Meinung

Und täglich grüßt die Nahost-Resolution

Möchtegern-Elder-Statesmen hoffen auf viel Beifall und wenig Kritik Foto: imago

Eine Resolution ist eine Resolution ist eine Resolution. Aber wen interessiert’s? Es sei denn, in einem solchen Schriftwerk wird Frieden für die Welt, angefangen in Nahost, gefordert. Jüngst haben sich wieder einmal ehemalige Regierungschefs aus den Niederlanden, Island, Italien und Dänemark plus etliche andere Ex-Spitzenpolitiker mit einem offenen Brief geäußert. Gerichtet vermutlich an die ach so gern bemühte Weltöffentlichkeit.

Jedenfalls werden die Israelis darin zum Umdenken und die Palästinenser zum Einlenken aufgefordert. Das zumindest ist originell, man hat ja auch schon den umgekehrten Appell gelesen. Und wieder mal zeigt sich: Es gibt nur wenig Überflüssigeres auf dieser Welt als eine Nahost-Resolution.

RATSCHLÄGE Vor allem nervt daran die Pose des Weltenlenkers: Politisches Personal, das nach kurzer Amtszeit von den eigenen Wählern in die Wüste geschickt wurde, schwingt sich zum Ratgeber für eine doch ziemlich entfernt liegende Weltregion auf. Flankiert werden solche Vorschläge von moralinsauren Worten, als hätten nur die Unterzeichner und niemand sonst auf unserem Planeten entdeckt, dass Frieden besser ist als Krieg. Mag sein, dass in diesen Papieren der eine Gedanke klug, der andere töricht ist. Doch was sie verbindet, ist die Wohlfeilheit der Ratschläge.

Hier suchen sich Möchtegern-Elder-Statesmen eine für sie ungefährliche Bühne, wo nur Beifall, aber kaum Kritik wartet. Würde es konkret werden, hätten es die Weisen aus dem Abendland mit einer aufgeklärten Öffentlichkeit zu tun, die Rechenschaft einforderte. Doch derlei Konfrontation mit der Realität wird tunlichst vermieden. Deshalb die aufrichtige Bitte an die Damen und Herren Ex-Politiker: Verschont uns mit einer neuen Nahost-Resolution!

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