Interview

Fünf Minuten mit ...

... Piritta Kleiner über den bösen Blick und ihre Ausstellung im Jüdischen Museum München

von Detlef David Kauschke  06.06.2011 10:40 Uhr

Piritta Kleiner glaubt nicht an den bösen Blick: »Mir geht es eher um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.«

... Piritta Kleiner über den bösen Blick und ihre Ausstellung im Jüdischen Museum München

von Detlef David Kauschke  06.06.2011 10:40 Uhr

Frau Kleiner, im Jüdischen Museum München ist derzeit die Ausstellung »Glaubst Du an den bösen Blick?« zu sehen. Glauben Sie an den bösen Blick?
Nein. Mir geht es eher um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Seit wann gibt es diesen Aberglauben?
Den gibt es ja nicht nur im Judentum, sondern in mehreren Kulturen. Die Tradition reicht lange zurück, wissenschaftlich ist das allerdings nicht genau datiert.

Was sagt das rabbinische Judentum dazu?
Es gab unterschiedliche Stimmen zu verschiedenen Zeiten. Maimonides beispielsweise sprach sich ausdrücklich gegen den Gebrauch von Amuletten aus. Aber grundsätzlich wurde dieser Volksglaube von den Rabbinern überwiegend toleriert.

In der Ausstellung wird ein Beschneidungsamulett gezeigt. Was hat es damit auf sich?
Dieses Beschneidungsamulett aus dem 19. Jahrhundert ist der Ausgangspunkt der Ausstellung. Es kam 2007 durch eine Schenkung in unserer Sammlung.

Welche Kraft wurde ihm zugesprochen?
Das steht in Verbindung zu dem Glauben, dass Lilith, die im Talmud als erste Frau bezeichnet wird, nach dem Leben von Säuglingen trachtet. Es heißt, dass sie als Mutter zahlreicher Dämonen mehr an männlichen Säuglingen interessiert ist. Das Neugeborene sollte bis zur Beschneidung vor bösen Geistern geschützt werden.

Sie zeigen in der Ausstellung auch die Hamsa, die schützende Hand?
Juden, die in der islamischen Kultur lebten, haben einiges von ihr übernommen. An den Mustern und der Ornamentik der Amulette ist das zu sehen, wie auch an dem Motiv der schützenden Hand. Hingegen ist die Gestaltung der Papieramulette des aschkenasischen Judentums eher nüchtern.

Zeigen die roten Bändchen, die zum Beispiel moderne Kabbalisten vertreiben, dass der Volksglaube immer noch aktuell ist?
Ja, wir stellen in der Ausstellung alte Amulette den Gegenwartsamuletten gegenüber. Wir zeigen zum Beispiel eines der Hamsa-Handamulette, die in Israel vor allem Touristen zum Kauf angeboten werden. Ich denke, die Menschen heute glauben nicht so fest daran, aber meinen, dass so ein rotes Bändchen ja auch nicht schadet.

Das Gespräch führte David Kauschke.

Piritta Kleiner ist Kuratorin der Ausstellung, die noch bis November im Jüdischen Museum München zu sehen ist.
www.juedisches-museum-muenchen.de

Haftara

Kraft der Umkehr

An Jom Kippur lesen wir das biblische Buch Jona – eine Geschichte der Barmherzigkeit nicht nur für Israel

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  25.09.2020

Pandemien

Kuchen an Jom Kippur

Was Rabbiner früherer Zeiten ihren Gemeinden in Zeiten der Cholera empfahlen

von Rabbiner Avraham Radbil  25.09.2020

Bundesregierung

Felix Klein regt eine breite gesellschaftliche Debatte über Kirche in NS-Zeit an

Antisemitismusbeauftragter: »Es könnte zu einem Gewinn an Glaubwürdigkeit führen«

von Joachim Heinz  25.09.2020

Ha’asinu

Bilanz ziehen

Kurz vor seinem Tod legt Mosche vor Gott, dem Volk und vor sich selbst Rechenschaft über sein Lebenswerk ab

von Rabbinerin Gesa Ederberg  25.09.2020

Talmudisches

Eine Kränkung mit Folgen

Von Rav Rechumi, der seine Frau an Jom Kippur nicht besuchte

von Yizhak Ahren  25.09.2020

Halle

In die Zukunft schauen

Wie die jüdische Gemeinde ein Jahr nach dem Anschlag Jom Kippur feiert

von Rabbiner Elischa Portnoy  24.09.2020

G’ttesdienst

Zusammen mit den Sündern

Warum es so schwerfällt, auf den Synagogenbesuch an Jom Kippur zu verzichten

von Rabbiner Jaron Engelmayer  24.09.2020

Jerusalem

Gebetszettel für die Kotel

Jewish Agency sammelt weltweit Bitten und Gebete, die in die Ritzen der Mauer gesteckt werden

 24.09.2020

Berlin

Bundesregierung: Keine Prüfungen an Rosch Haschana und Jom Kippur

Religionsbeauftragter Grübel: »Die Lösung ist einfach und liegt bei den Hochschulen selbst«

 23.09.2020