An der Spitze des World Economic Forum kommt es zu einem personellen Einschnitt: Präsident und Geschäftsführer Børge Brende legt sein Amt nieder. Der Schritt erfolgt unmittelbar nach Abschluss einer unabhängigen Untersuchung zu seinen früheren Kontakten mit dem inzwischen verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein. »The Independent« und andere namhafte Publikationen berichteten.
Brende erklärte, er habe sich »nach reiflicher Überlegung« entschieden, zurückzutreten. Er dankte Mitarbeitern und Partnern für die Zusammenarbeit und betonte, es sei der richtige Zeitpunkt, damit das Forum seine Arbeit »ohne Ablenkungen« fortsetzen könne. In seiner Stellungnahme erwähnte er Epstein nicht ausdrücklich.
Aus den sogenannten Epstein-Akten, die das US-Justizministerium veröffentlicht hatte, geht hervor, dass Brende an drei geschäftlichen Abendessen mit Epstein teilnahm und mit ihm per E-Mail sowie per SMS kommunizierte. Die nun abgeschlossene Überprüfung kam laut Angaben der WEF-Co-Vorsitzenden André Hoffmann und Larry Fink zu dem Ergebnis, dass es keine zusätzlichen Bedenken über bereits bekannte Kontakte hinaus gebe.
Bloße Erwähnung
Die bloße Erwähnung in den Akten bedeute kein Fehlverhalten, heißt es aus dem Umfeld des Forums. Brende hatte zuvor erklärt, ihm sei Epsteins kriminelle Vergangenheit zum Zeitpunkt der Treffen nicht bewusst gewesen.
Die Affäre zieht in Norwegen weitere Kreise. Dort untersucht die Wirtschaftsstrafbehörde Økokrim mögliche Korruptionsvorwürfe gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland. Auch sein Name taucht in den veröffentlichten Dokumenten auf, unter anderem im Zusammenhang mit einem Aufenthalt in Epsteins Anwesen während seiner Zeit in hochrangigen europäischen Ämtern.
Jaglands Anwalt Anders Brosveet teilte mit, sein Mandant werde vollumfänglich kooperieren. Man sehe den Ermittlungen »positiv« entgegen und wolle sämtliche relevanten Unterlagen so schnell wie möglich übermitteln, um eine fundierte Bewertung zu ermöglichen.
Brende, früher norwegischer Außenminister, hatte das in Genf ansässige Forum in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt und die Jahrestreffen in Davos weiter internationalisiert. Mit seinem Rücktritt endet eine Phase, in der das Forum nicht nur als Plattform für Wirtschaft und Politik, sondern auch als Zielscheibe wachsender Kritik fungierte. ja