Meinung

Zellen fürs Leben

Er sei ein neuer Frankenstein, sagen die einen, er spiele Gott, die anderen – was ja nicht ganz dasselbe ist. Tatsache bleibt, dass dem US-Biochemiker Craig Venter, der vor einigen Jahren bereits die menschliche DNA entziffert hat, ein weiterer wissenschaftlicher Durchbruch gelungen ist: Er hat im Labor künstliches Erbgut hergestellt, in einen Einzeller verpflanzt und somit das erste künstliche Bakterium erzeugt. Ein unzulässiger Eingriff in die Schöpfung? Während der Vatikan sich erstaunlich positiv über Venters Forschungserfolg geäußert hat, kommen die Einwände hierzulande von den üblichen Bedenkenträgern in Fortschrittsfragen: von Greenpeace, der SPD – und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth, berief sich im Hinblick auf Venters Entdeckung etwa auf »jüdische Weisheit«, indem er aus dem Buch Jesus Sirach zitierte: »Strebe nicht nach dem, was zu hoch ist für dich, und frage nicht nach dem, was deine Kraft übersteigt.« Falsch! Das Judentum steht dem Streben nach Höherem in der Wissenschaft positiv gegenüber – vor allem dann, wenn es das menschliche Leben verbessert. Und genau dies könnte Venters Entdeckung bewirken. Sie könnte die Medizin, Nahrungserzeugung und Energiegewinnung revolutionieren.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026