Meinung

Wenn Terroristen zu Opfern werden

In einer emotional aufgeladenen Situation, bei kriegsähnlichen Konfrontationen, ist es üblich und verständlich, wenn lokale Medien Partei ergreifen. Israelis wie Palästinenser reden von »uns« und den »anderen«. Beide Seiten sehen erst die eigenen Opfer und betrachten die Gegner als böswillige Terroristen. Doch palästinensische Medien haben das in letzter Zeit auf die Spitze getrieben.

Der Pressesprecher der Autonomiebehörde, Ihab Bseiso, äußerte jüngst seine Sorge über die Tötung von zwei jungen Männern im »okkupierten Jerusalem«. Er verschwieg, dass einer von ihnen, Mohammad Halabi, erschossen worden ist, nachdem er zwei jüdische Männer mit Messerstichen ermordet und eine Frau sowie ihr kleines Kind verletzt hatte. Wäre er nicht erschossen worden, hätte es weitere Opfer gegeben. Ähnliches widerfuhr Fadi Aloon. Er wurde erschossen, nachdem er einen 15-jährigen Israeli niedergestochen hatte.

ausserirdische Doch nicht nur arabische Medien, auch BBC, dpa und andere Dienste setzen die getöteten Palästinenser in den Titel, ohne zu erwähnen, dass sie als Mörder unterwegs waren. Jüdische Tote hingegen werden kurz erwähnt, es heißt, sie seien bei irgendeiner Attacke umgekommen – als hätten Außerirdische sie getötet.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte lediglich die Tötung der Palästinenser. Ohne die jüdischen Terroropfer zu erwähnen, forderte er Israels Regierung auf, zu prüfen, ob die Gewaltanwendung gegen Palästinenser »angemessen« gewesen sei. Eine entsprechende Forderung an die palästinensische Regierung, etwa wegen maßloser Hetze, ohne die jene Anschläge kaum denkbar wären, erhob er nicht.

Es sagt viel über die Qualität dieser Berichterstattung und politischer Forderungen aus, dass es der palästinensische Präsident Mahmud Abbas ist, der auf seine Art versucht, die Lage zu beruhigen. Die Palästinenser sollten den Israelis »keinen Vorwand« liefern, palästinensische Jugendliche zu töten, sagte Abbas. Anders ausgedrückt: Immerhin empfiehlt der Palästinenserpräsident seinen Leuten, sie sollten wenigstens deswegen keine Israelis ermorden, weil sie dann Gefahr laufen, selbst erschossen zu werden.

Der Autor ist freier Journalist in Jerusalem.

Dresden

Stadt prüft Konsequenzen nach Chamenei-Gedenkfeier im »Haus der Brücke«

Nach Angaben eines Stadtsprechers hat das Rathaus erst im Nachhinein Kenntnis von der Veranstaltung erhalten. Auch Exil-Iraner sind entsetzt

 16.04.2026

Berlin

Auch während Kriegs Rüstungsexporte nach Israel genehmigt

Waffenexporte nach Israel waren zuletzt ein extrem heikles Thema für die Bundesregierung – erst wegen des Gaza-Kriegs, jetzt wegen des Iran-Kriegs. Es gibt nun neue Zahlen dazu

von Michael Fischer  16.04.2026

Gaza

Hamas lehnt Entwaffnungsplan ab

Die Terrororganisation wirft dem Vermittler Mladenov eine »israelfreundliche Haltung« vor. Fortschritte bleiben aus

 16.04.2026

Washington D.C.

Republikaner stoppen Iran-Resolution – mehr Demokraten gegen Waffen für Israel

Die Demokraten wollen Präsident Trumps Militäreinsätze gegen das iranische Regime bremsen und Rüstungslieferungen an Israel stoppen, aber die Republikaner blockieren die Vorhaben

 16.04.2026

Brandenburg/Ravensbrück

Schulen sagen Besuche in KZ-Gedenkstätten ab: Der Grund ist beunruhigend

Die Gedenkstätten in Brandenburg vermelden beunruhigende Entwicklungen: Antisemitische Vorfälle häufen sich

 16.04.2026

London

Zwei Festnahmen nach versuchtem Brandanschlag auf Synagoge

Die Polizei spricht von einem antisemitischem Hassverbrechen

 16.04.2026

Meinung

Ein Boykott, der auch den Palästinensern schadet

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf würde gerne die akademische Kooperation mit Israel beenden. Dabei ist interkultureller Austausch nicht zuletzt für die Friedensbemühungen in Nahost essenziell

von Michael Ilyaev  15.04.2026

Meinung

Große Worte, leiser Rückzug – und Israel bleibt zurück

Für Israel war US-Präsident Trumps harte Linie gegen Iran eine sicherheitspolitische Rückendeckung. Jetzt, wo Trump den Rückzug angedeutet hat, entsteht ein strategisches und militärisches Vakuum

von Roman Haller  15.04.2026

Interview

»Auch Clickbait spielt eine Rolle«

Wie kommt es zu den israelfeindlichen und antisemitischen Narrativen in deutschen Medien? Lukas Uwira hat dazu geforscht

von Chris Schinke  15.04.2026