Meinung

Und täglich grüßt die Nahost-Resolution

Möchtegern-Elder-Statesmen hoffen auf viel Beifall und wenig Kritik Foto: imago

Eine Resolution ist eine Resolution ist eine Resolution. Aber wen interessiert’s? Es sei denn, in einem solchen Schriftwerk wird Frieden für die Welt, angefangen in Nahost, gefordert. Jüngst haben sich wieder einmal ehemalige Regierungschefs aus den Niederlanden, Island, Italien und Dänemark plus etliche andere Ex-Spitzenpolitiker mit einem offenen Brief geäußert. Gerichtet vermutlich an die ach so gern bemühte Weltöffentlichkeit.

Jedenfalls werden die Israelis darin zum Umdenken und die Palästinenser zum Einlenken aufgefordert. Das zumindest ist originell, man hat ja auch schon den umgekehrten Appell gelesen. Und wieder mal zeigt sich: Es gibt nur wenig Überflüssigeres auf dieser Welt als eine Nahost-Resolution.

RATSCHLÄGE Vor allem nervt daran die Pose des Weltenlenkers: Politisches Personal, das nach kurzer Amtszeit von den eigenen Wählern in die Wüste geschickt wurde, schwingt sich zum Ratgeber für eine doch ziemlich entfernt liegende Weltregion auf. Flankiert werden solche Vorschläge von moralinsauren Worten, als hätten nur die Unterzeichner und niemand sonst auf unserem Planeten entdeckt, dass Frieden besser ist als Krieg. Mag sein, dass in diesen Papieren der eine Gedanke klug, der andere töricht ist. Doch was sie verbindet, ist die Wohlfeilheit der Ratschläge.

Hier suchen sich Möchtegern-Elder-Statesmen eine für sie ungefährliche Bühne, wo nur Beifall, aber kaum Kritik wartet. Würde es konkret werden, hätten es die Weisen aus dem Abendland mit einer aufgeklärten Öffentlichkeit zu tun, die Rechenschaft einforderte. Doch derlei Konfrontation mit der Realität wird tunlichst vermieden. Deshalb die aufrichtige Bitte an die Damen und Herren Ex-Politiker: Verschont uns mit einer neuen Nahost-Resolution!

Ukrainereise

Prien bei Gedenken in Babyn Jar: Erinnerung verpflichtet uns

Bundesfamilienministerin Prien ist in die Ukraine gereist. Am heutigen Dienstag sprach sie beim Gedenken an die ermordeten Juden in Babyn Jar. Sie betonte auch, Deutschland stehe weiter an der Seite der Ukraine

von Birgit Wilke  06.10.2026

Fokus

Aktionswochen gegen Antisemitismus gestartet - Zahlen zu Hochschulen

Die bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus nehmen dieses Jahr die Lage an den deutschen Universitäten in den Blick. Die Amadeu-Antonio-Stiftung nennt erhobene Vorfallszahlen - und stellt Forderungen

von Daniel Zander  06.10.2026

Sachsen-Anhalt

Bitterer Vorgeschmack

Die heutige Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten zeigt, wie die rechtsextreme Partei im Dezember auch den Ministerpräsidenten stellen könnte

von Mascha Malburg  06.10.2026 Aktualisiert

Dialog

Zwischen Vatikan und Juden geht nach dem 7. Oktober kaum noch was

Seit Jahrhunderten ist das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Juden turbulent. Nach einem Zwischenhoch unter Johannes Paul II. kühlte es wieder ab. Und seit dem Gazakrieg nähert es sich einem neuen Tiefpunkt

von Ludwig Ring-Eifel  06.10.2026

Berlin: das Rote Rathaus mit Fernsehturm im Hintergrund

Glosse

Ein Coach berät die Berliner Linke

Unser Autor ist Psychologe, Coach und Berater. Der Linkspartei und ihrer Regierenden Bürgermeisterin in spe, Elif Eralp, hilft er an dieser Stelle kostenlos

von Louis Lewitan  06.10.2026

Düsseldorf

Nach Angriff auf Juden: Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto

Die Tatverdächtigen sollen einen Mann verprügelt haben, weil der ein T-Shirt mit »IDF«-Schriftzug getragen hatte

 06.10.2026

Sachsen-Anhalt

Tobias Rausch zum ersten AfD-Landtagspräsidenten gewählt

Er ist jetzt der protokollarisch ranghöchste Politiker in Sachsen-Anhalt. Nach ihrem Wahlsieg im September stellt die AfD mit Tobias Rausch den Landtagspräsidenten.

 06.10.2026

Essay

Der 7. Oktober und das Ungeheuer

Damals ist das Ungeheuer namens Judenhass neu ausgebrochen und wütet seitdem mit einem Furor, dem wir fassungslos gegenüberstehen. Sein Appetit ist ungebrochen, und es wird täglich gefüttert

von Esther Schapira  06.10.2026

Aufruf

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar warnt vor AfD

Shida Bazyar ist mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In einem Vorab-Interview äußerte sie sich auch politisch

von Anita Hirschbeck  06.10.2026