EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Belgien

»Wir fanden es halt komisch«

Christoph D’Haese (2.v.l.), Bürgermeister der Stadt Aalst Foto: Getty Images / istock

So viel Aufmerksamkeit hatte der Straßenkarneval, der am vergangenen Sonntag in der belgischen Kleinstadt Aalst stattfand, wohl noch nie erfahren. Denn ein Motivwagen hatte es in sich: Zu sehen waren zwei als besonders abstoßend gezeichnete rosafarbene Figuren, die auf Goldmünzen stehen.

Sie waren aufgrund ihrer Strejmel und Schläfenlocken eindeutig als orthodoxe Juden markiert. Einer der beiden raucht, grinst und steckt mit einer Hand Geld ein, eine weiße Ratte sitzt auf seiner Schulter. Auch eine Mesusa ist zu erkennen. Geschaffen wurden diese Figuren, wie die zuständige Karnevalsgruppe Vismooil’n mitteilte, um gegen die steigenden Preise in Belgien zu protestieren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

VORURTEILE Weil der Motivwagen so ziemlich alle Klischees aus dem Lehrbuch des Antisemitismus auf sich vereinte, hagelte es Kritik aus der ganzen Welt. Darauf hat der Bürgermeister der Stadt Aalst, Christoph D’Haese, von der flämisch‐nationalistischen Partei Nieuw‐Vlaamse Alliantie (N‐VA) nun reagiert.

Der Zeitung »Het Laatste Nieuws« sagte er, »dass es nicht zu den Aufgaben eines Bürgermeister gehöre, so etwas zu verbieten«. Auch hätten die Teilnehmer des Umzugs gewiss »keine schlechten Absichten gehabt«. Die Initiatoren des Motivwagens verstehen die ganze Aufregung ebenfalls nicht. »Wir fanden es halt komisch, rosa Juden auf dem Umzug zu haben, die auf einem Safe sitzen, der das Geld enthält, das wir sparen«, erklärten sie gegenüber derselben Zeitung.

Die Initiatoren des Motivwagens verstehen die ganze »Aufregung« nicht.

Der Straßenkarneval von Aalst gehört aufgrund seiner über 600 Jahre alten Tradition seit 2010 zum sogenannten Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur fand den Motivwagen jedoch gar nicht lustig und verurteilte ihn am Mittwoch als »rassistisch und antisemitisch«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

SCHOA Nicht nur jüdische Organisationen in aller Welt waren der gleichen Auffassung und kommentierten den Karnevalsumzug entsprechend kritisch. Auch Margaritis Schinas, Sprecher der EU-Kommission, meldete sich nun zu Wort: »Ja, die Geschichte ist uns nicht entgangen. Und es sollte eigentlich jedem einleuchten, dass es absolut undenkbar ist, dass solche Bilder heutzutage in Europa bei einer Parade zur Schau getragen werden, 74 Jahre nach der Schoa.«

Die EU-Kommission und die UNESCO verurteilen die antisemitischen Klischees beim Karneval.

Margaritis Schinas zitierte in diesem Kontext den EU-Kommissionsvorsitzenden Jean-Claude Juncker: »Unser Union wurde errichtet auf der Asche des Holocaust. Sich daran zu erinnern und Antisemitismus zu bekämpfen, ist unsere Pflicht der jüdischen Gemeinschaft gegenüber.«

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026