Justiz

Von Nazis erlassen: Bundestag soll Namengesetz neu fassen

Foto: dpa

Das deutsche Namenänderungsgesetz soll wegen seiner Entstehung unter dem NS-Regime neu gefasst werden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh sagte am Montag in Berlin, man stehe unmittelbar vor dem Start des parlamentarischen Verfahrens.

Das Bundesinnenministerium habe hierfür eine Formulierungshilfe an den Bundestag gegeben, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Auf seine Initiative hin soll sich der Bundestag mit Gesetzen befassen, die von den Nazis erlassen wurden, weiterhin gelten und in denen bis heute vom »Deutschen Reich« die Rede ist.

Es gebe neben dem Namenänderungsgesetz 28 weitere Gesetze, die auf Grundlage des Ermächtigungsgesetzes von den Nationalsozialisten erlassen wurden, sagte Klein. Das Gesetz zur Änderung von Familien- und Vornamen sei in seinen Augen das schwierigste davon. Eine 1938 auf der Grundlage dieses Gesetzes erlassene Regelung sah vor, dass Juden mit nicht »eindeutig« jüdischen Namen den Zweitnamen »Israel« oder »Sara« annehmen mussten. Auch wenn diese Verordnung heute nicht mehr gelte, sei das Gesetz klar antisemitisch motiviert gewesen und habe eine besondere Rolle bei der Ausgrenzung von Juden gespielt, sagte Klein. Nazi-Relikte in Gesetzen müssten beseitigt werden.

Als »skandalös« bezeichnete er die Form, in der das Gesetz bis heute verfasst ist, obwohl es mehrfach geändert worden sei. So lautet die Eingangsformel immer noch: »Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen«. Zudem ist vom Wohnsitz im »Deutschen Reich« und vom »Reichsminister des Innern« die Rede. Klein fordert, dass durch Verabschiedung eines Bundesgesetzes diese Form geändert wird. Um den Inhalt der heute gültigen Regeln geht es dabei nach seinen Worten nicht.

Bei den anderen Gesetzen ist Lindh zufolge noch offen, ob sie zusammen oder einzeln geändert werden. Klein sagte, ein Artikelgesetz zur Änderung aller Regelung sei in seinen Augen das Praktischste. Zugleich ermögliche die Änderung jedes Gesetzes einzeln eine Auseinandersetzung mit der Konnotation, ergänzte der Beauftragte. Als weiteres Beispiel nannte er das 1939 erlassene Heilpraktikergesetz. epd

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

Faktencheck

Henry Kissinger wollte die »weiße Rasse« nicht beseitigen

Dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger werden immer wieder völlig frei erfundene Zitate zugeschrieben. Etwa, dass er die »weiße Rasse« durch multikulturelle Gesellschaften habe ersetzen wollen

 14.07.2026

Washington D.C.

Trump droht mit Angriff: Was über »Pickaxe Mountain« bekannt ist

Den Berg, der eine Atomanlage beherbergt, bezeichnet der US-Präsident als mögliches Ziel für einen »großen, fetten« Angriff

 14.07.2026

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Streit um Israel-Sanktionen: Kritik an Wadephul aus der SPD

In der EU wird über den Umgang mit der israelischen Siedlungspolitik gerungen. Der Bundesaußenminister tritt bei Sanktionen auf die Bremse. Das kommt beim Koalitionspartner gar nicht gut an

 14.07.2026