Proteste im Iran

USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten

Ein F-18-Kampfjet an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln Foto: picture alliance / abaca

Die Vereinigten Staaten bauen ihre militärische Präsenz im Nahen Osten deutlich aus. Ein Angriff auf den Iran ist weiterhin möglich. Nach Angaben aus Washington D.C. sind dabei »alle Optionen auf dem Tisch«. Ziel sei es, Präsident Donald Trump ein möglichst breites militärisches Handlungsspektrum zu eröffnen. Amerikanische und israelische Medien berichteten.

Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln sowie sein Begleitverband haben inzwischen die Straße von Malakka erreicht und sollen innerhalb weniger Tage in den Verantwortungsbereich des US-Zentralkommandos (CENTCOM) einlaufen. Begleitet wird der Träger von den Zerstörern USS Spruance und USS Michael Murphy. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden zwölf F-15-Kampfjets nach Jordanien verlegt, weitere Flugzeuge gelten als unterwegs. Transportmaschinen landeten außerdem auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean.

US-Regierungsvertreter erklärten gegenüber der »Jerusalem Post«, das Ziel sei der Aufbau einer substanziellen Streitmacht, die Trump im Falle einer Entscheidung gegen Teheran maximale Flexibilität verschaffe. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Blatt zufolge, ein »US-Angriff auf Iran ist weiterhin eine Option«.

Intensive Beratungen

Auch in Jerusalem laufen intensive Beratungen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief am Sonntag mehrere Minister aus dem sicherheitspolitischen Führungskreis ein, um die jüngsten regionalen Entwicklungen zu erörtern. In Israel wird davon ausgegangen, dass Washington seine militärischen Fähigkeiten in der Region gezielt wiederherstellt, nachdem diese nach dem zwölftägigen Krieg im Juni teilweise in andere Weltregionen verlegt worden waren.

Berichten zufolge hatte Trump in der vergangenen Woche einen geplanten Angriff vorerst gestoppt, unter anderem wegen begrenzter operativer Möglichkeiten. Mehrere arabische Staaten sollen den USA zudem signalisiert haben, amerikanischen Kampfflugzeugen keine Startgenehmigung für Angriffe auf den Iran zu erteilen. In einem Telefonat mit Trump habe Netanjahu darauf hingewiesen, dass Israel bei einer iranischen Gegenreaktion auf einen US-Schlag nicht ausreichend abgesichert wäre.

Israelische Experten warnen derweil vor überzogenen Erwartungen. Der von der »Jerusalem Post« zitierte Iran-Experte Raz Zimmt vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien betonte, die derzeitige Ruhe auf Irans Straßen sei trügerisch. Zwar dominiere aktuell die Angst, doch die brutale Repression vertiefe den Hass auf das Regime. »Auf den ersten Blick sieht man massive Sicherheitskräfte, Massenverhaftungen und große Angst«, sagte Zimmt, fügte aber hinzu: »Diese Ruhe ist irreführend.«

Neue Protestwellen

Besonders Gedenkzeremonien für getötete Demonstranten könnten neue Protestwellen auslösen. »Jede Beerdigung, jede Gedenkfeier kann eskalieren«, sagte Zimmt. Gleichzeitig warnte er, ein amerikanischer Angriff garantiere keinen Umsturz. »Die Tatsache, dass es einen Angriff gibt, bedeutet nicht, dass die Chancen für einen Regimewechsel steigen. Es hängt von der Art des Angriffs ab.«

In Israel selbst hält die Armee ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft aufrecht. Die Luftverteidigung wird weiter ausgebaut, Lehren aus dem jüngsten Krieg umgesetzt und offensive Fähigkeiten verstärkt. Am Sonntag landeten drei weitere Jets vom Typ F-35 Adir auf dem Luftwaffenstützpunkt Nevatim, womit die israelische Flotte auf 48 Maschinen anwuchs. Parallel betonen Sicherheitskreise, dass die Verteidigungsfähigkeit trotz politischer Debatten nicht beeinträchtigt worden sei.

In Jerusalem gilt die Einschätzung, dass ein begrenzter Militärschlag allein den iranischen Machtapparat nicht zu Fall bringen würde. Washingtons aktueller Kurs – militärischer Druck kombiniert mit der Suche nach inneren Schwachstellen und einer politischen Alternative – wird daher aufmerksam beobachtet. Ob daraus ein entscheidender Schritt oder lediglich eine weitere Eskalationsstufe entsteht, bleibt offen. im

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