleichzeitig die Trompeten.

Wenn man sich den Titusbogen in Rom ansieht, erkennt man längliche Trompeten. Diese Form ist auch im Musikmuseum in Haifa abgebildet. Auf den Münzen von Bar Kochba sind die Trompeten jedoch als Heerestrompeten dargestellt.

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