Meinung

Von linker Kraft und Protzerei

Fast 97 Prozent der Delegierten der Partei Die Linke billigen das Existenzrecht Israels. Wow! In dieser Meldung vom Wochenende steckt fast alles, was sich über den Zustand der hiesigen Linken formulieren lässt. Es findet sich der gönnerhafte Gestus, dem kleinen Land am Mittelmeer zuzugestehen, dass es sein darf, was es seit über 60 Jahren ist: ein Staat. Auch der übliche Omnipotenzwahn, Erfurter Parteitagsdelegierte könnten durch simples Hochhalten von Stimmkarten welthistorische Realitäten aushebeln, auch wenn sie einstweilen freundlicherweise darauf verzichten, steckt in diesem Beschluss. Und wenn man sich ansieht, mit welchen in jahrzehntelanger harter Parteipolitik einstudierten taktischen Tricks die Gegner des Pro-Israel-Bekenntnisses auf ein paar Prozent niedrig gehalten werden, weiß man, dass hier leider nicht der übergreifende Konsens vorliegt, wonach es einen Staat Israel geben muss.

antisemiten Gewiss, man sollte die große Mehrheit in der Linken ernst nehmen: Wäre bei anderen Parteien, bei CDU und CSU, bei der SPD, der FDP oder den Grünen wirklich anderes herausgekommen, wenn man konkret nachgefragt hätte? Ist es nicht so, dass die anderen ihre Antisemiten nur besser verstecken können? Und dass eine Partei nur lange genug dabei sein muss, um von solchen Anwürfen endlich frei zu sein? Gibt es nicht die hessische CDU mit ihren Spenderkonten, die nordrhein-westfälische FDP mit ihrem Möllemann-Erbe und so manchen Nahost-Arbeitskreis der Grünen oder der Jusos? Solche Überlegungen relativieren das, was man gerne »Israelproblem der Linken« nennt und machen es zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema. Doch damit bleibt es ja – das ist eine Sache der Logik – weiter ein Problem auch der Linken.

Zum traditionellen linken Ritual gehört, mit revolutionärem Tremolo jeden Antisemitismus-Rassismus-Sexismus-Imperialismus zu bekämpfen. Auch bei ihrem Parteitag hat die Partei auf dicke Hose gemacht: Attacke gegen die Herrschenden! Lehren aus dem Faschismus! Es liegt wohl an diesen Parolen – die ja auch nicht so ganz frei von Größenwahn sind –, dass man einer Partei wie der Linken besonders wenig nachsehen mag, wenn sie das Recht von Juden, in einem Land ohne antisemitische Bedrohung zu leben, entweder bestreitet oder – kaum weniger schlimm – als welthistorische Petitesse abtut. Eine Linke, die sich ernst nimmt, sollte selbstkritisch untersuchen, ob und wie sie wirklich helfen kann, dass es sicheres jüdisches Leben gibt.

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Glosse

Ship happens: Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026

Erfurt/Berlin

BSW-Spitze fordert Voigts Rücktritt – und Ende der Koalition

Das Bündnis Sahra Wagenknecht regiert in Thüringen mit CDU und SPD – zum Missfallen der Parteizentrale. Schluss damit, verlangt ein Vorstandsbeschluss

 14.08.2026

Iran-Krieg

Vance: Kriegsziel Nummer Eins besteht darin, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten

Der amerikanische Vizepräsident sagt, die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe stehe an zweiter Stelle. Derweil schickt das Pentagon einen neuen Flugzeugträger in die Region

 14.08.2026

Hamburg

Volker Beck kämpft um Beteiligung als Nebenkläger

Der DIG-Präsident gehört zu den Personen, gegen die sich mutmaßliche Anschlagspläne des Iran gerichtet haben sollen. Dennoch hat das Gericht seinen Antrag auf Zulassung im Prozess zurückgewiesen

 14.08.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt

Bundesrat sieht sich gewappnet für mögliche AfD-Regierung

Den Bundestag mischt die AfD regelmäßig auf. Könnte sie das auch mit dem Bundesrat tun, wenn sie in Sachsen-Anhalt den Regierungschef stellen sollte? Der Bundesratspräsident bleibt gelassen

 14.08.2026

Nahost

Angriff auf Schiffe: Lage am Golf weiter angespannt

Im Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran wurde ursprünglich eine Einigung innerhalb von 60 Tagen angestrebt. Doch eine Lösung des Konflikts scheint ungewiss. Gibt es Fortschritte?

 14.08.2026

Boston

Gericht weist Klage der US-Regierung gegen Harvard ab

Trumps Regierung kassierte bereits im vergangenen Jahr in einem rechtlichen Streit mit der Elite-Uni eine Niederlage. Nun scheitert sie erneut vor Gericht. Im Zentrum stand ein Antisemitismus-Vorwurf

 14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026