Chanukka

Aufstand der Schwachen

Das Öl im Tempel von Jerusalem reichte nur für einen Tag. Doch es geschah ein Wunder, und die Lampe brannte acht Tage. Deshalb hat der Chanukkaleuchter acht Arme – plus Schamasch Foto: Flash 90

Die Wurzeln des Chanukkafestes liegen in einem etwa 2180 Jahre zurückliegenden historischen und zugleich wunderbaren Ereignis. Der griechische König Antiochus Epiphanes befahl den Einwohnern aller von ihm beherrschten Länder, die eigene Religion und Kultur zugunsten der hellenistischen aufzugeben.

Das Gesetz Moses wurde außer Kraft gesetzt. Auf die Einhaltung der Speisevorschriften, des Schabbats und der Durchführung der Beschneidung stand die Todesstrafe. In dieser Situation zu kapitulieren, bedeutete damals wie heute, die jüdische Identität aufzugeben und sich der heidnischen Umwelt anzupassen.

Aber im Volk Israel lehnte sich eine toratreue Gruppe der Makkabäer und Hasmonäer gegen die Verbote auf, um die eigene Religion und Tradition zu bewahren. Ihren Mitgliedern war von Anfang an klar, dass die Chance im Streit gegen das griechische Imperium gleich null war. Doch ihre Angst konnte sie nicht besiegen, weil sie auf G’tt vertrauten. G’tt half den wenigen und Schwachen gegen die vielen und Starken, sodass sie am Ende obsiegten und wir im Ausgang dieses Kampfes das erste Wunder von Chanukka erkennen.

Krieg Dieser Krieg dauerte drei Jahre. Die Griechen hatten den Jerusalemer Tempel zwar nicht zerstört, aber erobert und entweiht. Sie stellten ihr Götterbild von Zeus in den Tempel und opferten auf dem Altar unreine Tiere, außerdem entfernten sie alle heiligen Gegenstände. Als die Juden den Tempel zurückeroberten, reinigten sie ihn samt Altar und stellten den ursprünglichen Zustand wieder her.

Der Krieg endete mit dem Sieg der Juden am 25. des jüdischen Monats Kislew, im Jahr 167 vor unserer Zeit. Als die siegreichen Hasmonäer zur Einweihung des Tempels kamen, wollten sie die Menora wieder in Gebrauch nehmen. Sie suchten nach reinem Öl und fanden ein Krüglein mit dem Stempel des Hohepriesters, versehen aus der Zeit vor dem Krieg. Seine Menge konnte eigentlich nur für einen Tag reichen. Stattdessen reichte sie für acht Tage. Das war das zweite Wunder von Chanukka.

Helden Auch wenn sich sogar Juden der weit verbreiteten und viele Lebensbereiche prägenden griechisch hellenistischen Kultur assimiliert hatten: Durch den Widerstand der Makkabäer und Hasmonäer entging damals das jüdische Volk der religiösen wie kulturellen Anpassung. Ohne Zweifel, die Helden dieses Wiedereinweihungsfestes waren die Makkabäer und Hasmonäer.

Das Wort »Makkabi« lässt sich zweifach erklären. Zum einen bedeutet es auf Deutsch »Hammer« und steht symbolisch für den Sieg der wenigen und Schwachen über die vielen und Starken. Die Makkabäer haben die Griechen einem Hammer vergleichbar geschlagen. Außerdem steht das Wort »Makkabi« mit seinen vier hebräischen Buchstaben für die Abkürzung von »Mi kamocha ba’elim Haschem« (»Wer ist wie Du unter den Göttern, Ewiger?«).

Auch das Wort Chanukka hat verschiedene Bedeutungen. Erstens: »Sie ruhten (die Makkabäer und Hasmonäer) am 25. Kislew von allen Kriegen«, zweitens »Einweihungsfest« und drittens »Lichterfest«.

Das Chanukkafest wird meistens in der Weihnachtszeit begangen. In dieser Zeit sind die Tage kurz und dunkel. Durch diese natürlichen Gegebenheiten gelingt es leicht, schon durch ein kleines entzündetes Licht die Finsternis zu durchbrechen und zu erhellen.

Krüglein Das Wunder mit dem Krüglein Öl ist im Judentum zu einem wichtigen Symbol geworden. Die Griechen schütteten das Öl zwar nicht aus, aber sie entweihten es. Auf Hebräisch heißt Öl »Schemen«. In diesen Buchstaben findet sich das Wort »nechama« wieder, das »Seele« bedeutet. Demnach erinnern wir uns mit der Feier des Chanukkafestes auch an den Versuch der Griechen, die Seele des jüdischen Volkes zu entweihen.

