Bielefeld

Was hinter den Sachbeschädigungen an der Synagoge steckt

Foto: picture alliance/dpa

Zwei psychisch kranken Personen wird vorgeworfen, für mehrere Sachbeschädigungen an der Beit Tikwa-Synagoge in Bielefeld verantwortlich zu sein. Es handelt sich um Täter, die der Polizei bekannt sind. Dennoch kann die Behörde nach eigenen Angaben nicht garantieren, dass es nicht wieder passiert.

Der erste Zwischenfall erfolgte vor drei Wochen, als eines der Verdächtigen ein Verkehrsschild vor der Synagoge umwarf. Am letzten Wochenende, als die 3. Jüdischen Kulturtage in Bielefeld begannen, wurde der nächste Fall registriert.

Diesmal riss eine der verdächtigten Personen Pflanzen aus einem Beet vor dem Gotteshaus und warf sie vor dessen Eingang. Zeitgleich wurde ein Schild am Briefkasten beschädigt. Später versuchte ein Mann, einen Ast vor den Eingang der Synagoge zu legen, was Polizeibeamte verhinderten.

Aggressiver Auftritt Vier Jahre zuvor, Ende 2019, versuchte ein anderer Mann, einen Brief mit antisemitischen Parolen bei der Gemeinde abzugeben. Es folgte eine vorläufige Festnahme.

Im Frühjahr 2020 erschien vor der Synagoge ein aggressiv auftretender Mann, der von mehreren Polizeibeamten gestoppt werden musste. Er soll mehrfach »Allahu akbar« gerufen haben.

Für die Jüdische Gemeinde Bielefeld sagte Vorstand Irith Michelsohn, ein und derselbe Täter habe die Sachbeschädigungen am 8., 26. und 27. August vorgenommen. »Der Mann ist bekannt«, erklärte sie im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Die Polizei hat mit ihm gesprochen, aber es wird sonst nichts unternommen.«

»Ich verstehe zwar, dass er krank ist, aber wir können unsere Außenanlagen nicht auf Dauer von jemandem beschädigen lassen«, so Michelsohn. Auf die Frage, was die Behörden ihrer Ansicht nach tun sollten, um sicherzustellen, dass diese Zwischenfälle aufhören, sagte sie: »Ich habe keine Ahnung. Die müssen das irgendwie in den Griff kriegen.«

Einhalt Sie erklärte auch, sie habe mit einer Sachbearbeiterin bei einer Organisation gesprochen, die die Anstalt betreibe, in der der psychisch kranke Täter untergebracht sei - und erfahren, dass ihm auch andernorts Beschädigungen zur Last gelegt würden. »Ich habe für die Gemeinde Bielefeld gesagt, das kann ja nicht einfach so weitergehen, sondern da muss ja irgendwo Einhalt geboten werden.«

Laut Irith Michelsohn wird der Täter nicht durch Judenhass motiviert: »Ich bin trotz allem der Meinung, dass es nicht Antisemitismus ist. Der Mann ist krank. Aber es muss einfach etwas passieren.«

Die Polizei in Bielefeld beschäftigt sich mit dem Problem. »Uns liegen zu diesen Sachbeschädigungen Strafanzeigen vor«, sagte Sprecherin Hella Christoph dieser Zeitung. »Es sind Tatverdächtige ermittelt worden, sodass diesen Anzeigen auch nachgegangen wird.« Sie fügte aber hinzu, diese Personen würden vermutlich nicht in Haft kommen. »Das heißt: Es ist nicht unbedingt ausgeschlossen, dass es zu weiteren Sachbeschädigungen kommt.«

Objektschutz durch Streifen Anders als an vergleichbaren Orten in Berlin und anderen deutschen Städten wird die Beit Tikwa-Synagoge nicht rund um die Uhr bewacht, sondern lediglich, wenn Veranstaltungen wie Gottesdienste oder Feste stattfinden. Nach Angaben der Polizei kümmern sich reguläre Streifen jedoch stets um den Objektschutz.

Zwar haben die Jüdische Gemeinde und die Polizei in Hinblick auf die Zahl der Verdächtigen unterschiedliche Ansichten. Einigkeit herrscht jedoch bei der Frage, ob bei den Zwischenfällen in diesem Monat Antisemitismus im Spiel war: Dies sei nicht der Fall, denn der Verdacht der Sachbeschädigung liege auch an anderen Orten in Bielefeld vor, so Polizeisprecherin Hella Christoph.

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026