Berlin

Zweifel an der Herkunft

Stiftungspräsident Hermann Parzinger Foto: dpa

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will einen aufsehenerregenden Fall von möglicher NS-Raubkunst rasch und umfassend aufklären. Gegebenenfalls werde das betreffende Bild »Pariser Platz in Berlin« des österreichischen Expressionisten Oskar Kokoschka (1886–1980) an eventuelle Erben der ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben, kündigte Stiftungspräsident Hermann Parzinger am frühen Donnerstagabend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Berlin an.

Das 1926 von Kokoschka gemalte Bild hing bis Mittwoch im Amtszimmer Parzingers, wurde nach Zweifeln an der Herkunft aber umgehend abgehängt und ins Depot der Nationalgalerie gebracht.

Kunstsammlerin Parzinger betonte, nach bisherigen Erkenntnissen sei man davon ausgegangen, dass das Kokoschka-Bild vor 1933 von der Galerie der jüdischen Kunstsammlerin Anna Caspari an die Dresdner Bank gegeben wurde. Die Galerie Caspari habe schon vor Machtantritt der Nazis mehrfach Kunstwerke an die Bank als Sicherheit verpfändet. Die Berliner Museen erwarben das Werk 1935 von der Dresdner Bank.

Die Provenienz schien bisher klar, sagte Parzinger. Nach neuen Recherchen bestünden daran aber seit rund zwei Wochen Zweifel. Weil die Stiftung Transparenz und Aufklärung einen überaus hohen Stellenwert beimesse, sei sofort gehandelt, das Gemälde aus dem Dienstzimmer abgehängt und die Herkunftsforschung »forciert« worden, erläuterte Parzinger. Er selbst habe das Bild in seinem Dienstzimmer bereits bei Amtsantritt im Jahre 2008 vorgefunden.

recherche Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unterstrich, die forcierte Herkunftsforschung sei »eine proaktive Recherche« gewesen. Selbstverständlich werde die Herkunft aller Werke untersucht. »Wir denken, dass wir uns hier nichts vorzuwerfen haben«, sagte Parzinger.

Restitutionsforderungen zu dem Bild lägen bisher nicht vor. Jedoch werde im Zuge der jetzigen Provenienzforschung zu dem 76 mal 110 Zentimeter großen Ölbild auch versucht, mögliche Erben oder Nachkommen von Caspari ausfindig zu machen. Wie lange die Aufklärung dauern wird, lasse sich wegen der »hochkomplexen Forschung« nicht prognostizieren. epd

Hannover

Anklage gegen Niedersachsens AfD-Chef erhoben

Ihm werden Verstöße gegen das Parteiengesetz vorgeworfen, wie die Behörde mitteilte

 21.10.2026

Jerusalem

Schicksalswahl in Israel: Es geht um mehr als Netanjahu

Kann der heutige Ministerpräsident trotz des Versagens vom 7. Oktober und dreier harter Kriegsjahre seine Macht behaupten? Oder gelingt es der liberaleren Opposition, ihn nach Jahren an der Regierungsspitze abzulösen?

von Sara Lemel  21.10.2026

Israel

Eizenkot liegt vor Netanjahu, doch Mehrheit bleibt außer Reichweite

In dieser Situation könnten besonders die kleineren Parteien und die arabischen Listen entscheidenden Einfluss auf die Regierungsbildung gewinnen

 21.10.2026

Paris

Antisemitische Verschwörungsmythen machen Juden für Ausschreitungen verantwortlich

Die NGO Combat Antisemitism Movement untersuchte Hunderte Beiträge auf der Plattform X. Das Ergebnis ist alarmierend, aber nicht überraschend

 21.10.2026

Washington D.C./Jerusalem

Trump soll Netanjahu von neuem Großangriff auf Iran abgehalten haben

Die geplante Offensive sollte umfangreicher ausfallen als der gemeinsame israelisch-amerikanische Militäreinsatz im Februar

 21.10.2026

Berlin

Demonstranten kleben sich vor Rüstungsunternehmen fest

Die Aktivisten wollen damit gegen Waffenlieferungen nach Israel protestieren

 21.10.2026

Berlin/Augsburg

Volker Beck: Agieren von Grünen und SPD »unverständlich«

»Bei der Berliner Linken hat keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Judenhass und Antizionismus in den eigenen Reihen stattgefunden«, sagt der DIG-Präsident

 21.10.2026

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 20.10.2026

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026