Wir gedenken der vielen Juden, zum Beispiel in Babylon, Spanien, Osteuropa, Marokko und Jemen, die durch die Jahrhunderte hindurch der Entweihung ihrer Religion durch Einflüsse heidnischer Kulte widerstanden.

heiligung Wie viele Heldenerzählungen von mutigen Frauen, Kindern und Männern gibt es, die für die Heiligung des G’ttesnamens ihr Leben geopfert haben, nur um nicht entweiht zu werden und fremden Göttern dienen zu müssen.

Außer Zweifel steht dabei, dass die Juden nur widerstehen und trotzdem als Volk überleben konnten, weil G’tt ihnen zur Seite stand. Die Geschichte vom Chanukkafest ist nach wie vor auch die Geschichte unserer Tage, unsere Geschichte. Versuche und Versuchungen, uns zu assimilieren, gibt es bis heute genug!

Viele Sitten und Bräuche verbinden sich heute mit dem Chanukkafest. So zünden wir am 25. Kislew die erste Kerze am Chanukkaleuchter an. An den folgenden sieben Tagen wird jeweils eine weitere Kerze zum Leuchten gebracht, bis am letzten Festtag schließlich alle acht Kerzen der Chanukkia brennen.

Leuchten Während die Menora mit sieben Leuchten ausgestattet ist, finden wir bei dem Chanukkaleuchter acht Leuchten und zusätzlich einen Kerzenhalter vor. Diese neunte Leuchte ist lediglich für den »Schamasch«, den »Diener«, vorgesehen, also für die Kerze, mit der alle anderen Kerzen entzündet werden.

Zum Chanukkafest freuen sich die Kinder auf das Geld, das ihnen die Erwachsenen schenken. Aber auch die Armen werden bedacht, damit sie die Gebote von Chanukka erfüllen und sich Kerzen kaufen können.

Jeden Abend nach dem Sonnenuntergang versammelt sich die ganze Familie, nehmen Groß und Klein an der feierlichen Zeremonie der Chanukkakerzen teil. Denn alle sollen sich an diesen Krieg für die Heiligung des G’ttesnamens durch das Volk Israel erinnern.

Der Autor war bis 2011 Landesrabbiner von Sachsen.

Wajakhel–Pekudej

Serie mit Botschaft

In »Alles für die Liebe« geht es um Familie, Zusammenhalt und Werte, die bereits im Mischkan und heute am Pessachfest eine besondere Bedeutung haben

von Yonatan Amrani  13.03.2026

Talmudisches

Die Zahl Dreizehn

Was unsere Weisen über Vollständigkeit und gʼttliche Ordnung lehren

von Chajm Guski  13.03.2026

Unterricht

Wenn Lehrer lernen

Jüdische Religionspädagogen aus ganz Deutschland treffen sich zur Weiterbildung – und finden Wege, alte Texte mit Theater, TikTok und KI wieder lebendig werden zu lassen

von Mascha Malburg  13.03.2026

Pro & Contra

Braucht es jüdischen Feminismus?

Ja, sagt Valérie Rhein: »Weil er zu einem hierarchieloseren Miteinander beiträgt.« Nein, findet Noémi Berger: »Gleichwertigkeit ist das Fundament, auf dem jüdisches Leben gebaut ist.«

von Valérie Rhein, Noemi Berger  12.03.2026

Chabad

Europäische Rabbiner tagen in Berlin

Die Hauptstadt ist seit Montag Treffpunkt von rund 180 Rabbinern aus ganz Europa

 09.03.2026

Talmudisches

Neidisch

Was unsere Weisen über Zufriedenheit lehren

von Detlef David Kauschke  06.03.2026

Verantwortung

Zerbrochen und erneuert

Die Geschichte von Mosche und den zweiten Gesetzestafeln zeigt, dass Gestaltungswille uns den Weg zu Gott öffnet

von Paige Harouse  06.03.2026

Dialog

Judaist Rutishauser: Antisemitismus greift tief in die Psyche

Am Sonntag erhält Christian Rutishauser die Buber-Rosenzweig-Medaille für seine Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog. Was er zum Antisemitismus sagt - und warum die Gesellschaft »auf die Couch« müsse

von Leticia Witte  06.03.2026

Gespräch

»Das Leben ist keine schicksalhafte Tragödie«

Der Luzerner Jesuit und Judaist Christian Rutishauser erhält für seinen Einsatz im christlich-jüdischen Dialog die Buber-Rosenzweig-Medaille. Hier erzählt er, was ihn am rabbinischen Denken fasziniert

von Richard Blättel  05.03.2026