Berlin

Volker Beck fordert von Rauch Verurteilung israelfeindlicher Demonstranten

Geraldine Rauch ist seit 2022 Präsidentin der TU Berlin. Foto: picture alliance/dpa

Israelfeindliche Aktivisten wollen einen Vortrag von Volker Beck, Geschäftsführer des Tikvah Instituts, an der Technischen Universität Berlin verhindern. Der sieht sich einem Mob gegenübergestellt und fordert nun lautstarke öffentliche Solidarität von TU-Präsidentin Geraldine Rauch und von Stefanie Schüler-Springorum und Uffa Jensen, die gemeinsam das Zentrum für Antisemitismusforschung leiten.

»Die Aktionen gegen meinen Vortrag sind in erster Linie kein Sicherheitsproblem, sondern ein Demokratieproblem. Diese Kräfte wollen niederbrüllen und mundtotmachen«, sagt Beck über die Demonstranten von »Student Coalition Berlin« und »Palästina spricht«, die seinen Auftritt mit einer Demonstration verhindern wollen.

»Hier muss die Universitätsleitung klar und öffentlich Position beziehen. Das gilt für Geraldine Rauch, Stefanie Schüler-Springorum und Uffa Jensen«, fordert der Geschäftsführer des Tikvah Instituts und ehemalige Bundestagsabgeordnete (Grüne).

Volker Beck ist auch Präsident der Deutsch-Israelischen GesellschaftFoto: picture alliance/dpa

Bisher habe er nur ein Schreiben von Stefanie Schüler-Springorum und einen Anruf von TU-Präsidentin Geraldine Rauch bekommen. Darin soll sie aber erklärt haben, der Vortrag falle nicht in ihre Zuständigkeit: »Ihre mir gegenüber geäußerte Haltung, es sei nicht ihre Veranstaltung, hat mich verblüfft. Was ist das für ein Amtsverständnis von Verantwortung und Zuständigkeit?«

Im Sommer, nachdem bekannt geworden, dass die Uni-Präsidentin antisemitische Tweets mit einem Like versehen hatte (darunter eine Darstellung des israelischen Ministerpräsidenten mit Hakenkreuzen), habe Rauch um eine zweite Chance gebeten. Die habe sie jetzt: »Indem sie öffentlich gegen Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit dieser Demonstranten Stellung bezieht.«

Schutz von Becks Vortrag habe »höchste Priorität« für Geraldine Rauch und die TU

Auch die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Stefanie Schüler-Springorum, kritisierte er. Sie sei sonst nicht um öffentliche Stellungnahmen verlegen, etwa als der Bundestag die BDS-Resolution verabschiedet hatte, habe sie »die öffentliche große Bühne gesucht, um BDSler zu verteidigen«.

Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen antwortete der Antisemitismusbeauftragte der Universität, Uffa Jensen, stellvertretend für alle drei Genannten auf die Forderungen von Volker Beck. Der Schutz seines Vortrages und der Sommerakademie, in dessen Rahmen er stattfindet, habe »für die Organisatoren, die Präsidentin der TU Berlin und den Antisemitismusbeauftragten höchste Priorität.«

Und weiter: »Persönliche Angriffe werden von den Organisatoren, der Präsidentin und dem Antisemitismusbeauftragten entschieden zurückgewiesen, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Wissenschaftsfreiheit müssen stets verteidigt werden.«

Lesen Sie auch

Aktivisten werfen Beck Rassismus und Genozid-Unterstützung vor

Volker Beck soll am Montag um 19 Uhr in der TU-Bibliothek in der Fasanenstraße einen Vortrag über die Frage halten, wie jüdische Feiertage im Feiertagsrecht behandelt werden. Die Aktivisten von »Student Coalition Berlin« und »Palästina spricht« werfen ihm vor, einen angeblichen »Genozid« an Palästinensern in Gaza zu unterstützen und haben eine Kundgebung unter dem Motto »Kein Platz für Rassisten auf dem Campus! Kein Platz für Volker Beck an der TU Berlin!« angekündigt.

Der hat dafür kein Verständnis: »Ich finde es eine Ungeheuerlichkeit, dass es Proteste gibt, nur weil ich über jüdische Feiertage referiere«, sagt Beck der Jüdischen Allgemeinen. »In meinem Vortrag wird es um die Religionsfreiheit von Jüdinnen und Juden gehen. Dass das schon eine Gegendemo provoziert, zeigt die antisemitische Einstellung dieser Leute.«

Mittlerweile sind zwei weitere Kundgebungen vor der Uni-Bibliothek angekündigt – zur Unterstützung von Volker Beck.

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Teheran

Iran prüft US-Vorschlag

In den Streitigkeiten um die Straße von Hormus und die fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA gehen diplomatische Bemühungen weiter. Jetzt meldet sich Irans Außenamtssprecher

 06.05.2026

Berlin

Berliner Holocaust-Mahnmal beschmiert

Wieder ist ein antisemitischer Schriftzug in Berlin aufgetaucht. Dieses Mal traf es das Holocaust-Mahnmal

 06.05.2026

Analyse

»Kill all Jews« - Neue und alte Bedrohungen für Juden - Terrorexperte erwartet härtere Anschläge

Fast täglich konnte man zuletzt Nachrichten über Attacken und Hass gegen Juden in Europa lesen - nicht nur, aber auch im Zusammenhang mit Gruppen, die in Verbindung zum Iran stehen. Was das mit Betroffenen macht

von Leticia Witte und Christoph Schmidt  06.05.2026

München

Bayern: Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf Rekordhoch

»Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter«, sagt Annette Seidel-Arpacı, die Leiterin von RIAS Bayern

 06.05.2026

Washington/Teheran

Bericht: USA und Iran nähern sich Vereinbarung zur Beendigung des Krieges

Kern der laufenden Gespräche ist ein auf einer einzigen Seite untergebrachtes, knappes Memorandum, das auf wenigen Punkten basieren soll

 06.05.2026

Berlin

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

In mehreren Bundesländern laufen Durchsuchungen gegen Rechtsextremisten. Was die Bundesjustizministerin dazu sagt

 06.05.2026

New York

USA unterstützen UN-Resolution zu möglichen Iran-Sanktionen

Dem Regime in Teheran werden in einem von den USA unterstützten Entwurf »wirksame Maßnahmen entsprechend der Schwere der Lage, einschließlich Sanktionen« angedroht

 06.05.2026

Washington D.C.

Trump stoppt Marineeinsatz in der Straße von Hormus

Der Präsident begründet dies mit angeblichen Fortschritten in Gesprächen mit Teheran über ein Abkommen. Außenminister Rubio hatte zuvor dagegen erklärt, das »Project Freedom« stelle nun den Schwerpunkt dar

 06.05.2026