Tu BeAw

Sieben Tipps für eine glückliche Beziehung

Zu wissen, dass der andere immer »da ist«, vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Foto: Getty Images/iStockphoto

All you need is love! Der Titel des alten Beatles-Songs bringt eigentlich alles auf den Punkt – nur eines verrät man uns nicht, und zwar das Geheimnis von Tu beAw. Dabei wird an diesem Tag das authentisch jüdische Konzept von Liebe gefeiert. Auch in Israel hat sich Tu beAw längst als Tag der Liebe fest etabliert.

Der Talmud verleiht Tu beAw die gleiche Bedeutung wie Jom Kippur. Im Traktat Taanit (26b) wird dazu erklärt, dass sich an Tu beAw, dem 15. Tag des jüdischen Monats Aw, eine ganze Reihe erfreulicher Ereignisse zugetragen hat, die deutlich im Gegensatz zu den Tragödien steht, derer man nur eine Woche zuvor, nämlich an Tischa beAw, gedacht hat. Daraus lässt sich eine Formel ableiten, laut der die Liebe wie eine heilende Brücke zwischen der Zerstörung und der Erneuerung erscheint und eindrucksvoll in Szene gesetzt wird.

Seide Aber was passierte nun an Tu beAw eigentlich genau? Damals gab es eine Gruppe jüdischer Frauen, allesamt Singles, die sich freundschaftlich verbunden waren und mit viel gegenseitiger Empathie immer wieder trafen – auch um sich gegenseitig Ratschläge zu geben, beispielsweise, was für ein weißes, seidiges Hochzeitskleid einer jeden von ihnen am besten stehen würde.

Deine Beziehung lebt, wenn du dir die Zeit nimmst, alles über den anderen zu erfahren.

Sie wählten dabei ganz bewusst Seide. Denn dieser Stoff ist nicht so wie Wolle oder Leinen, die beide nicht vermischt werden dürfen. Das Verbot dazu geht übrigens auf den Hass zwischen Kain und Abel zurück. Das jedenfalls lehrt uns der Gaon von Wilna. Die Töchter Jerusalems wollten damit ein Zeichen setzen.

Sie machten Tu beAw zu einem ganz besonderen Tag, an dem sie ihre Seidenkleider frei von Hass oder Eifersucht untereinander teilten. Jede von ihnen ging wunderschön angezogen auf die Straße. Aber nicht, um etwa zu zeigen, dass Geld und Macht die Welt regieren würden. Sondern um zu demonstrieren, dass ein Charakter aus Gold sowie Freundschaft und Liebe die bestimmenden Faktoren sind.

So im Herzen vereint, tanzten die Frauen und riefen den jungen Männern zu, nicht auf körperliche Schönheit zu achten, sondern auf Charakter und Erziehung. An diesem Tag war reichlich »Love in the air«, und infolgedessen wurden nicht wenige jüdische Ehen geschlossen. Denn tatsächlich basiert die Fähigkeit zur Heirat darauf, dass jeder Partner seinen angeborenen Egoismus und Narzissmus im Griff hat – schließlich ist die Ehe die wichtigste aller menschlichen Beziehungen. Der Wiederaufbau des Tempels hängt übrigens ebenfalls davon ab, inwieweit eine Gemeinschaft in der Lage ist, sich auf ähnliche Weise zusammenzutun.

Geheimnis Vor diesem Hintergrund ist es auch heute noch sinnvoll, nach dem Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe zu fragen. Doch wer eignet sich als Ratgeber? Meiner Meinung nach wäre es John Mordechai Gottman, auch der »Einstein der Liebe« genannt. Der Ehe- und Familienpsychologe hat über vier Jahrzehnte hinweg umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Er gilt als Experte, wenn es darum geht, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Ehe scheitert, und was sie stabil macht.

Gottman war der Erste, der die Ursachen für eine Trennung nicht nach dem sogenannten forensischen Prinzip untersuchte, also erst nachträglich. Vielmehr agierte der Psychologe proaktiv, indem er zuerst an der Universität von Washington und später in einer Ferienwohnung in Seattle eine Art »Liebeslabor« etablierte, um zu erforschen, wie Liebe eigentlich funktioniert.

