Corona

»Weiterhin als Gemeinschaft«

Jeremy Issacharoff Foto: Gregor Zielke

Corona

»Weiterhin als Gemeinschaft«

Jeremy Issacharoff über das Virus, bilaterale Maßnahmen und ein Pessach in Krisenzeiten

von Detlef David Kauschke  02.04.2020 07:15 Uhr

Herr Botschafter, Sie wurden Mitte März positiv auf das Coronavirus getestet. Wie geht es Ihnen jetzt?
Ich habe mich erholt und fühle mich gut. Ich wurde jetzt negativ auf Corona getestet und bin seit Sonntag nicht mehr in der Isolation. Ich hatte das Glück, keine größeren Symptome zu haben. In erster Linie bin ich erleichtert, dass niemand in meiner Nähe mit dem Virus infiziert wurde.

Wie schätzen Sie die drastischen Maßnahmen ein, die in Deutschland und Israel im Kampf gegen das Virus ergriffen werden?
Die in Deutschland getroffenen Maßnahmen haben sich weitgehend bewährt. Auch in Israel wurden unmittelbar Schritte unternommen, wie zum Beispiel die rasche Isolierung von Menschen, sobald sie nach Israel kommen. Letztlich muss jedes Land für sich mit der Situation am effektivsten umgehen und die Maßnahmen an die Realität anpassen, mit der es konfrontiert ist.

Gibt es in diesen Fragen eine Abstimmung zwischen beiden Ländern?
In den letzten Wochen war ich in ständigem Kontakt mit meinen deutschen Kollegen. Alle unsere bilateralen Kanäle sind offen und werden nach Bedarf genutzt. Wir hatten eine ausgezeichnete Zusammenarbeit bei der Rückführung von Israelis aus Lateinamerika nach Israel mithilfe der deutschen Regierung. Premierminister Netanjahu und Bundeskanzlerin Merkel haben sich direkt über die politischen Maßnahmen ausgetauscht, die zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus ergriffen wurden. Alles in allem hat sich die israelisch-deutsche Zusammenarbeit in dieser Zeit einer beispiellosen Krise als sehr positiv erwiesen.

Israel hat Einreisen gestoppt, erstmals können auch zu Pessach keine Juden aus der Diaspora ins Land. Wie betrachten Sie diese historische Entwicklung?
Diese Schritte sind buchstäblich ohne Beispiel. Wir haben nie eine Krise wie diese erlebt, die auf wesentliche und sakrosankte Aspekte unserer Gesellschaft abzielt. Die Menschen müssen das »Social Distancing« respektieren. Dennoch müssen wir weiterhin als Gemeinschaften zusammenleben und technologische Hilfsmittel einsetzen, die es Familien ermöglichen, den Richtlinien entsprechend zusammenzuleben. Es wird anders sein, aber wir wollen die Wärme unserer Familien spüren, ohne ihre Gesundheit zu gefährden.

Wie werden Sie Pessach feiern?
Natürlich sind wir entschlossen, den Pessach-Seder mit unserer Familie zu feiern, und wir bringen sie mit einem Live-Videofeed hierher. Wir werden zumindest mit unseren Kindern und anderen Freunden zusammen auf einem Bildschirm sein. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um den jüdischen Gemeinden in Deutschland ein glückliches und gesundes Pessachfest zu wünschen, und wir werden beten, dass wir nach Pessach als ein stärkeres und gesünderes Volk aus dieser Krise hervorgehen werden.

Das Interview mit dem Botschafter des Staates Israel führte Detlef David Kauschke.

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