Meinung

Zahal braucht keine Charedim

Als Kulturkampf zwischen Säkularen und Charedim erscheint der aktuelle Konflikt, ob ultraorthodoxe Männer ins israelische Militär eingezogen werden sollen. Doch diese Sicht verdeckt, dass Israel ein liberales und höchst pluralistisches Land ist, das andere Sorgen hat: Es benötigt dringend politische Reformen, konkret und vor allem den Umbau der Zahal zu einer Freiwilligenarmee.

Das Militär aber verhält sich zu diesem Streit, als wäre es bloßer Zuschauer. Tatsächlich kann und will Zahal Tausende junger Ultraorthodoxer gar nicht integrieren, denn dann müsste es sich ihnen weitgehend anpassen. Das wiederum würde Probleme bei der Integration von Frauen bedeuten: die Quadratur des Kreises.

ablenkung Es geht also bei dem Streit um etwas anderes. Finanzminister Yair Lapid will den Frommen, wenn sie nicht dienen, Sozialleistungen streichen. Doch Lapid, der vor allem gewählt wurde, damit die Lebenshaltungskosten sinken, steht unter politischem Druck. Also sucht er sich zur Ablenkung ein Thema, mit dem er sich auf Kosten einer Gruppe profilieren kann, die ihn sowieso nicht wählt: die Ultraorthodoxen.

Diese wollen nicht nur ihre Identität bewahren, sondern es geht ihnen auch um ihre wirtschaftliche Lage, die nicht noch schlechter werden soll. Derzeit werden sie faktisch vom Staat zum Studium an religiösen Hochschulen gezwungen, wenn sie nicht zum Militär oder ins Gefängnis wollen. Daher sind diese Männer, oft junge Familienväter, auf die geringen Sozialleistungen angewiesen, die jetzt gefährdet sind.

freiwillige Das Militär wurde 1948 auch als großer Integrationsapparat gegründet. Doch die israelische Gesellschaft hat sich verändert, sodass mittlerweile eine professionelle Freiwilligenarmee namens Zahal viel sinnvoller wäre. Das würde nicht nur für den israelischen Steuerzahler eine enorme Entlastung bedeuten, sondern könnte auch die Konflikte mit denjenigen beilegen, die nicht in Judäa und Samaria dienen wollen und daher in Gefängnissen sitzen.

Nicht zuletzt würde es eine solche Reform ultraorthodoxen Männern ermöglichen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihre Familien zu ernähren, ohne diese verlassen zu müssen, solange sie Rekruten sind.

Der Autor ist Journalist und Übersetzer in Berlin.

Diplomatie

Großes Zögern

Das iranische Regime unterdrückt die Proteste im eigenen Land brutal. Doch Brüssel und Berlin erhöhen den Druck nur langsam

von Michael Thaidigsmann  21.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Berlin

Ahmed Abed: Nominierung der Linken sorgt für scharfe Kritik

Beim Neuköllner Kreisverband der Linkspartei sei Antisemitismus kein Randphänomen mehr, sagt Remko Leemhuis, der Direktor des AJC Berlin

von Imanuel Marcus  21.01.2026

Auszeichnung

Großer Kunstpreis Berlin geht 2026 an Meredith Monk

Die sechs Sektionen der Akademie der Künste wechseln sich bei der Vergabe des Großen Kunstpreises Berlin ab. In diesem Jahr ist die Sparte Musik dran. Sie ehrt eine US-amerikanische Sängerin und Komponistin

 21.01.2026

Berlin

Taglit für alle

Junge Führungskräfte sollen Israel entdecken – unabhängig von Religion und Herkunft. Der frühere israelische Staatspräsident Reuven Rivlin wirbt in Berlin für das Projekt »The Way Shalom«

 21.01.2026

Nairobi

Wadephul betont zu Trumps »Friedensrat« Bedeutung der UN

Die Welt schaut auf Davos und neue Pläne von US-Präsident Trump zur Konfliktlösung. Der deutsche Außenminister äußert sich weit entfernt in Kenia - und sieht Fragen offen

 21.01.2026

Judenhass

Bayern plant Exmatrikulation von Störern an Unis

Wer dauerhaft den Hochschulbetrieb in Bayern stört, soll künftig leichter herausgeworfen werden dürfen

 21.01.2026

Berlin

Wegner empfängt Kulturdelegation aus Tel Aviv

Im Zentrum des Treffens standen laut Staatskanzlei die weitere Vertiefung der kulturellen Beziehungen

 21.01.2026