Prozess

Wie sich der Halle-Attentäter im Internet radikalisierte

Prozess gegen den Halle-Attentäter am Landgericht Magdeburg (Archiv) Foto: imago

Die Auswertungen der sichergestellten Speichermedien des Synagogen-Attentäters von Halle haben einmal mehr dessen antisemitische und rechtsextremistische Gesinnung bestätigt.

Mehrere Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) sagten am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Naumburg, das im Magdeburger Landgericht verhandelt, aus, dass die ausgewerteten Dateien voll mit nationalsozialistischen, antisemitischen, homophoben und frauenfeindlichen Inhalten waren.

Die Ermittler fanden Bilder mit drastischen Gewaltdarstellungen, von Deportierten, die in Gaskammern geführt werden sowie von japanischen Comic-Figuren mit NS-Hintergrund.

Zudem soll Stephan B. auch Internetforen genutzt haben, in denen anonym derartige Inhalte geteilt werden. In einem dieser sogenannten Imageboards soll auch der Attentäter von Christchurch (Neuseeland) glorifiziert worden sein.

ZEUGIN Eine weitere Zeugin, die Schulleiterin der Grundschule, an der die Mutter des Angeklagten gearbeitet hatte, berichtete von Hinweisen, die erst im Nachhinein ein erschreckendes Bild ergeben hätten. Sie sei erschüttert, dass ein Sohn einer Ethiklehrerin solche Taten begeht.

So habe sie nach dem Anschlag erfahren, dass die Mutter zu einer Kollegin gesagt haben soll: »Ich habe große Angst, dass bald etwas Schlimmes passiert.« Im Jahr 2019 will die Schulleiterin selbst auch eine Veränderung an der Lehrerin bemerkt haben, sie sei dünnhäutig und empfindsam gewesen.

Aus Äußerungen der Mutter habe sie geschlossen, dass Stephan B. eher rechtsextremistisch eingestellt sei, so die Zeugin. Er soll andere Kulturen in Deutschland abgelehnt haben. Zeitweise soll Stephan B. mit seiner Mutter nur Englisch gesprochen haben. In dem Video, das der 28-Jährige selbst von der Tat live ins Internet streamte, hielt er eine englische Ansprache.

Zudem wurde Musik mit antisemitischen, gewaltverherrlichenden und rassistischen Texten gefunden.

Zwei BKA-Beamte berichteten über die Auswertung von Dateien auf dem Computer, dem Laptop, einem USB-Stick und einem Handy des Angeklagten. Die darauf gefundenen Dokumente enthielten klare Bezüge zum Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019, Bezüge zum Nationalsozialismus, Bilder mit drastischen Gewaltdarstellungen, von Deportierten, die in Gaskammern geführt werden sowie von japanischen Comic-Figuren mit nationalsozialistischem Hintergrund.

Zudem wurde Musik mit antisemitischen, gewaltverherrlichenden und rassistischen Texten gefunden. Ein Handy enthielt kaum Kontakte, der Angeklagte will es extra für die Tat gekauft haben. In der zuständigen Ermittlungsgruppe beim BKA waren zeitweise bis zu 270 Beamte eingesetzt gewesen, erklärte ein Vertreter der Bundesanwaltschaft.

BETER Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt, zwei Menschen erschossen und weitere verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat ihn wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt.

Mit Sprengsätzen und Schusswaffen wollte er in die abgeschlossene Synagoge gelangen, um möglichst viele Juden zu töten. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hielten sich dort 52 Beter auf. B. droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht.

Der Prozess wird am 1., 2., 8., 9., 15., 16., 22., 23., 30. September, am 13., 14. Oktober und am 3., 4., 10., 11., 17. und 18. November fortgesetzt (jeweils ab 9.30 Uhr).

Teheran

Iran: Antwort auf US-Vorschlag an Pakistan übermittelt

Zurzeit gilt eine fragile Waffenruhe im Iran-Krieg. Die USA haben einen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts gemacht. Die Antwort soll nun vorliegen

 10.05.2026

Naher Osten

Erneut iranische Angriffe auf Golfstaaten

Aus Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar werden Attacken des iranischen Regimes gemeldet. Offiziell gilt eine Waffenruhe in dem Konflikt

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Teheran

Iran droht USA im Falle von weiteren Angriffen mit Vergeltung

Das Mullah-Regime warnt die USA vor weiteren Attacken auf Handelsschiffe. Ob mittlerweile die von US-Präsident Trump erwartete Antwort aus Teheran auf den Friedensvorschlag eingegangen ist, ist nicht bekannt

 10.05.2026

Moskau

Russland will Uran aus dem Iran einlagern

Kremlchef Putin erklärt, dass Russland bereit sei, angereichertes Uran aus dem Iran einzulagern. Ob die USA dem Vorschlag zustimmen werden, ist offen

 10.05.2026

Washington

Rubio: Erwarten heute eine Antwort aus dem Iran

Während sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zuletzt zugespitzt haben, setzen die USA weiter auf eine Verhandlungslösung mit Teheran. Nun äußert sich der US-Außenminister dazu

 08.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026