Interview

»Wir brauchen unsere Freunde«

Danny Ayalon Foto: Rafael Herlich

Herr Ayalon, was sind Ihre Eindrücke vom Israelkongress am vergangenen Sonntag?
Die enorme Unterstützung aus allen Teilen der deutschen Gesellschaft hat mich sehr beeindruckt. Selbstverständlich ist die jüdische Gemeinschaft unser natürlicher und bester Verbündeter, aber ich fand es höchst erfreulich, dass auch viele Nichtjuden gekommen sind, um Israel zu unterstützen.

Glauben Sie, das war repräsentativ für die deutsche Gesellschaft?
Ich weiß nicht, ob die Teilnehmer repräsentativ waren, obwohl ich mir das wünsche. Der Kongress hat jedenfalls gezeigt: Es ist wichtig, den Menschen in Deutschland die israelische Position zu vermitteln – aber auch den Charakter Israels: seine Demokratie, seine Innovationen, sein Streben nach Tikkun Olam.

Ist Deutschland immer noch einer der zuverlässigsten Verbündeten Israels?
Absolut, keine Frage. Deutschland ist neben den USA der beste Freund Israels.

Warum sollten Juden in Deutschland sich überhaupt um Israel kümmern?
Natürlich sind die Juden hier in erster Linie Deutsche, und das respektieren wir auch. Dennoch hat jeder Jude auf der Welt eine besondere Verantwortung, nicht nur wegen unserer gemeinsamen Geschichte, Tradition und Werte, sondern weil wir auch eine gemeinsame Zukunft und ein gemeinsames Schicksal haben. Ein starkes Israel bedeutet zugleich starke jüdische Gemeinden in Europa.

Könnten die Gemeinden mehr tun?
Es gibt 57 muslimische Länder, die Israel das Existenzrecht absprechen. Bei dieser Übermacht sind wir auf unsere Freunde in aller Welt, Juden wie Nichtjuden, angewiesen, darauf, dass sie als Fürsprecher Israels auftreten und die Wahrheit über Israel sagen.

Auf dem Kongress wurde viel über Gilad Schalit gesprochen. Was bedeutet die Freilassung von 1.000 palästinensischen Gefangenen für Israels Sicherheit?
Das wird man sehen. Die Solidarität mit unseren Soldaten ist ein jüdischer Wert, für den in diesem Fall ein sehr, sehr hoher Preis zu zahlen war. An dieser Stelle möchte ich der deutschen Regierung für ihre Hilfe danken, ohne die dieser Deal nicht möglich gewesen wäre.

Sind Soldaten jetzt nicht noch gefährdeter als vorher, weil Israel erpressbar scheint?
Die Gefahren, die von der Hamas ausgehen, sind sehr zahlreich, ob mit oder ohne Gilad Schalit. Ob sich die Sicherheitssituation jetzt verschärft hat – das müssen wir abwarten.

Was bleibt vom Israelkongress für die Zukunft?
Im Gedächtnis bleiben sollten die Solidarität und der Gedanke, dass Deutschland und Israel natürliche Verbündete sind. Wichtig ist es jetzt, ein regelmäßiges jährliches Treffen beizubehalten. Je öfter wir das machen, umso eher werden die Menschen in Deutschland verstehen, wie Israel wirklich ist – und dann werden sie Israel auch mögen und unterstützen.

Mit dem stellvertretenden Außenminister Israels sprach Ingo Way.

Verhandlungen

Iran pocht auf Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen

Die Debatte um blockierte Auslandsvermögen des Iran dominiert zunehmend die Gespräche über ein Abkommen mit den USA. Denn die iranische Wirtschaft steckt in der Krise

 31.05.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Teheran

Irans Machtapparat: Die wichtigsten Köpfe im Überblick

US-Präsident Donald Trump sprach im Zuge des Iran-Kriegs von »neuen und vernünftigeren« Kräften in Teheran. Dafür erntete er Spott. Doch wer sind die neuen (und alten) Entscheider?

von Arne Bänsch  31.05.2026

Washington

Trump ohne Entscheidung – Iran pocht auf eigene Interessen

Ein Durchbruch bei den zähen Verhandlungen zum Iran-Krieg lässt weiter auf sich warten. Teheran widerspricht Trump in drei Punkten

 31.05.2026

Brüssel

Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier

Verstößt die Europapartei, zu der auch die »Alternative« gehört, gegen Grundwerte der EU? Die zuständige Behörde sieht Hinweise auf problematisches Vorgehen in Mitgliedsparteien. Kommt ein Verfahren?

von Valeria Nickel  29.05.2026

Beirut

Entwaffnung der Hisbollah - ein unmögliches Unterfangen?

Seit mehr als zwei Jahren attackiert die Hisbollah Israel. Die Regierung in Jerusalem will eine Entwaffnung der Terrororganisation. Doch geht das?

 29.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Kiel

Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

»Die massiven Konsequenzen (...) sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen«, so die Dokumentationsstelle Antisemitismus

 29.05.2026

New York

Streit um Bericht zu sexueller Gewalt: WJC kritisiert UN scharf

Narrative, die Israel pauschal delegitimierten, seien problematisch, so der Jüdische Weltkongress. Die ursprünglichen Gründungsideale der Vereinten Nationen müssten wieder in den Mittelpunkt rücken

 29.05.2026