Debatte

Vater von Tamir Nimrodi: »Die SPD darf die Geiseln nicht vergessen!«

Alon Nimrodi ist der Vater der Hamas-Geisel Tamir Nimrodi Foto: picture alliance / Wiktor Dabkowski

Mit eindringlichen Worten hat Alon Nimrodi, Vater des in Gaza verschleppten 20-jährigen Deutsch-Israeli Tamir Nimrodi, an die SPD appelliert, die Geiseln in den Tunneln der Hamas nicht aus dem Blick zu verlieren. Anlass war eine politische Erklärung der SPD-Bundestagsfraktion zur Lage in Gaza, in der ausgerechnet Israel scharf kritisiert wird – ohne die Hamas oder deren Massaker vom 7. Oktober, mit denen der Krieg begann, auch nur zu erwähnen.

»Die SPD darf die Geiseln nicht vergessen! Meinen Sohn nicht, und auch die anderen Geiseln nicht, von denen sieben auch Deutsche sind«, sagte Nimrodi gegenüber »Bild«. Er befürchtet, dass der internationale Druck auf Israel die Verhandlungen mit der Hamas untergräbt.

Die am Mittwoch auf Instagram veröffentlichte Stellungnahme der SPD-Fraktion fordert Israel auf, den Krieg gegen die Hamas zu beenden und plädiert dafür, ein EU-Assoziierungsabkommen mit dem jüdischen Staat auszusetzen. Unterstützt wird das Papier unter anderem vom Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch sowie den Außenpolitikern Rolf Mützenich und Adis Ahmetovic.

Am Rande erwähnt

Der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 – Auslöser des Kriegs – wird in der Erklärung mit keinem Wort erwähnt. Die Tatsache, dass die palästinensischen Terroristen weiterhin 50 Geiseln in ihrer Gewalt haben, darunter sieben deutsche Staatsbürger, findet nur am Rande Erwähnung.

Lesen Sie auch

Von Tamir Nimrodi fehlt seit dem Tag seiner Entführung jede Spur. Der junge Mann hatte, wie sein Vater berichtet, vor seiner Verschleppung eine Liste mit Lebenszielen verfasst: »Vielen Menschen helfen. Einen engen Freundeskreis aufbauen. Niemandem wehtun.«

Anders als bei Tamir hat die Familie von Alon Ohel, einer weiteren deutsch-israelischen Geisel, zumindest belastende Hinweise auf dessen Zustand: Der 24-jährige Musiker wurde bei seiner Entführung schwer verletzt und verliert laut Angehörigen in der Hamas-Gefangenschaft sein Augenlicht – während er gleichzeitig unter schwerem Hunger leidet.

Nicht vertrauenswürdig

Ein dritter deutscher Staatsbürger, Rom Braslawski (21), gilt ebenfalls als verschollen. Die Terrorgruppe Islamischer Dschihad hatte zuletzt erklärt, keinen Kontakt mehr zu seinen Bewachern zu haben. Aussagen palästinensischer Terrororganisationen sind jedoch grundsätzlich nicht vertrauenswürdig.

Während Bilder hungernder Palästinenser die Nachrichtensendungen dominieren, gerät das Schicksal der israelischen Geiseln zunehmend in den Hintergrund. In Israel kennt jeder die Namen der Entführten. In Deutschland sei dies anders, kritisiert Nimrodi. ja

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Gedenken

Zwei Buchenwald-Verbände gegen Auftritt von Wolfram Weimer

In der Gedenkstätte Buchenwald wird am 12. April an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Geplant ist ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer. Zwei Verbände haben damit ein Problem

 23.03.2026

Krieg

Merz begrüßt vorläufigen Verzicht auf US-Kraftwerksangriffe im Iran

US-Präsident Donald Trump nimmt scharfe Drohungen gegen den Iran vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung begrüßt das und bietet Mithilfe bei anderen Bemühungen an

 23.03.2026

Nahost

G7 verurteilen iranische Angriffe scharf und warnen vor Eskalation

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister ist von »nicht zu rechtfertigenden Angriffen« und einer Gefahr für die Stabilität die Rede

 23.03.2026

Schutz jüdischer Studenten

Klage von Lahav Shapira gegen FU Berlin abgewiesen

Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Was sagen die Richter?

 23.03.2026

Berlin

Außenministerium stellt sich hinter Botschafter Seibert

Israels Außenminister kritisiert den deutschen Botschafter wegen Aussagen zur Siedlergewalt. Außenminister Wadephul telefoniert mit seinem Kollegen - und wiederholt die Kritik

 23.03.2026

Teheran

Können iranische Raketen nun Europa erreichen?

Nach dem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia rückt auch Europa in den potenziellen Zielkorridor iranischer Raketen. Muss man sich in Berlin nun Sorgen machen?

von Arne Bänsch  23.03.2026

Griechenland

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an

Brand in der Bordwäscherei, Probleme mit Toiletten: Die »USS Gerald R. Ford« macht auf Kreta Halt. Ermittler der US-Marine gehen der Ursache des Feuers nach

 23.03.2026

Nahost

Iran dementiert Verhandlungen mit den USA

US-Präsident Donald verschiebt ein Ultimatum und verweist auf »produktive Gespräche« mit dem Iran. Aus Teheran kommt ein Dementi

 23.03.2026