Er bat Paare, einen Konflikt zu lösen, und beobachtete, wie sie dabei miteinander interagieren. Die Ergebnisse zeigten, dass es nicht darauf ankommt, ob oder weswegen ein Paar sich streitet, sondern wie es solche Konflikte auslebt. Gottman identifizierte dabei vier Faktoren, die so negativ wirken, dass sie eine Beziehung zerstören können. Er nannte sie »die vier apokalyptischen Reiter«. Dabei handelt es sich um Kritik, Verteidigung beziehungsweise Rechtfertigung, Mauern und Verachtung.

Experte Auf Basis seiner Forschungen war Gottman in der Lage, mit einer Genauigkeit von 91 Prozent vorherzusagen, welche Ehen langfristig funktionieren und welche an die Wand gefahren werden. Manchmal gelang es ihm, all das in ein paar Minuten genau zu prognostizieren. Seine Ergebnisse veröffentlichte der Experte in einem Buch mit dem Titel Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe.

Das erste davon lautet »Love Map«. Dabei handelt es sich um eine Art Partner-Liebes-Landkarte. Es geht darum, dass man sich mit der Welt seines Partners vernetzt, um sie besser zu verstehen. Was beschäftigt sie oder ihn gerade? Wie sehen die größten Ängste aus? Was ist der innigste Traum? Diese Fragen sind ebenso relevant wie das Wissen um die wichtigsten Menschen im Leben des Partners. Könnten diese potenzielle Freunde sein, oder werden sie womöglich zu Rivalen und Feinden? Und wer erinnert sich noch an das, was man anhatte, als man sich das erste Mal begegnete?

Deine Beziehung lebt, wenn du dir die Zeit dafür nimmst, wirklich alles über den anderen zu erfahren. So wie GPS-Karten ständig aktualisiert werden müssen, so sollte auch die »Love Map« ständig erneuert werden, da wir uns ja mit der Zeit verändern.

geheimnis Das zweite Geheimnis dreht sich ganz klar um gegenseitige Zuneigung und Bewunderung. Schon der Baal HaTanja lehrte, dass das hebräische Wort für Liebe – Ahawa – dem Wort »Awa«, Sehnsucht, entspringt, also dem starken Willen, mit jemandem zusammen zu sein. Gottman hat genau das herausgefunden, nämlich, dass Menschen, die glücklich verheiratet sind, sich auch wirklich mögen.

So wie GPS-Karten sollte auch die »Love Map« ständig aktualisiert werden.

Selbst die problematischsten Ehen können gerettet werden, wenn zwischen Mann und Frau noch ein winziger Funke der gegenseitigen Zuneigung und Bewunderung vorhanden ist. Der Trick besteht darin, genau diesen zu finden und ihn vorsichtig wieder zu einer Flamme zu machen. Um es mit den Worten der Tora zu beschreiben: »Das Feuer muss ständig auf dem Altar brennen; es darf nicht ausgehen« (3. Buch Mose 6,6).

Erarbeite dir also eine Liste mit den positiven Eigenschaften deines Partners. Bring jede Eigenschaft, die man dabei entdeckt, mit einem Ereignis aus der Vergangenheit in Verbindung, bei dem dein Partner genau diese Eigenschaft offenbart hat. Zeigt euch gegenseitig diese Liste und sprecht darüber.

Bewunderung Viele Paare konnten ihre Zuneigung und Bewunderung füreinander wieder reaktivieren, indem sie sich an gemeinsame glückliche Momente aus ihrer Vergangenheit erinnerten. 94 Prozent der Paare, die derartig positiv konnotierte Erinnerungen haben, werden wahrscheinlich eine glückliche Zukunft haben.

Und das bringt uns zum dritten Geheimnis, das sich auf die Formel »Zuwendung statt Abwendung« bringen ließe. In dem Kinderbuchklassiker Pu der Bär gibt es eine bezaubernde Szene: Ferkel schleicht sich leise von hinten an Pu heran und ruft ihm ängstlich flüsternd zu: »Pu!« Dieser fragt zurück: »Ja, Ferkel?« Ferkel antwortet darauf: »Nichts!« Plötzlich ganz furchtlos, nimmt es Pus Pfote und sagt: »Ich wollte nur sicher sein, dass du da bist.«

Zu wissen, dass der andere immer »da ist«, vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Das bedeutet, dass es da jemanden gibt, der zuhört und versteht, der mitfühlt und sich auf einen einlässt, jemand, dem ich sagen kann, was ich fühle.

interesse Eine Beziehung beginnt an Bedeutung zu verlieren, wenn einer von beiden das Interesse verliert, sich dem anderen zuzuwenden. Was dabei zerstörerisch wirken kann, sind die kleinen, alltäglichen Momente der Routine. In einer Partnerschaft macht jeder dem anderen immer wieder »Angebote«, ihm oder ihr Aufmerksamkeit oder Zuneigung, aber auch Humor oder Unterstützung zukommen zu lassen. Nur wie wir darauf reagieren, ist entscheidend. Gehen wir darauf ein oder wenden wir uns ab?

