Meinung

Versöhnen und verprellen

Ein wenig peinlich ist es schon. Wenn Papst Benedikt XVI. am späten Freitagnachmittag in der Londoner Westminster Hall zum britischen Parlament und zu führenden Religionsvertretern spricht, werden ihm kaum jüdische Zuhörer lauschen. Nicht aus Protest bleiben sie fern und auch nicht, weil sie »verstockt« sind, wie kirchliche Schriften es »den Juden« jahrhundertelang unterstellten. Nein, am Freitagnachmittag werden sie auf dem Weg nach Hause oder in die Synagoge sein, denn kurz darauf beginnt Jom Kippur. Der Termin für die Papstansprache ist denkbar ungünstig gewählt. Der Londoner Regierung mag man das nachsehen, aber im Vatikan sollte man wissen, wann die »älteren Brüder« ihren höchsten Feiertag begehen. Pikanterweise möchte der Papst über Versöhnung sprechen. Sicher hat er dabei vor allem das Verhältnis zu den Anglikanern im Blick. Dass er dieses Thema aber ausgerechnet kurz vor dem jüdischen Versöhnungstag anschlägt, offenbart ein Verhaltensmuster: Benedikt wendet sich den einen zu und verprellt damit die anderen. Nein, ein gutes Händchen im Umgang mit der jüdischen Gemeinde hat dieser Papst wahrlich nicht.

Interview

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Templin

Brandanschlag auf Grundstück von Beauftragten gegen Judenhass

Auf dem Grundstück des Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg wurde ein Schuppen in Brand gesteckt. Auf seiner Haustür haben die Täter ein rotes Hamas-Dreieck hinterlassen

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Analyse

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Anschläge und Morde, verdeckte Handelsfronten, Identitätsdiebstahl und Sanktionsumgehung: Das Regime in Teheran ist auch in Europa zu einem hybriden Bedrohungsakteur geworden. Umso wichtiger ist es, die Regimegegner zu unterstützen

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Interview

»Israels Sache ist gerecht, sie muss nur besser erklärt werden«

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Iran

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Im Iran kam es erneut zu Gewalt gegen Demonstrierende. Die Proteste haben sich inzwischen auf etwa 70 Prozent des Landes ausgeweitet. Auch in Berlin und Washington versammelten sich oppositionelle Exiliraner

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Venezuela

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Caracas

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Delcy Rodriguez, die nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro die Leitung des Landes übernehmen will, stellt den US-Angriff in einen Zusammenhang mit Israel

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Be'eri

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Kommentar

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