Diplomatie

Vor einem Golffrieden

Abschlagen, Beobachten, Punkten: Barack Obama auf dem Green Foto: dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte es mit Einschmeicheln versucht. Er sprach von Barack Obamas »sagenhaftem Golfspiel« und fügte noch hinzu, dass er selbst zwar nicht Golf spiele, aber: »Neben meinem Haus in Caesarea in Israel gibt es einen tollen Golfplatz.«

Das sollte jovial klingen, aber es konnte auch als Beleidigung verstanden werden. Die Leidenschaft des scheidenden US-Präsidenten für den als elitär geltenden Golfsport wird in Amerika nämlich vor allem von Gegnern Obamas angesprochen. Er verbringe mehr Zeit auf Greens als Tiger Woods, hat Donald Trump geschimpft. »Für so etwas haben wir keine Zeit«, so der Republikaner, »wir müssen arbeiten.«

hilfe Netanjahu besuchte die USA, um bei der UNO-Vollversammlung eine viel beachtete Rede zu halten. Im Vorfeld des Besuchs wurde ein »Memorandum of Understanding« zwischen den USA und Israel präsentiert, wonach der jüdische Staat in den nächsten Jahren Militärhilfe in Höhe von 38 Milliarden Dollar erhält. Beide Seiten lobten diese Vereinbarung als das »größte Versprechen bilateraler militärischer Hilfe in der US-Geschichte«.

Nach dem Atomdeal mit dem Iran hatte Netanjahu allerdings weitere Gespräche über die US-Hilfe abgelehnt. Nun willigt er gerne ein, nicht nur, weil die Vereinbarung unter anderem fünf Milliarden Dollar für ein Raketenabwehrsystem enthält.

Aus Netanjahus Sicht hat sich die Situation geändert: Er ging davon aus, dass die Demokraten vor der Präsidentschaftswahl nicht als knauserig bezüglich Israels Sicherheit erscheinen wollten. Also wartete er, weil in Wahlkampfzeiten die US-Regierung stärker unter Druck ist.

trump Im März nun hatte ausgerechnet der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärt, er erwarte, dass Israel die Militärhilfe, die es von den USA erhalte, zurückzahle. Solche Worte ließen Netanjahu näher an Obama rücken. Sowohl der öffentliche als auch der private Teil des Treffens in New York waren sehr freundlich, wie aus der israelischen Delegation zu hören war: Netanjahu und Obama seien wie ein altes Ehepaar, das gelernt habe, auch nach Streit wieder miteinander zu leben.

Nicht einmal die unterschiedliche Einschätzung des iranischen Atomprogramms sorgte noch für leidenschaftliche öffentliche Auftritte, auch wenn im privaten Teil der Gespräche darüber gestritten worden sein soll. Im Kommuniqué nach dem Treffen fehlt das Thema jedenfalls.

Der einzige wirkliche Streitpunkt war die israelische Siedlungspolitik. Obama soll im nicht-öffentlichen Treffen »tiefe Besorgnis« geäußert haben, weil sie einen möglichen Frieden gefährde. Doch Netanjahu bewegte sich in dieser Frage so wenig wie in den vergangenen Jahren. Und das hat Gründe. Zum einen ist der Premier politischem Druck sowohl seiner rechten Likud-Basis als auch seines Koalitionspartners vom Jüdischen Haus ausgesetzt.

Darüber hinaus vertraut Netanjahu darauf, dass die Welt Israel braucht, genauer: sein Know-how in der Terrorbekämpfung und seine Hightech-Kompetenz. Letztlich, so Netanjahus Überlegung, kümmern sich die anderen Länder doch mehr um das, was Israel zu bieten hat, als um die Frage, wo es gerade Wohnungen baut.

siedlungen Der wichtigste Grund für Netanjahus Beharrlichkeit ist jedoch die Veränderung der internationalen Situation. Seit Jahrzehnten wurde immer von allerlei Experten erklärt, dass der israelisch-palästinensische Konflikt die Wurzel all dessen ist, was im Nahen Osten falsch läuft. Doch die Folgen des arabischen Frühlings, das Massenschlachten in Syrien und die Unruhen in Ländern wie Libyen und Jemen haben diese Erklärungen widerlegt. Daher glaubt Netanjahu, dass der »Mythos« vom Siedlungsbau als Friedenshindernis sich mit der Zeit erledigt.

Entsprechend hieß es aus der israelischen Delegation, der Vorwurf, Netanjahu wolle den US-Präsidenten angreifen, sei »völlig absurd«. Barack Obama selbst reagierte freundlich auf Netanjahus Einladung zum Golfen in Caesarea. »Wir werden schon die Zeit finden«, sagte der Präsident – vielleicht darauf anspielend, dass Netanjahu Golfunterricht zu erteilen das Letzte sein dürfte, was Obama in seinem Ruhestand tun möchte.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026