Talmudisches

Cäsar und die Rippe Adams

Cäsar zum Rabbi: »Dein G’tt ist ein Dieb.«

Talmudisches

Cäsar und die Rippe Adams

Wie der Kaiser Rabban Gamliel herausforderte

von Noemi Berger  20.09.2019 09:33 Uhr

Im Talmud (Sanhedrin 39a) lesen wir: »Cäsar sagte zu Rabban Gamliel ...« Cäsar? Meint der Talmud damit den großen römischen Kaiser und Eroberer? Ja, es handelt sich tatsächlich um ihn.

Es mag seltsam erscheinen, im Talmud auf einige der sogenannten »großen Gestalten« der antiken Geschichte zu stoßen, aber genau das finden wir hier. An anderer Stelle berichtet der Talmud von Rabbi Meir, einem der größten Rabbiner seiner Zeit, und der berühmten ägyptischen Königin Kleopatra.

Gamliel Folgende Geschichte wird über Cäsar und Rabban Gamliel erzählt, der ein jüdischer Patriarch und um die Mitte des ersten Jahrhunderts n.d.Z. die bedeutendste Persönlichkeit des rabbinischen Judentums war: Cäsar, der den großen Rabbiner zwar respektierte, aber auch des Öfteren herausforderte, sagte eines Tages zu ihm: »Dein G’tt ist ein Dieb. In eurer Bibel las ich folgenden Satz: ›Und G’tt ließ einen tiefen Schlaf fallen über den (ersten) Menschen, (Adam), und er schlief ein. Und Er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle zu mit Fleisch‹« (1. Buch Mose 2,21).

Cäsar hatte eine Tochter namens Julia. Sie war nicht nur sehr beliebt im Volk, sondern es eilte ihr der Ruf voraus, klug und weise zu sein.

Einwurf Wie der Zufall es wollte, hörte Julia das Gespräch zwischen ihrem Vater und dem Rabbi. Daraufhin bat sie ihren Vater und Rabban Gamliel, selbst auf Cäsars Herausforderung antworten zu dürfen. Ihr war aufgefallen, dass Cäsar den darauffolgenden Satz aus der Bibel nicht zitiert hatte, nämlich: »Und G’tt der Herr baute eine Frau aus der Rippe, die Er von dem Menschen genommen hatte, und brachte sie zu ihm« (1. Buch Mose 2,22).

Die Bitte, antworten zu dürfen, wurde Julia gewährt. Doch bat sie Cäsar zunächst: »Vater, gib mir unbedingt eine Leibwache!«

»Aber wozu brauchst du sie?«, fragte Cäsar.

Julia antwortete: »In der letzten Nacht sind Diebe in meine Gemächer eingedrungen und haben eine silberne Flasche mitgenommen. Doch haben sie gleichzeitig auch eine goldene Flasche dagelassen.«

Als Cäsar dies hörte, rief er begeistert: »Oh, wenn sie doch nur jede Nacht kommen würden! Solche Diebe lobe ich mir!«

»Siehst du«, rief Julia aus, »und jetzt frage ich dich, ob es für Adam nicht doch von Vorteil war, dass ihm zwar eine Rippe entnommen wurde, er aber an dessen Stelle mit einer Frau bereichert wurde, die ihm zur Seite stand und ihm zur Gefährtin wurde? Diesen Teil der Adams­geschichte aus der Tora hast du nämlich ausgelassen.«

»Aber warum konnte die Rippe dem Adam nicht entnommen werden, während er wach war?«, fragte Cäsar. »Warum musste erst ein Schlaf über ihn kommen?«

Da rief Julia einen der Diener herbei und sagte: »Schaff mir ein Stück rohes Fleisch herbei!« Man brachte es ihr, sie nahm das Fleisch und verscharrte es in der heißen Asche des Herdes. Danach zog sie es heraus, reichte es ihrem Vater und sagte: »Iss davon!«

Cäsar war verwirrt: »Ich kann das nicht essen. Dieses Fleisch ist zu abstoßend für mich.«

»Ach?«, antwortete Julia. »Das Gleiche kann auf Adam übertragen werden: Hätte er mit ansehen müssen, wie seine Frau aus seiner Rippe geformt wurde, hätte es ihn abgestoßen.«

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