Nachrichten

Würdigung, NSU-Drohmails, Halle, Stutthof

Hans-Jochen Vogel (1926–2020) Foto: imago images/Sven Simon

Würdigung
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat mit tiefer Trauer auf die Nachricht vom Tod des am vergangenen Sonntag verstorbenen früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel reagiert. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte Vogel als »prägende politische Persönlichkeit«. »In unserem Einsatz gegen Vorurteile und Antisemitismus war Hans-Jochen Vogel ein verlässlicher Partner«, erklärte Schuster. Immer wieder habe der SPD-Politiker dazu beigetragen, das öffentliche Bewusstsein für die Belange der jüdischen Gemeinschaft zu sensibilisieren. »Das gute Zusammenleben von Juden und Nichtjuden war ihm stets ein Herzensanliegen. Deutschland verliert mit Hans-Jochen Vogel eine herausragende Persönlichkeit.« Mit seinem großen politischen Engagement, hohen ethischen Maßstäben und seinem unermüdlichen Eintreten für den Rechtsstaat habe Vogel die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich geprägt, betonte der Zentralrat der Juden am Montag in Berlin. »Er war ein überzeugter Demokrat und kämpfte gegen jede Form von Extremismus.« Im Jahr 2001 wurde er für seine Verdienste um die jüdische Gemeinschaft mit dem Leo-Baeck-Preis geehrt. ja/dpa

NSU-Drohmails
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ist auch unter den Empfängern von Drohmails mit dem Absender »NSU 2.0«. Wie der Zentralrat am Dienstag bestätigte, hat Schuster ebenso wie der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, Anfang 2019 eine »NSU 2.0«-Drohmail erhalten. Mazyek hatte vergangene Woche öffentlich gemacht, solche Mails erhalten zu haben. Eine dieser Mails war ebenfalls an Schuster adressiert worden. Neben Schuster hat auch der Zentralrat der Juden als Institution den Angaben zufolge E-Mails mit diesem Absender erhalten. Auch in diesem Jahr sei das bereits vorgekommen. Die Hassmails seien zur Anzeige gebracht worden, hieß es. epd

Halle-Attentat
Der Prozess gegen den Attentäter von Halle ist am Dienstag dieser Woche in Magdeburg fortgesetzt worden. Die Nebenklagevertreter werden den 28-Jährigen zunächst weiter befragen, wie ein Sprecher des Oberlandesgerichts Naumburg am Montag mitteilte. Zudem sollen weitere Videos vom Tatgeschehen gezeigt werden. Ein Ermittlungsbeamter ist als erster Zeuge geladen. In den ersten beiden Prozesstagen hatte Stephan B. ein umfassendes Geständnis abgelegt und keinen Hehl aus seiner antisemitischen und rassistischen Einstellung gemacht. Es gibt in dem Verfahren 43 Nebenkläger, die von 21 Rechtsanwälten vertreten werden. Benannt sind 147 Zeugen, darunter 68 Ermittlungsbeamte. Unklar ist noch, ob die Familie des Angeklagten für Mittwoch als Zeugen geladen bleibt. Mutter, Vater und die Halbschwester von Stephan B. hatten schriftlich erklärt, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Stephan B. droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht. Der Angeklagte zeigte in den ersten Prozesstagen keinerlei Reue, Einsicht oder Bedauern. ja

Stutthof-Prozess: Keine Revision
Fünf Tage nach dem Urteil gegen einen früheren SS-Wachmann im KZ Stutthof hat die Verteidigung angekündigt, das Urteil unter bestimmten Bedingungen zu akzeptieren. »Der Angeklagte wäre bereit, um einen Abschluss zu finden, das Urteil zu akzeptieren. Die Verteidigung wird nur dann Revision einlegen, wenn die Staatsanwaltschaft oder Nebenklagevertretende dieses ihrerseits ankündigen«, sagte Verteidiger Stefan Waterkamp am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Die Frist für einen Antrag auf Revision beträgt sieben Tage. Sollten beide Seiten und auch die dazu berechtigten Nebenkläger auf Rechtsmittel verzichten, würde die Verurteilung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung rechtskräftig werden. Eine Jugendstrafkammer hatte den 93-Jährigen am vergangenen Donnerstag wegen Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig gesprochen. dpa

Kommentar

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ja, die Äußerungen von Israels Polizeiminister Ben Gvir sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen die Zukunft Israels am Herzen liegt. Zugleich muss betont werden, dass diese Aussagen zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels widerspiegeln

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert