Taanit Esther

Fasten vor der Schlacht am Buffet

Fasten kann geistige Inspiration wecken. Foto: Getty Images/iStockphoto

Taanit Esther, das »Esther-Fasten« zu Ehren der Purim-Heldin, findet jedes Jahr vor dem Fest statt – in diesem Jahr am Mittwoch, den 20. März. Das ist (wie meistens) der Tag unmittelbar vor Purim. Auf den ersten Blick erscheint es widersprüchlich, dass ausgerechnet im Monat Adar, in dem man die Freude vermehren soll, am Vortag des freudigsten Feiertages im jüdischen Jahr ein Fasttag etabliert wurde. Was könnten die Gründe dafür sein?

Zu Ehren der Purim-Heldin heißt der Fastentag Taanit Esther – das Fasten von Esther. In der biblischen Megillat Esther (4,16) stimmt Esther zu, dem König einen Besuch abzustatten, obwohl sie nicht von ihm gerufen worden war, um von ihm die Rettung des jüdischen Volkes zu erbitten. Dieses Vorgehen konnte damals mit der Todesstrafe geahndet werden. Daher forderte die Königin das gesamte jüdische Volk auf, vor dem Besuch beim König drei Tage zu fasten und für ihren Erfolg zu beten. Doch warum hatte Esther einen Fastentag ausgerufen?

Teschuwa Fasten hilft, körperliche Bedürfnisse zu reduzieren, um uns stärker auf unser spirituelles Selbst konzentrieren zu können. Dies erleichtert den Prozess der Teschuwa (Rückkehr). Wir kehren zu unserem ursprünglichen Reinheitsgrad zurück. Esther forderte, dass das gesamte jüdische Volk fasten solle, mit der Absicht, dass die Juden durch Seelenforschung eine spirituelle Verbindung bilden, die notwendig war, um ihre Mission zum Erfolg zu bringen. Und wie sich im Nachhinein zeigte, lag Esther damit genau richtig.

 

Am Tag, bevor eine jüdische Armee in den Krieg zieht, sollen ihre Soldaten fasten.

Somit bezweckt dieser Fastentag nicht, die Trauer in uns zu erwecken, wie es bei den meisten anderen Fastentagen der Fall ist. Der Zweck des Esther-Fastens ist vielmehr, geistige Erhebung und Inspiration in uns zu erzeugen.

Dementsprechend gab es während der Geschichte von Purim ein anderes Fasten: Die Juden fasteten und beteten am 13. Adar in Vorbereitung auf ihre Verteidigung gegen Hamans Erlass, das jüdische Volk zu vernichten.

Sieg Die Tora schreibt vor, dass Soldaten einen Tag, bevor eine jüdische Armee in den Krieg zieht, fasten sollen. Der Grund dafür: Die beste Waffe eines Juden ist die Erkenntnis, dass Stärke und Sieg nur durch G’tt kommen (2. Buch Mose 17,10). Die Tatsache, dass wir zu Beginn des Kampfes körperlich geschwächt sind, sichert uns außerdem zu, dass jeder Sieg nicht auf unsere körperlichen Fähigkeiten zurückzuführen ist, sondern auf die Hilfe des Allmächtigen. Im Grunde ist es dieser Fasttag vor der Schlacht, an den wir uns jedes Jahr vor Purim erinnern.

An diesem Tag gelten folgende Gesetze: Das Fasten beginnt mit dem Morgengrauen (Alot Hashachar) und endet nach Einbruch der Dunkelheit (Tzet Hakochavim). Essen und Trinken sind nicht erlaubt. Andere Tätigkeiten wie das Tragen von Lederschuhen und persönliche Körperpflege sind jedoch zulässig.Da es sich nicht um einen »großen« Fasttag handelt, sind schwangere oder stillende Frauen ebenso wie mäßig kranke Menschen vom Fasten befreit.

 

Das Fasten beginnt mit dem Morgengrauen und endet nach Einbruch der Dunkelheit.

 

Wenn jemand ansonsten gesund ist, Kopfschmerzen hat und es ihm schwerfällt, zu fasten, kann er zwar essen, ist aber verpflichtet, das Fasten an einem anderen Tag »nachzuholen«. In allen fraglichen Fällen sollte aber ein kompetenter Rabbiner konsultiert werden.

dATEN Wenn der 13. Adar auf einen Schabbat fällt, fasten wir an diesem Tag aufgrund der Ehre des Schabbats nicht. Es wird ebenfalls nicht am Freitag gefastet, da dies die Schabbatvorbereitungen beeinträchtigen würde. Das Fasten wird dann auf Donnerstag, den 11. Adar, vorverlegt.

Es ist üblich, das Fasten bis nach der Lesung der Megillat Esther zu verlängern – außer in den Städten mit einer Mauer aus der Zeit Jehoschua bin Nuns, wo die Megilla in der Nacht des 15. Adar gelesen wird.

Wie bei anderen öffentlichen Fasttagen wird auch an Taanit Esther der Toraabschnitt von Vajechal Mosche (2. Buch Mose 32, 11–14 und 34, 1–10) sowohl bei Schacharit als auch bei Mincha gelesen. Wenn eine Brit Mila auf das Esther-Fasten fällt, sollte die Seudat Mizwa (feierliche Mahlzeit) auf den Abend verschoben werden. Der Vater, die Mutter des Kindes sowie der San­dak dürfen allerdings essen und trinken, da dieser Tag für sie als ein Feiertag gilt. (Schaar HaTziun 686,16).

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und Mitglied im Beirat der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD).

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