Interview

»Wir werden weiter Rückgrat zeigen«

Pfarrer Ralf Sedlak

Interview

»Wir werden weiter Rückgrat zeigen«

Pfarrer Ralf Sedlak über Drohungen gegen seine Person, antisemitische Proteste und Solidarität mit Israel

von Philipp Peyman Engel  19.12.2024 15:44 Uhr

Herr Pfarrer Sedlak, nachdem Sie in Ihren Gottesdiensten den Terror der Hamas verurteilt und sich für Solidarität mit Israel eingesetzt haben, sind Sie und Ihre Familie heftigen Drohungen ausgesetzt. Was genau ist in den letzten Monaten passiert?
Kurz nach dem 7. Oktober 2023 sprach ich in einer Predigt vor mehreren Hundert Zuhörern in der Langenauer Martinskirche den Terroranschlag der Hamas an. Auf grobe und lautstarke Weise hat mich ein Mann für mehrere Minuten unterbrochen. Er hat mir vorgeworfen, »Fake News« zu verbreiten. In der Folgezeit gab es mehrere Vorfälle um unser Wohnhaus, auf die ich zum Schutz meiner Familie und mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht näher eingehen kann. Zudem wurden viele Sticker mit einschlägigen Parolen an unsere Kirche und unser Wohnumfeld geklebt. Darunter auch ein Aufkleber, der mich als »Zionist« und »Faschist« brandmarken sollte.

Medienberichten zufolge wird auch direkt vor Ihrer Kirche gegen Sie Stimmung gemacht …
Ja. Seit Karfreitag demonstrieren sonntags zwei oder mehr Personen mit großformatigen Plakaten vor der Martinskirche. Hier und auf einschlägigen Social-Media-Kanälen wurde ich unter anderem als »Nazi« verunglimpft. Auf einer Demonstration mit rund 100 Teilnehmern Anfang des Monats durch Langenau wurde skandiert, dass meine Kollegin und ich »Blut an den Händen« hätten. Jüngst wurden großflächige antisemitische Graffiti an unserer Martinskirche entdeckt.

Lesen Sie auch

Von wem gehen diese Drohungen aus?
Ob die Vorfälle alle auf denselben Täterkreis zurückgehen, kann ich nicht beurteilen. Bei den Sonntags-Protesten sind Parolen der israelfeindlichen Boykott-Bewegung BDS vorherrschend.

Die Behörden mussten eine Sicherheitsberatung bei Ihnen durchführen. Haben Sie Angst?
Ab und an: Ja.

Wie verändert das Ihr Leben?
Ich gehe nicht mehr unbefangen aus dem Haus. Wir sprechen uns in der Familie mehr ab als vorher. Wege, auf denen ich ungute Erlebnisse hatte, meide ich. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht wegducken. Ich sehe meine Aufgabe hier in Langenau und möchte standhalten. Wir werden weiter Rückgrat zeigen und nicht einknicken.

Wie groß ist die Unterstützung für Sie und Ihre Familie von Nachbarn oder anderen Bürgern der Stadt?
In der Kirchengemeinde und der Nachbarschaft gibt es großen Zusammenhalt. Die Menschen äußern Mitgefühl. Gemeindeglieder verstehen den Kirchenbesuch als Statement der Unterstützung und lassen sich davon nicht abhalten. Viele Mitbürger haben aber auch angesprochen, dass sie ein Klima der Angst und Einschüchterung verspüren.

Mit dem evangelischen Pfarrer aus Langenau in Baden-Württemberg sprach Philipp Peyman Engel.

Iran

Mullah-Regime richtet zwei Demonstranten hin

Die Männer hatten Anfang des Jahres an den blutig niedergeschlagenen Protesten teilgenommen

 03.11.2026

Midterm-Wahlen

Wird US-Präsident Trump zur lahmen Ente?

Für Donald Trump wird es eine Schicksalswahl: Heute wählt Amerika einen neuen Kongress. Sollten die Demokraten gewinnen, könnte Trump nur noch per Dekret regieren

 03.11.2026

Iran-Krieg

US-Armee greift Insel Gheschm an

Vor den Kongress-Wahlen am Dienstag haben US-Kampfflugzeuge eine Stellung der Revolutionsgarden attackiert

 03.11.2026

Staatsangehörigkeit

170.000 Anträge von NS-Verfolgten und Nachfahren auf Einbürgerung

Immer mehr Menschen beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft über die sogenannte Wiedergutmachungs-Einbürgerung - fast die Hälfte der Anträge kommen aus Israel

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026