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»Wir freuen uns«

Freudentränen in New York Foto: dpa

Amerika feiert immer noch den Tod von Osama bin Laden – und die jüdische Gemeinde feiert mit. »Wir freuen uns, und wir begrüßen aufs Wärmste die Ankündigung von Präsident Obama, dass Osama bin Laden, der für den Tod von vielen unschuldigen Menschen verantwortlich war, darunter Tausende im World Trade Center, nun tot ist«, erklärten Malcolm Hoenlein und Alan Solow, die der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations vorstehen, dem Dachverband der jüdischen Organisationen Amerikas.

george w. bush Eine besondere Genugtuung ist es für Hoenlein, dass man die Nachricht am alljährlichen Holocaust-Erinnerungstag erhielt. Immerhin habe bin Laden das jüdische Volk bedroht und Israel zerstören wollen. Die Conference vergaß auch nicht, neben Obama dem früheren Präsidenten George W. Bush zu danken, unter dessen Ägide die Jagd begonnen hatte. Beide hoffen, dass dies das ultimative Ende von Al Qaida ist. Der Kampf gegen Terrorismus müsse allerdings weitergehen.

Israels Ministerpräsident Benjanim Netanjahu rief Obama noch am Montag an, um ihm zu gratulieren. Und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte Minuten, nachdem die Nachricht die Runde gemacht hatte: »Nach dem 11. September 2001 haben wir unser Wort als Amerikaner gegeben, dass uns nichts aufhalten wird, Osama bin Laden zu fangen oder zu töten. Und wir haben unser Wort gehalten.« Am nächsten Tag, bei einer spontanen Pressekonferenz an der Baustelle des World Trade Centers, legte Bloomberg nach: »Osama bin Laden ist tot, und das World Trade Center und New York strahlen vor neuem Leben.«

lob B’nai B’rith International erklärte, die Tötung bin Ladens sei eine Botschaft an die ganze Welt: Die USA beschütze ihre Bürger unnachgiebig. Lob erhält Obama auch von konservativer Seite. Von einem »großartigen Sieg für die Vereinigten Staaten und deren Geheimdienste« sprach Matt Brooks, der Direktor der Republican Jewish Coalition.

Das American Jewish Committee, die wichtigste jüdische Organisation der USA, drückte seine »Bewunderung für die Regierung der USA« aus, »die unnachgiebig Osama bin Laden verfolgt« habe, so AJC-Direktor David Harris. Die Beziehung zwischen Präsident Obama und den konservativen jüdischen Organisationen ist seit einiger Zeit gespannt: Ihm wird vorgeworfen, Israel nicht genügend zu unterstützen.

villa Wehmut in die Freude goss der zum Konservativen gewendete Senator Joe Lieberman: Amerika dürfe sich jetzt nicht schnell aus Afghanistan zurückziehen – und Amerikaner sollten nun besonders wachsam sein, was Racheakte angehe. Anders äußerte sich etwa Roger Cohen in der New York Times. »Bin Laden wurde groß durch arabische Despoten und die amerikanische Heuchelei, die deren Repression unterstützt hat«, schrieb er. Nun müsse auch Israel seine Politik ändern und auf die Palästinenser zugehen.

AIPAC, die wichtigste israelische Lobbygruppe in den USA, empörte sich darüber, dass die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen regiert, bin Laden als »Heiligen Krieger« bezeichnet hat. Unter diesen Umständen dürfe Amerika nicht mit der Hamas verhandeln oder Israel dazu nötigen. Und die Zeitschrift Jewish Week machte sich Sorgen um die Beziehung zu Pakistan: Wie könne es sein, dass bin Laden dort so lange scheinbar unbemerkt lebte? Sogar in einer Villa?

nine-eleven Ob sich in den USA dadurch viel ändert, darf man bezweifeln. Seit dem Terroranschlag vom 11. September 2001 wurde bei allen jüdischen Einrichtungen die Sicherheit massiv verstärkt, Metalldetektoren bei Kulturzentren und Museen sind nun die Regel – dabei dürfte es bleiben.

Die Anti-Defamation League, die daran erinnerte, dass bin Laden nicht nur antiamerikanische, sondern auch antisemitische Botschaften ausgesandt habe, warnte, dass die Terrorgefahr nicht vorbei sei. »Wir müssen vor diesen Drohungen wachsam bleiben.« Ähnlich kommentierte die liberale jüdische Zeitung Forward: Der Tod von bin Laden habe die Bedrohung durch Terroristen nicht beendet – vielmehr mache er die USA und deren Alliierte, vor allem Israel, verwundbar für Racheattacken in den kommenden Monaten. »Aber«, heißt es in dem Kommentar, »diese Ängste sind mehr als aufgewogen durch das Gefühl der Erleichterung.«

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