Finanzhilfe

Zentralrat: UNRWA darf in seiner derzeitigen Form keine Zukunft haben

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisiert die von Union und SPD erklärte Bereitschaft, in einer künftigen Bundesregierung das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA weiter zu unterstützen. »Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 ist klar: UNRWA darf in seiner derzeitigen Form keine Zukunft haben«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Zeitung »Die Welt«. Es sei fahrlässig, wenn deutsche Steuergelder in Strukturen versickerten, »die am Ende bei islamistischen Terroristen enden könnten«.

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, man mache den Umfang einer künftigen Unterstützung für das UN-Palästinenserhilfswerk »von umfassenden Reformen abhängig«. Kritiker werfen der UNRWA vor, keine neutrale Behörde zu sein, sondern eine antiisraelische Agenda zu verfolgen und etwa in Schul-Lehrplänen Antisemitismus zu fördern und Gewalt zu verherrlichen.

Zudem haben UNRWA-Mitarbeiter sich nachweislich am Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 beteiligt oder ihn gefeiert. Laut »Welt« ist Deutschland der größte Einzelgeldgeber der Organisation und zahlte 2024 insgesamt 142 Millionen Euro an das Hilfswerk.

Lesen Sie auch

»UNRWA ist ein toter Gaul«

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, bezeichnete die UNRWA gegenüber der Zeitung als »nicht reformierbar«. Jeder Versuch, sie zu verändern, gleiche dem »Reiten eines toten Gauls«. Prosor wirft der UNRWA vor, keine glaubwürdigen Schritte gegen Verstrickungen mit der Terrororganisation Hamas, antisemitische Inhalte in Schulbüchern und interne Korruption unternommen zu haben. Stattdessen habe sie ihre Geldgeber immer wieder getäuscht und Reformen nur »vorgetäuscht«.

Jürgen Hardt (CDU), außenpolitischer Sprecher der Union, sagte der »Welt«, es brauche eine »Neuausrichtung« des Hilfswerks, insbesondere bei der Personalauswahl. Verbindungen zur Hamas müssten vollständig ausgeschlossen werden - »notfalls mit neuen Prüfmechanismen«.

Nils Schmid, Außenpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion, nannte die UNRWA wegen ihrer humanitären Hilfsleistungen in Gaza und dem Westjordanland »unverzichtbar«, solange es keinen palästinensischen Staat gebe. Deutschland werde Reformen »überwachen und begleiten«. kna/ja

Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Während die Linke weiter um den Umgang mit der Neuköllner Abgeordneten ringt, provozierte diese erneut

 05.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Frankfurt am Main

Trotz Warnungen der jüdischen Gemeinde: Comedian tritt in Frankfurt auf

Trotz Forderungen aus der Stadtgesellschaft, den Auftritt abzusagen, bespielt der neurechte Satiriker Nikolai Binner am Freitag einen Saal in einer städtischen Liegenschaft

 05.11.2026

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

Berlin

Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen bis Januar

Linke, Grüne und SPD wollen erst im nächsten Jahr einen Koalitionsvertrag vorlegen. Und dann folgt noch ein Zwischenschritt

 04.11.2026

Koalitionsverhandlungen

Klingbeil fordert Linke auf, antisemitische Politiker rauszuwerfen

Bisher hat sich der SPD-Chef zurückgehalten, was die Berliner Koalitionsverhandlungen angeht. Jetzt macht er klar, was er von der Linken erwartet

 04.11.2026