Umfrage

Vorurteile gegen Juden in Deutschland weit verbreitet

AJC-Direktor Remko Leemhuis Foto: imago images/Reiner Zensen

Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung hat einer neuen Studie zufolge ein starkes Problembewusstsein für Antisemitismus im eigenen Land. Laut einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach wird Antisemitismus von 73 Prozent der Menschen als gesamtgesellschaftliches Problem wahrgenommen. Gleichzeitig würden jedoch antijüdische Vorurteile »von einem beachtlichen Teil der deutschen Gesellschaft unterstützt«.

Besonders weit verbreitet sei die Auffassung, dass Juden eng zusammenhalten, heißt es in der vom American Jewish Committee (AJC) in Auftrag gegebenen Studie. Dieser Aussage stimmten 65 Prozent der Befragten zu. Rund jeder Dritte sei überzeugt, dass Juden ihren Status als Opfer des Holocaust ausnutzten.

Ressentiments Die Zahlen belegten, dass Antisemitismus »keinesfalls nur ein Problem der politischen Ränder ist«, beklagte der Leiter des AJC Berlin, Remko Leemhuis. Bis zu 35 Prozent der Bevölkerung teilten antisemitische Ressentiments. Insgesamt 23 Prozent der Befragten meinten, Juden hätten zu viel Macht in Wirtschaft und Finanzwesen.

Knapp 20 Prozent sehen einen zu großen Einfluss von Juden in Politik und Medien. Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, forderte angesichts der Ergebnisse, jede Form von Antisemitismus zu bekämpfen.

Dies gelte unabhängig davon, ob dieser von rechts, links oder von einem arabischen Hintergrund ausgehen. Das AJC machte darauf aufmerksam, dass laut offizieller Statistik 2021 in Deutschland 3.027 antisemitische Straftaten verübt wurden.

Gesprächspartner Der Leiter des AJC Berlin mahnte vor diesem Hintergrund, Vereine mit islamistischem Hintergrund dürften nicht Gesprächspartner der Bundesregierung sein. Der Bundesbeauftragte Klein forderte dazu auf, die Einflussnahme von außen auf muslimische Gemeinden zu verringern.

Die Befragung von Musliminnen und Muslimen zeigt laut den Autoren, dass antisemitische Ressentiments dort deutlich verbreiteter sind als im Durchschnitt. Antisemitische Einstellungen seien zudem unter Moschee-Besuchern häufiger als unter anderen Muslimen.

Frankreich Eine analoge Studie in Frankreich hatte ein ähnlich hohes Problembewusstsein in der Bevölkerung für Antisemitismus ergeben. Unter den Sympathisanten des rechtspopulistischen »Rassemblement National« seien antijüdische Einstellungen leicht zurückgegangen, sagte Simone Rodan-Benzaquen. Unter Anhängern der deutschen AfD habe er sich dagegen als strukturell herausgestellt, so die für Europa zuständige AJC-Vertreterin.

Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hatte im Auftrag des AJC in Deutschland 1.025 Personen befragt. Laut Jahresstatistik des Bundeskriminalamts nahm die Zahl politisch motivierter Straftaten gegen Religionsgemeinschaften 2021 insgesamt deutlich zu. Nach den am Dienstag vorgestellten Zahlen lässt sich dieser Anstieg insbesondere auf einen Zuwachs um 40,46 Prozent bei Straftaten gegen religiöse Repräsentanten zurückzuführen. Delikte im Zusammenhang mit Synagogen nahmen demnach ebenfalls zu. epd

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