Unbekannte Täter haben am jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte eine Gedenktafel zerstört. Nach Angaben der Polizei wurde die beschädigte Tafel am Montag gegen 11 Uhr von einer Mitarbeiterin entdeckt, die daraufhin die Beamten alarmierte.
Vor Ort fanden die Einsatzkräfte Glassplitter sowie den beschädigten Metallrahmen, an dem die Tafel befestigt gewesen war. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Es wird wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung ermittelt, Hinweise auf die Täter lagen zunächst nicht vor.
Der Alte Jüdische Friedhof in der Großen Hamburger Straße gilt als einer der ältesten belegten Begräbnisplätze der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er wurde Ende des 17. Jahrhunderts angelegt, nachdem erstmals wieder jüdische Familien in der Stadt ansässig werden durften. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1827 wurden dort Tausende Menschen beigesetzt, darunter bedeutende Persönlichkeiten wie der Philosoph Moses Mendelssohn. Später entstand am Eingang des Friedhofs ein Altersheim der jüdischen Gemeinde, das den Ort über Jahrzehnte prägte.
In Nazi-Deutschland wurde das Altersheim als Sammellager für Deportationen missbraucht, der Friedhof selbst zerstört. Nach dem Krieg wurde das Gelände der Jüdischen Gemeinde zurückgegeben und schrittweise zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Heute erinnert der Ort an die lange Geschichte jüdischen Lebens in Berlin, an die Verbrechen der Nationalsozialisten und an die Wiederherstellung des Friedhofs als Erinnerungs- und Lernort. im