Das vierte Geheimnis heißt: Lass dich beeinflussen! Um in einer Beziehung wirklich Einfluss zu haben, solltest du ebenfalls bereit sein, dich beeinflussen zu lassen und Zuständigkeiten zu teilen. Dies ist besonders für Männer wichtig.

Gottman warnt, dass der von Männern gezeigte Mangel an Bereitschaft, Zuständigkeiten abzugeben, eine 81-prozentige Wahrscheinlichkeit mit sich bringt, dass die Ehe den Bach hinuntergeht. Du musst nicht alles wissen und solltest auch nicht alles allein entscheiden. Ein Paar hat sich als Team zu definieren – schließlich ist eine Ehe kein Machtkampf.

Miteinander Das führt uns zu Geheimnis Nummer fünf: Löse lösbare Probleme. Bei Streit soll es ja nicht darum gehen, den anderen zu verändern. Vielmehr steht die Suche nach einem Weg für ein harmonisches Miteinander im Mittelpunkt. Deshalb ist der richtige Beginn eines Konfliktgesprächs enorm wichtig. Denn die meisten Kontroversen enden, wie sie angefangen haben. Daher lerne, die Fehler des anderen zu tolerieren.

Im Gespräch sollten Ich-Botschaften verwendet werden, also die eigenen Gefühle und Wünsche in den Vordergrund rücken und keinesfalls sogenannte Du-Anklagen, in denen der Partner nur beschuldigt wird. Man sollte dem Partner zu verstehen geben, dass man ihn liebt, wertschätzt und deshalb selbstverständlich kompromissbereit ist.

Das sechste Geheimnis dreht sich daher um den Konfliktstillstand. Immer wieder sind es dieselben Probleme, über die man sich zofft, immer wieder hat man das Gefühl, sich im Kreis zu drehen und nicht weiterzukommen. Ständig verletzt man sich gegenseitig. Gottman hat ermittelt, dass 69 Prozent aller Konflikte in einer Partnerschaft nicht wirklich lösbar sind – der Nahostkonflikt lässt grüßen!

Zu wissen, dass der andere immer »da ist«, vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Wer das einmal begriffen hat, lernt, mit den Problemen zu leben. Er verliert also die Lust zu streiten, will dafür keine Energie mehr aufwenden. Und genau das kann dann zu einem Gamechanger werden. Das Ziel lautet also nicht, eine Lösung für ein Problem zu finden, sondern das vernünftige Gespräch zu suchen. Gottman glaubt ferner, dass unerfüllte Träume zu einer solchen Situation des Stillstands führen. Unser Job ist es deshalb auch, »Traumdetektiv« zu werden. Konkret heißt dies, dass wir alle über unsere Träume und Erwartungen sprechen sollten, auch bei einem Konfliktstillstand. Nur dann kann man sie sich auch erfüllen.

Das bringt uns zum siebten und letzten Geheimnis: Schafft einen gemeinsamen Sinn. Gottman betont, dass es in der Ehe nicht nur um Liebe, Kindererziehung oder die gerechte Aufgabenverteilung geht. Sie sollte auch eine spirituelle Dimension haben, um ein gemeinsames Innenleben zu schaffen. Denn die Mathematik der Liebe lautet: zwei Menschen = eine Seele. Sinn zu schaffen, bedeutet, euer Leben miteinander zu verweben. Entwickelt eine Atmosphäre, die es erlaubt, eure jeweiligen Träume und Ziele darin zu integrieren, und helft euch gegenseitig, gemeinsam zu wachsen.

Der Autor ist Rabbiner, Paar- und Familientherapeut in Jerusalem. Er ist Verfasser des Buches »Der fröhliche Rabbi und die verschlungenen Wege zum Glück«.

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