Meinung

Trumps klarer Blick

Die USA haben die Schließung der Washingtoner PLO-Vertretung angeordnet. Zuvor hatte die Trump-Administration dem UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA die Geldmittel gestrichen. Eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hat und vollumfänglich der palästinensischen Verweigerung von Friedensgesprächen mit Israel und feindseligen Aktivitäten der PLO gegen die Vereinigten Staaten zuzuschreiben ist.

Am 3. Februar bezeichnete PLO-Chefunterhändler Saeb Erekat die UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Nikki Haley, als »unverschämt« und forderte sie auf, »den Mund zu halten«. Es waren verbale Entgleisungen eines palästinensischen Funktionärs und Abbas-Vertrauten, die nicht folgenlos bleiben sollten.

Arafat Während die USA und die Europäische Union die 1993 zwecks Gründung eines zukünftigen palästinensischen Staates ins Leben gerufene Palästinensische Autonomiebehörde finanziell am Leben erhalten, erweist sich Letztere weniger der Gründung als der Verhinderung eines Staates verpflichtet. Der die zahlreichen Uniformen und Anzüge Jassir Arafats schmückende Olivenzweig stand von Anfang an in krassem Widerspruch zu den Signalen gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Auch heute, unter Arafats Nachfolger Abbas, der sich trotz Ablauf seiner Amtszeit 2009 weiterhin Präsident nennt, wird in arabischen Ansprachen die Rückkehr nach »ganz Palästina« propagiert, im palästinensischen Fernsehen werden Juden als Affen und Schweine bezeichnet, Mörder von Israelis verherrlicht und fürstlich entlohnt. In palästinensischen Schulbüchern wird die Existenz Israels gänzlich verschwiegen.

Bei früheren Friedensgesprächen, denen sich die Palästinenser heute sogar offiziell verweigern, wurde ein Ja zur Zweistaatenlösung durch inakzeptable Forderungen durch die Hintertür immer wieder zu einem klaren Nein. Insbesondere das Insistieren auf dem völkerrechtlich vollkommen absurden »Rückkehrrecht« bedeutete von Anfang an das Ende jeglicher Friedensbemühungen, bevor sie eigentlich beginnen konnten.

Konflikt Die sogenannte Zweistaatenlösung gilt international nicht nur als einzige realistische Formel zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts, sondern wird mehr und mehr sogar zur Lösung des gesamten »Nahostkonflikts« herangezogen – mit Ausnahme der Protagonisten der ihnen aufgezwungenen Lösungsformel, zumindest gegenwärtig: Weder Israel noch die Palästinenser sehen in der »Zweistaatenlösung« einen realistischen Weg zur Befriedung der Region.

Denn beide Kontrahenten fühlen sich nicht in der Lage, diese Lösung der Mehrheit ihrer eigenen Bevölkerung zu verkaufen. Der Gazastreifen wird seit 2007 durch die Terrorbanden der Hamas kontrolliert. Die palästinensische Führung in Ramallah verspricht ihren Schützlingen seit Generationen die Rückkehr nach Akko, Haifa und Jaffa.

Tatsächlich jedoch sperrt sie große Teile ihrer eigenen Bevölkerung selbst innerhalb der von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Gebiete in Flüchtlingslager ein und überlässt Hunderttausende der Fürsorge durch die eigens für sie gegründete UNRWA. Abbas verlangt nach außen zwar die Unabhängigkeit, fürchtet diese in Wirklichkeit jedoch mehr als die israelische Militärpräsenz in den Zonen B und C der Autonomiegebiete. Wohl wissend, dass die Entlassung in die Unabhängigkeit das sofortige Ende der PLO-Herrschaft im Westjordanland bedeuten würde.

Lebensversicherung Eine Einigung zwischen den Todfeinden Fatah und Hamas ist nicht absehbar: Die Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas und die Neugründung der DDR wären wahrscheinlicher. Es mag absurd klingen, aber der Nahe Osten tickt nun einmal anders: Die »Besatzung« ist letztendlich die Lebensversicherung für Abbas und seine Funktionärsclique und daher für diese nicht wegzudenken.

Die Kooperation der Sicherheitsapparate beider Kontrahenten ist daher weniger Prinzip als eiskaltes Kalkül: Israel kann hierdurch zahlreiche Attentatsversuche vereiteln, die Palästinensische Autonomiebehörde hält mithilfe der Israelis durch den Iran finanzierte Hamas-Terrorzellen in Schach und sich selbst damit an der Macht.

