Tradition

Hip-Hop nach der Alija

Das Buch ist nach »Beni, Oma und ihr Geheimnis« und »Chaos zu Pessach« die dritte »Beni«-Erzählung von Eva Lezzi und Anna Adam Foto: Hentrich & Hentrich

Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Batmizwa in vielen jüdischen Familien unbekannt. Während religionsmündige Jungen sich nach ihrem ersten Aufruf zur Tora in der Synagoge auf die große Party mit Freunden und Verwandten freuen konnten, gingen die Mädchen leer aus. Inzwischen aber ist die Batmizwa mit einer besonderen Zeremonie für zwölfjährige Mädchen auch in Deutschland in vielen orthodoxen Synagogen Usus geworden, obwohl es keine förmliche Alija zur Bima gibt.

Von den familiären Verwicklungen, die eine Batmizwa mit sich bringen kann, erzählt das dritte Buch der »Beni«-Reihe von Eva Lezzi und Anna Adam, Beni und die Bat Mizwa. Wie die beiden Vorgängerbücher Beni, Oma und ihr Geheimnis und Chaos zu Pessach spielt die Handlung in einer »gemischtreligiösen« Familie mit jüdischer Mutter und nichtjüdischem Vater, die sehr an jüdischen Traditionen hängt – nicht zuletzt, weil die Großmutter die Schoa überlebt hat.

Für den Helden Beni ist die Batmizwa seiner großen Schwester Tabea zunächst eine äußerst nervige Angelegenheit, weil sich alles um die Launen und Stimmungen der zickigen Pubertierenden dreht, die zum Überfluss bei ihrer Party mit einer Hip-Hop-Band auftreten will.

Stolz Auch die Eltern haben nichts anderes im Kopf als das große Event. Was seine Gründe hat: »Ich bin so stolz auf dich. Du bist das erste Mädchen aus der Familie, das Batmizwa wird«, sagt die Mutter: »Als ich so alt war wie du, durften Mädchen und Frauen in Berlin in keiner Synagoge aus der Tora vorlesen. Ich war sehr eifersüchtig auf meine Brüder, die mit allem Brimborium ihre Barmizwa feiern durften.«

Wie Beni seine Eifersucht auf die große Schwester überwindet und die Batmizwa schließlich doch zu einem Event wird, das die ganze Familie verbindet, davon erzählt das Buch lebendig und altersgerecht (das Buch ist ab acht Jahren empfohlen). Dass Tabea als »bat Ruth ve Thomas« zur Tora aufgerufen wird – obwohl der Vater nicht jüdisch ist –, dürfte viele Eltern freuen, die in einer ähnlichen Familienkonstellation leben und sich wünschen, dass dieses auch bei der Alija auf die Bima offiziell anerkannt wird.

Ob die manchmal ein bisschen plakativ wirkende Werbung für die liberale Linie im Judentum die jüngeren Leser erreicht, ist eine andere Frage. Benis Freundschaft zu einem Mädchen, die sich bei der Party anbahnt, ist für die Zielgruppe wahrscheinlich interessanter als Tabeas »perfektes« Tora-Lejnen, »mindestens so gut wie die Kantorin auf ihrer CD«. Wiedererkennen werden sich jüdische Jugendliche sicherlich in der Aufregung um die Zeremonie, der emotionalen Batmizwa-Rede Tabeas und ihrer Versöhnungsgeste an den Bruder.

Talmudisches

Klassengröße

Was unsere Weisen über das Lernen in Gemeinschaft lehren

von Yizhak Ahren  09.10.2026

Erziehung

Der widerspenstige Sohn

Wer sich gegen seine Eltern auflehnt, soll laut Tora mit dem Tod bestraft werden. Die jüdische Tradition ringt mit dem Text und fragt, wie Familien miteinander verbunden bleiben

von Shoshana Ruerup  09.10.2026

Bereschit

Worte retten Leben

Rechtzeitig miteinander zu sprechen, kann Hass und Gewalt verhindern und Versöhnung möglich machen

von Rabbiner Joel Berger  08.10.2026

Dialog

Zwischen Vatikan und Juden geht nach dem 7. Oktober kaum noch was

Seit Jahrhunderten ist das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Juden turbulent. Nach einem Zwischenhoch unter Johannes Paul II. kühlte es wieder ab. Und seit dem Gazakrieg nähert es sich einem neuen Tiefpunkt

von Ludwig Ring-Eifel  06.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Schemini Azeret

Ende und Anfang

Nach der langen Zeit der Feiertage beginnt der neue Jahreskreis

von Chajm Guski  02.10.2026

Simchat Tora

Im eigenen Rhythmus

Die fünf Bücher Mose bilden den Herzschlag des jüdischen Volkes

von Valentin Lutset  02.10.2026

Talmudisches

Frieden mit sich selbst und anderen

Was unsere Weisen über das innere Gleichgewicht und das Miteinander lehren

von Vyacheslav Dobrovych  01.10.2026

Feiertage

Gut gefüllt

Zu Sukkot gibt es eigentlich keine traditionellen Speisen wie an Rosch Haschana oder Pessach. Und doch essen sich gefülltes Gemüse, Teigtaschen und gestopfte Weinblätter in der Laubhütte besonders gut. Steckt mehr dahinter?

von Daniela Rusowsky  29.09.2026