USA

Trump beschuldigt »liberale Juden«, Amerika und Israel zu zerstören

Donald Trump hält am 15. September 2023 beim »Pray Vote Stand Summit« in Washington D.C. eine Rede. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der frühere Präsident und republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump wählte Rosh Haschana für einen verbalen Angriff auf »liberale Juden« in den Vereinigten Staaten. Auf seiner eigenen Plattform Truth Social schrieb er, sie hätten »für die Zerstörung Amerikas und Israels gestimmt«.

»Nur eine kurze Erinnerung an liberale Juden, die für die Zerstörung Amerikas und Israels gestimmt haben, weil sie an falsche Narrative geglaubt haben!«, so Trump. »Hoffen wir, dass Sie aus Ihrem Fehler gelernt haben und in Zukunft bessere Entscheidungen treffen!«

Es war unklar, was genau Trump meinte. Vermutlich bezog er sich auf amerikanische Juden, die im Jahr 2020 für Joe Biden stimmten und israelische Wähler, die nicht Benjamin Netanjahu wählten.

Absurder Vorwurf Der Vorwurf ist aus diversen Gründen absurd. Trump selbst beschädigte während seiner Amtszeit die amerikanische Demokratie, indem er fast täglich Lügen und Verschwörungstheorien verbreitete und am Ende den Versuch eines Staatsstreichs startete. Hunderte seiner Anhänger stürmten am 6. Januar 2021 das Capitol.

In Israel hat die rechte Regierungskoalition von Ministerpräsident Netanjahu das Land mit ihren Plänen für eine Beschneidung der Justiz in eine Krise gestürzt. Seit Monaten kommt es zu großen Protesten gegen das Vorhaben, das auch international kritisiert wird.

Trump nutzte Truth Social auch zum »Witzeln«. Er sei der »größte Antisemit aller Zeiten«, schrieb der inzwischen auch wegen Verschwörung und Wahlbeeinflussung angeklagte Ex-Präsident - während er zugleich seine angeblichen Verdienste für das jüdische Volk hervorhob.

Umzug der Botschaft »Wacht mal auf, Ihr Schafe. Welcher Nazi oder Antisemit hat all dies jemals für das jüdische Volk getan?«, hieß es auf einem Flugblatt, das Trump veröffentlichte. Darauf wird der Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem aufgelistet sowie das von ihm unterzeichnete Gesetz, das als »Never Again«-Vorlage bekannt war und Bildung über den Holocaust finanziert.

Auf dem Flugblatt wurden einige Punkte nicht erwähnt: Trumps frühere UNO-Botschafterin Nikki Haley wandte sich während ihrer Amtszeit entschieden gegen die starken anti-israelischen Tendenzen der Weltorganisation und vieler ihrer Mitgliedsstaaten. Inzwischen ist sie als Präsidentschaftsbewerberin Trumps Konkurrentin.

Allerdings kamen auch weitaus unrühmlichere Aspekte auf dem Flugblatt nicht zur Sprache, darunter Trumps Lob für Neo-Nazis und Antisemiten, Treffen mit ihnen - und seine antisemitische Aussage, republikanische Juden seien »manipulativ und geldgierig«.

Die meisten amerikanischen Juden wählen seit jeher mehrheitlich die Demokraten. Nur gut ein Fünftel aller jüdischen Wähler in den USA unterstützt die rechten Republikaner - wenn diese von Donald Trump angeführt werden. Dies ging unlängst aus einer Umfrage hervor. im

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Zweite Anklage wegen Mordversuchs am Holocaust-Mahnmal

Khalaf A. habe mit dem bereits im März wegen des Mordversuchs verurteilten Wassim Al M. in Kontakt gestanden und diesen ermutigt, sein Vorhaben umzusetzen, hieß es

 09.09.2026

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Iran

Kamran Hekmati in Teheran aus dem Gefängnis entlassen

Der 71-jährige iranisch-amerikanische Jude kommt nach einjähriger Haft wegen einer Reise nach Israel frei, darf das Land aber weiterhin nicht verlassen

 09.09.2026

Bundestag

Merz wirft AfD Pläne für »ethnische Säuberungen« vor

Wenige Tage nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gibt sich Bundeskanzler Merz kämpferisch gegenüber der Partei. Bei der Generaldebatte im Bundestag wirft er ihr vor, mit ihren migrationspolitischen Positionen das Land zu spalten

 09.09.2026

Fußball

»Für Juden spielen wir nicht«

Beim Oberliga-Verein Tennis Borussia Berlin soll es zu antisemitischen Anfeindungen gegen den jüdischen Vorstandsvorsitzenden Ariel Gala gekommen sein – aus der eigenen Jugendabteilung

 09.09.2026

Max Privorozki

»Ich werde Halle nicht verlassen, solange wir in einer freien Gesellschaft leben«

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht der Gemeindevorsitzende über Wahlergebnisse, Prognosen und die Aufgabe der Gesellschaft

 09.09.2026