Gedenken

»Zu Verbündeten werden«

Kelly Laubinger Foto: Kaja Grope

Frau Laubinger, am 2. August war der Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma. Ist die Erinnerung an diesen Völkermord endlich im öffentlichen Bewusstsein angekommen?
Das Bewusstsein ist zwar durch die jahrzehntelange Arbeit der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma gewachsen, doch viele wissen immer noch nicht, dass es diesen Völkermord überhaupt gegeben hat. Dass Bundestagspräsidentin Bärbel Bas bei der Gedenkzeremonie in Auschwitz dabei war, ist ein positives Signal. Es fehlt in der Politik aber an konkreten Handlungen: Die Abschiebungen geflüchteter Roma dauern weiter an, und das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma wird nicht vollumfänglich geschützt.

Unter dem Mahnmal im Berliner Tiergarten soll ein S-Bahn-Tunnel gebaut und dafür mehrere Gedenkbäume gefällt werden.
Das sendet das Signal, dass den Verantwortlichen in der Politik dieses Mahnmal nicht so wichtig ist. Bäume spielen in unserer Kultur eine besondere Rolle, weil sie uns über Jahrhunderte Schutz geboten haben. Viele Angehörige unserer Minderheit haben nicht die Ressourcen, zum Gedenken nach Auschwitz zu fahren. Das Mahnmal in Berlin ist für uns ein wichtiger Ort der Trauer und des Innehaltens.

Sinti und Roma sind nach wie vor eine in Europa stark diskriminierte Minderheit. Wie zeigt sich das in Deutschland?
Der Rassismus gegen Sinti und Roma ist in allen Lebensbereichen strukturell verankert – sei es in der Schule, bei Behörden oder der Polizei. Für 2023 hat die Meldestelle Antiziganismus 1233 rassistische Vorfälle dokumentiert. Die Dunkelziffer ist allerdings sehr groß.

Vergangenes Jahr wurde Ihnen aufgrund der Zugehörigkeit zur Sinti-Minderheit ein Hotelzimmer verweigert. Ein Gericht hat die Betreiber nun mit einer Geldstrafe belegt. Macht Ihnen dieses Urteil Hoffnung?
Definitiv, das ist ein wichtiges Zeichen für uns als Minderheit. Allerdings ist das nur ein Fall von vielen. Betroffene vom spezifischen Rassismus gegenüber Sinti und Roma klagen so gut wie nie vor Gericht. Es fehlt sowohl an Vertrauen in das Rechtssystem als auch an Wissen. Ich selbst wusste zum Beispiel lange nicht, dass es Antidiskriminierungsstellen gibt, an die man sich wenden kann.

Wie kann die jüdische Gemeinschaft Sinti und Roma in ihrem Kampf um Anerkennung unterstützen?
Die jüdische Gemeinschaft leistet schon sehr viel, und wir kooperieren häufig mit Jüdinnen und Juden. Wichtig ist, dass man offen aufeinander zugeht und sich selbst auch eingesteht, dass man antisemitische oder rassistische Vorstellungen über die jeweils andere Gruppe hat. Gemeinsam können wir am Abbau von Vorurteilen arbeiten und zu Verbündeten füreinander werden.

Mit der Geschäftsführerin der Sinti Union Schleswig-Holstein und Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Sinti und Roma sprach Joshua Schultheis.

Norwegen

Wandbild in Oslo ehrt palästinensische Terroristin

Ein überdimensionales Wandbild im Zentrum der norwegischen Hauptstadt zeigt unter anderen die frühere PFLP-Terroristin Leila Khaled, die von der verantwortlichen Gruppe als »Widerstandskämpferin« bezeichnet wird

 25.08.2026 Aktualisiert

Washington D.C./Teheran

USA wollen Teheran mit neuen Sanktionen in die Knie zwingen

Washington beabsichtigt, Irans Einnahmequellen trockenzulegen, um die Führung in Teheran zum Einlenken zu bewegen. Finanzminister Bessent spricht Drohungen aus, aber vieles bleibt unklar

 25.08.2026

Parteien

Umfrage: So denken die Deutschen über die AfD

Brandmauer? Parteiverbot? Das Insa-Institut hat nachgefragt

 25.08.2026

Brandenburg

Antisemitismusbeauftragter Büttner für schärferes Strafrecht

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat ein strengeres Strafrecht gegen Judenhass gefordert. Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter schließt sich an

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026

Die schwedischen Linken-Politiker Hanna Gedin und Jonas Sjöstedt

Jerusalem

Israel verweigert zwei schwedischen EU-Abgeordneten die Einreise

Jonas Sjöstedt und Hanna Gedin von der schwedischen Linkspartei wollen in der vergangenen Nacht anreisen, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu besuchen

 24.08.2026

Hand zeigt ein Smartphone mit dem ChatGPT Logo vor rotem Hintergrund

Künstliche Intelligenz

Sam Altmans ChatGPT zeigt ab heute Werbung

Einige User werden von nun an Werbung sehen. Wie werden gesuchte Antworten von Anzeigen getrennt?

 24.08.2026

MIttlerer Osten

Iran warnt USA vor Wirtschaftskrieg - und droht Golfstaaten

Im Iran-Krieg wird aktuell nicht gekämpft. Washington will Teheran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Der Iran gibt sich selbstbewusst - und droht den USA und ihren Verbündeten mit Konsequenzen

 24.08.2026

Teheran

Erneut Hinrichtung nach Massenprotesten im Iran

Die iranische Führung schlug die Proteste im Januar brutal nieder. Seitdem werden immer wieder Menschen exekutiert. Die Hinrichtungen sind auf einem Rekordniveau

 23.08.2026