Auch für Israel steht die Zweistaatenlösung aktuell nicht zur Debatte. Israel verlangt – durchaus nachvollziehbar – vor einem militärischen Abzug den Entfall der Gründe für seine Militärpräsenz im Westjordanland. Die drohende Übernahme des Westjordanlandes durch die Hamas, wenige Kilometer von Israels Ballungszentren und dem Ben-Gurion-Flughafen entfernt, würde für Israel ein nicht unbedingt kleineres Bedrohungsszenario darstellen als 130.000 im Libanon auf Israels Städte gerichtete Kurz- und Mittelstreckenraketen in den zahlreichen Arsenalen der Hisbollah.

Realität Man kann über die Frage der richtigen Richtung streiten. Bewegt hingegen hat US-Präsident Donald Trump im Nahen Osten in der Kürze seiner Amtszeit mehr als alle seine Vorgänger zusammen. Er hat in kürzester Zeit den »Bad Deal«, das Atomabkommen mit dem Iran, auf- und erneute Sanktionen gegen Teheran angekündigt, den UN-Menschenrechtsrat verlassen, die US-Botschaft von Tel Aviv in Israels Hauptstadt verlegt, den sich Friedensverhandlungen verweigernden Palästinensern sowie der UNRWA Geldmittel gestrichen und die Schließung der PLO-Vertretung in Washington angeordnet.

Mit Trump und den USA haben sich die Palästinenser nun den falschen Gegner ausgesucht. Zu Recht trifft er die palästinensischen Funktionäre bis zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch dort, wo es ihnen am meisten wehtut: in ihren tiefen Taschen.

Die Geschichte des Nahen Ostens zeigt, dass effektive Waffenstillstandsvereinbarungen durchaus mehr Stabilität und Sicherheit bringen können als schwache Friedensverträge. Wenn heute Israelis und Palästinenser wieder zusammengebracht werden sollen, sind pragmatische Lösungsansätze gefragt, auch abseits der altbekannten und faktisch nicht durchsetzbaren, an der Realität vorbeigehenden Friedenskonzepte und »Road Maps«.

Und wer heute behauptet, die USA würden den »Friedensprozess« begraben, möge zunächst die Frage beantworten, welche maßgeblichen Errungenschaften die bisherigen Ansätze für eine Konfliktbeilegung zwischen Israelis und Palästinensern in den letzten drei Jahrzehnten hervorgebracht haben. Und vor allem, welchen positiven Einfluss hierbei europäische Initiativen hatten. Die Antwort fällt leicht: keine.

Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin.

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Schwerin/Rostock

Kurs Rot-Rot-Grün: Verhandlungen starten am Montag

SPD, Linke und Grüne wollen in Mecklenburg-Vorpommern über eine Koalition verhandeln. Dafür stimmten alle drei Parteien. Für die Grünen wäre eine Regierungsbeteiligung dort eine Premiere

 11.10.2026

Franziska Giffey

Nach der Wahl in Berlin

Franziska Giffey spricht sich gegen Koalition mit Linkspartei aus

Die noch amtierende Wirtschaftssenatorin sieht keine Basis für eine Koalition mit der Linken in Berlin. Die SPD-Politikerin fordert klare Positionen im Kampf gegen Antisemitismus. Unterdessen verteidigt Thüringens Ex-Ministerpräsident Ramelow die Sondierer gegen Kritik aus den eigenen Reihen

 11.10.2026

Nahost

Abbas verschiebt Parlaments- und Präsidentenwahl

Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es keine Parlamentswahl mehr

 11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Teilnehmer einer Demonstration »United4Palestine« halten Palästinenserflaggen, auch eine Flagge der Linken und eine Queer-Flagge sind zu sehen.

Berlin

Israelfeindliche Demonstration durchs Regierungsviertel

Rund 3.500 Menschen nehmen an der Demonstration unter dem Motto »United4Palestine« teil. Auch Politiker und Aktivisten der Linkspartei waren dabei. Einige Demonstranten wurden festgenommen

 11.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Saudi-Arabien

Mindestens zwölf Tote bei Angriff auf Flughafen in Riad

Der Konflikt zwischen den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen und Saudi-Arabien eskaliert. Bei dem Angriff auf den Flughafen King Chalid gibt es Tote und Hunderte Verletzte. Wie reagiert Washington?

 11.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Hans-Georg Lindenau in seinem Ladengeschäft »M99 Gemischtwaren mit Revolutionsbedarf«

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026 Aktualisiert