Berlin

Vor Europawahl: JSUD fordert Schutz und Sicherheit auf dem Campus

Wahlplakate zur Europawahl am 9. Juni 2024 sind Düsseldorf ( NRW ) zu sehen. Foto: picture alliance / Goldmann

Kurz vor der Europawahl wendet sich die Jüdische Studentenunion Deutschland (JSUD) in einem offenen Brief an die Spitzenkandidaten der demokratischen Parteien aus der Bundesrepublik.

Die Organisation fordert darin unter anderem Sicherheit und Freiheit für Juden auf dem Campus.

Die Jüdische Allgemeine dokumentiert den Brief im Wortlaut:

OFFENER BRIEF AN DIE SPITZENKANDIDATINNEN DER CDU, FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN UND SPD zur Europawahl 2024

30. Mai 2024

Die Jüdische Studentenunion Deutschland (JSUD) ist die bundesweite Vertretung jüdischer Studierender und junger jüdischer Erwachsener im Alter von 18 bis 35 Jahren in Deutschland.

Sehr geehrte Frau Van der Leyen, Sehr geehrte Frau Strack-Zimmermann, Sehr geehrte Frau Reintke, Sehr geehrte Frau Barley,

wir sind die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD), die bundesweite politische Interessenvertretung für jüdische Studierende und Young Professionals im Alter von 18-35.

Unsere Kampagne »Wir sind Europa. No Europe Without Jews« steht für eine Beteiligung junger jüdischer Menschen an den bevorstehenden Europawahlen, die wichtiger als je zuvor sind. Wir möchten unsere Zielgruppe ermutigen, ihre Stimme für die Zukunft Europas abzugeben.

Jedoch ist die Zukunft jüdischer Menschen in Europa so gefährdet wie schon lange nicht mehr.

In den letzten Wochen werden in Europa Hochschulbesatzungen durchgeführt, die die Sicherheit jüdischer Studierender gefährden. Antisemitismus und Auslöschungsfantasien gegenüber Israel werden offen an Universitäten bekundet und verbreiten sich in den Sozialen Medien unaufhaltsam.

Dies fängt mit Gewaltaufrufen wie »Yallah Intifada« an der Freien Universität zu Berlin an und enden in Gewalt gegen jüdische Studierende, wie an der Universität Amsterdam, wo Menschen mit Holzbalken geschlagen wurden.

Die Lage ist so ernst, dass Shoah-Überlebende Angst haben, Bildungseinrichtungen zu besuchen und ihre Geschichten zu erzählen.

Im Jahre 2024.

Die antisemitische Stimmung in Europa, die wir zum Beispiel im Rahmen des ESC in Malmö beobachten konnten, ist entsetzlich und die Gleichgültigkeit der Massen ernüchternd.

Der Hass, der der israelischen Teilnehmerin Eden Golan am ESC entgegen schlug, überstieg jedes Maß an rationaler Kritik.

Dieser Zustand tritt das Motto »United by Music« mit Füßen.

Dieses und viele weitere Beispiele sorgen dafür, dass junge Jüdinnen:Juden nun seit Monaten folgende Frage begleitet:

»Gibt es noch eine Zukunft für uns in Europa?«

Ein Europa, in dem Antisemitismus so florieren kann, ist nicht das Europa, wofür wir kämpfen!

Wir wissen, dass diese Wahl über die Zukunft Europas entscheiden wird. Dabei stehen viele Themen besonders im Fokus:

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der Umgang mit der islamischen Republik, das Erstarken antidemokratischer Kräfte in ganz Europa.

Wir wissen, dass in europäischen Fraktionen, die Meinungen zu Themen, die jüdisches Leben und Antisemitismus betreffen, sich häufig unterscheiden.

Wir wissen, dass Wählerstimmen zu holen, die Priorität ist.

Jüdinnen:juden sind eine Minderheit in Europa, aber wir sind ein Teil vonEuropa!

Wir wollen für ein Europa in Freiheit für alle kämpfen, ohne Hass!

Aber das können wir nicht alleine.

Wir fordern:

1. Öffentlich Stellung zu nehmen und auf den Antisemitismus an Universitäten in Europa aufmerksam zu machen sowie Konsequenzen einzufordern. Dazu gehört, sich proaktiv für die Sicherheit und Freiheit von Jüdinnen*Juden am Campus einzusetzen.

2. Sich auf gesetzgebender Ebene für Schutz im Netz einzusetzen und die sozialen Medien nicht zum rechtsfreien Raum werden zulassen. Der Online-Hass ist eine ernsthafte Bedrohung für Jüdinnen und Juden und schlicht für Demokratinnen, er mussunterbunden, geahndet und Desinformation korrigiert werden.

3. Daran anschließend fordern wir europäische Gelder für Projekte, die Hass im Netz oder im analogen Leben entgegentreten und spezifisch den Antisemitismus entgegentreten. Demokratiefördernde Projekte müssen eine langfristige Finanzierung erhalten.

4. Mehr Bildungsangebote zu gegenwärtigem jüdischen Leben und die Förderung dessen, insbesondere in Ländern, in denen die jüdische Population seit dem zweiten Weltkrieg drastisch sank und nie im Aufbau unterstützt wurde, fordern wir eine gesamteuropäische finanzielle Absicherung der Gemeinschaften.

5. Das konsequente Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen und die konsequente Listung gewalttätigen, von eliminatorischem Antisemitismus getriebenen Gruppierungen als solche.

Ohne uns gibt es kein Europa.

Vorstand der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD)  

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026

New York

Jüdische Gruppen planen Demonstration gegen »New York Times«

Die Organisatoren sprechen von »antizionistischen Verleumdungen«, für die das Blatt verantwortlich sei

 13.05.2026

Washington D.C./New York

Bericht: Iran hat weiterhin erhebliche Raketenkapazitäten

Neue Einschätzungen der US-Geheimdienste zeichnen ein deutlich anderes Bild der militärischen Lage Irans, als es die US-Regierung öffentlich vermittelt

 13.05.2026

Harrisburg

US-Richter verlässt Demokratische Partei wegen Judenhass

David Wecht warnt zudem vor einer zunehmenden Verharmlosung antisemitischer Tendenzen im gesamten linken Spektrum

 13.05.2026

Wien

Jüdische Hochschüler können ESC nicht öffentlich übertragen

Die Studentenorganisation JöH warnt vor einer angespannten Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden und plant eine Protest- und Solidaritätsveranstaltung

 13.05.2026

Washington D.C.

Trump droht Iran mit vollständiger Niederlage

Die Vereinigten Staaten würden den Konflikt »friedlich oder eben auf andere Weise« gewinnen, sagt der amerikanische Präsident vor seiner Abreise nach China

 13.05.2026

Barcelona

Flick distanziert sich von Yamals Palästina-Flaggen-Aktion

Jungstar Yamal sorgt meistens auf dem Platz für Aufsehen. Bei der Meisterparty des FC Barcelona setzt er nun auch abseits des Rasens ein Zeichen - ein politisches, das aber nicht allen gefällt

 13.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026