Leipzig

Unbekannte schänden Porträts von Überlebenden mit Hitler-Bärtchen

Die Ausstellung von Luigi Toscano wurde bereits 2019 in Wien beschädigt (Archivfoto) Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Unbekannte haben am Holocaust-Gedenktag in Leipzig
eine Open-Air-Ausstellung mit Porträts von Opfern der NS-Diktatur
geschändet. Die am Samstag eröffnete Ausstellung »Gegen das
Vergessen« zeigt auf dem Querbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofs
und auf dem Bahnhofsvorplatz 140 großflächige Porträtaufnahmen des
Fotografen Luigi Toscano von Überlebenden der NS-Verfolgung.

Noch vor der Eröffnung seien in der Nacht zu Samstag vor dem
Bahnhof sechs Porträts und zwei auf dem Querbahnsteig mit grünem
und schwarzem Permanent-Marker beschmiert worden, teilte die
Leipziger Polizei am Sonntag mit. Der Sachschaden liege bei 1.500
Euro. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittle wegen Volksverhetzung
und Sachbeschädigung. Laut »Leipziger Volkszeitung«
schmierten die Täter unter anderem Hitlerbärtchen auf die Aufnahmen
von zwei Männern, deren Eltern und Familien in der NS-Zeit ermordet
wurden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Es ist eine Katastrophe«, sagt Luigi Toscano der Zeitung, »das tut einfach nur weh.« Unter den beschmierten Bildern ist der »Volkszeitung« zufolge auch die Aufnahme eines Mannes, dessen Eltern nach Auschwitz-Birkenau deportiert und später im KZ Mauthausen ermordet wurden. Auch das Bild eines Österreichers, dessen Familie bei den Novemberpogromen getötet wurde, wurde beschmiert. »Die Farbe lässt sich nicht einfach wegwischen«, sagt Toscano. »Die Bilder müssen ausgetauscht werden.«

Die Ausstellung wurde bereits öfter Ziel von Schmierereien. Erst im September vergangenen Jahres wurden die Porträts bei einer Ausstellung an einer Schule in Herrenberg beschmiert. 2019 wurden die Fotos Ziel einer Neonazi-Attacke in Wien.

Die Porträts hatte der Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano seit 2014 unter anderem in Deutschland, den USA, Österreich, der Ukraine, Russland, Israel, den Niederlanden, Frankreich und Belarus
aufgenommen. Zu sehen ist die Ausstellung in Leipzig bis 17. Februar. epd/ja

Justiz

Schweizer Comedian Hamza Raya wegen Rassismus angezeigt

Ein muslimischer Comedian und ein jüdischer Gastronom loten die Grenzen der Satire aus. Nun droht dem einen von beiden eine juristische Auseinandersetzung

von Nicole Dreyfus  15.07.2026

Magdeburg

AfD-Veranstaltung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Steimle

Ein Auftritt des Kabarettisten Uwe Steimle auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Zudem gab es Kritik wegen des Singens der DDR-Nationalhymne

 15.07.2026

Kalenderblatt

Der Marschall war vieles, aber kein Judenretter: Philippe Pétain taugt auch 75 Jahre nach seinem Tod für einen Skandal

Marschall Pétain, Verdun, Vichy-Regime - war da was? Über einen Mann, der im Nachbarland Frankreich vom Helden zum Verfemten wurde und über das Schicksal von Tausenden Juden im Zweiten Weltkrieg mitbestimmte

von Joachim Heinz  15.07.2026

Wahlen

Friedrich Merz: Werde alles tun, damit AfD nicht in Verantwortung kommt

Viele sorgen sich vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor möglichen Wahlsiegen der AfD. Kanzler Merz hingegen gibt sich zuversichtlich, dass das zu verhindern sei

 15.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026

Iran

Propagandaplakat in Teheran zeigt Trump im Sarg

Auf dem Plakat wird Vergeltung gefordert. Doch viele Iranerinnen und Iraner stehen den Racheaufrufen kritisch gegenüber

 15.07.2026

Chemnitz

Neonazi Liebich nach Deutschland gebracht

Schon Ende August 2025 sollte er die Haft antreten, floh jedoch stattdessen. Einige Monate später wurde der Neonazi gefasst, nun ist er wieder in Deutschland. Wo kommt Liebich nun hinter Gitter?

 15.07.2026

Erfurt

Hape Kerkeling für Anhörung zu AfD-Verbot geladen

Der Kabarettist ist auf Betreiben der Linken eingeladen. Der Komiker werde sich aber »zu dieser Angelegenheit derzeit nicht äußern«, teilt sein Büro mit

 15.07.2026