9. Mai

»Unerträgliche Schmerzen und Tränen«

Foto: imago images/ITAR-TASS

Russlands Präsident Wladimir Putin hat zum 76. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Hitler-Deutschland den Schutz nationaler Interessen betont. »Russland verteidigt das internationale Recht konsequent«, sagte der Kremlchef am Sonntag während einer großen Militärparade in Moskau. »Gleichzeitig werden wir unsere nationalen Interessen standhaft verteidigen und die Sicherheit unseres Volkes sichern.«

Bei eisigem Wind und wolkenbehangenen Himmel marschierten Tausende Soldaten über den Roten Platz. Traditionell wurden auch Panzer, Raketen und Kampfflugzeuge präsentiert. Einige der hochbetagten Weltkriegsveteranen auf der Ehrentribüne hinter Putin waren zum Schutz gegen die Kälte in Decken gehüllt. Nass wurden die Besucher immerhin kaum. Ganze 417 Millionen Rubel (rund 4,7 Millionen Euro) hatte Moskau laut offiziellen Angaben unter anderem dafür bereit gestellt, Wolken vor dem Stadtzentrum künstlich zu zerstreuen.

Eine Schutzmaske trug kaum jemand. Offiziellen Angaben zufolge waren alle rund 12.000 Teilnehmer der Parade gegen das Coronavirus geimpft. Auch der 68 Jahre alte Kremlchef selbst hatte sich vor einigen Wochen immunisieren lassen.

Im vergangenen Jahr war Putin teils heftig dafür kritisiert worden, dass mitten in der Pandemie - wenn auch um einige Wochen nach hinten verschoben - in Moskau die größte Militärparade der russischen Geschichte abgehalten wurde. Zum 75. Jahrestag des Sieges über die deutschen Faschisten waren damals auch zahlreiche internationale Gäste angereist.

Der Zweite Weltkrieg, der im Russischen als »Großer Vaterländischer Krieg« bekannt ist, habe »unerträgliche Prüfungen, Schmerz und Tränen« gebracht, erinnerte Putin bei seiner diesjährigen Rede. »Und es gibt kein Vergeben und keine Rechtfertigung für diejenigen, die erneut aggressive Pläne aushecken.« Die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg laut Historikern rund 27 Millionen Todesopfer zu beklagen.

Einmal mehr warnte der Kremlchef außerdem vor Versuchen der Geschichtsfälschung und davor, die Taten von »Verrätern und Verbrechern« zu relativieren. Erst in der vergangenen Woche war ein Gesetzentwurf in die Staatsduma eingebracht worden, der ein »Gleichsetzen« der Handlungen von Sowjetmacht und NS-Regime im Zweiten Weltkrieg unter Strafe stellen will. Putin hatte das Vorhaben mit der Verteidigung gegen geschichtliche Unwahrheiten begründet. Kritiker hingegen mahnen, dass das Gesetz beliebig ausdehnbar sei und etwa die freie Arbeit von Historikern gefährden könnte.

Der »Tag des Sieges« gilt als einer der wichtigsten Feiertage in Russland. Dass er einen Tag später gefeiert wird als im Westen, liegt an der Zeitverschiebung: Der Beginn der Waffenruhe war 1945 auf den 8. Mai um 23.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit festgelegt worden. In Moskau war es da bereits 1.00 Uhr - am 9. Mai.

Auch in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion gab es am Sonntag Militärparaden und Gedenkveranstaltungen. In der Ukraine etwa gedachten Zehntausende mit Blumen des Kriegsendes in Europa und feierten mit Autokorsos den Sieg über den Nationalsozialismus. Die Landesführung um Präsident Wolodymyr Selenskyj legte Blumen am Ewigen Feuer in Kiew ab.

Berlin

Zentralrat der Juden: Linke lässt sich von Vanessa Emde auf der Nase herumtanzen

Josef Schuster: »Solange Positionspapiere nicht von konkreten personellen Konsequenzen auf jeder Ebene begleitet werden, nehme ich der Linken ihr Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus nicht ab«

von Imanuel Marcus  29.10.2026

Washington D.C.

Medien: Vance lotet mit Teheran Chance auf Verhandlungen aus

Berichten zufolge bereiten die USA und Israel neue Militärschläge gegen den Terrorsponsor Iran vor. Nun soll es neue Bemühungen um eine diplomatische Lösung geben

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026