Antisemitismus

»Traumatherapeutischer Meilenstein«

Präses Manfred Rekowski (2.v.r) eröffnete in Bad Neuenahr-Ahrweiler die 73. Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland Foto: Verwendung weltweit

Die Kirchen sind nach Ansicht des Theologieprofessors Desmond Bell mitverantwortlich für den Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn Antijudaismus und Antisemitismus wieder die Oberhand bekämen, wäre das eine Bankrotterklärung für das Christentum«, sagte der Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Code Bell warnte: »Ein Problem haben wir, wenn Antisemitismus wieder salonfähig und zu einem entscheidenden kulturellen Code wird.« Aktuell sei Deutschland vermutlich in einer kritischen Phase, in der sich entscheide, ob antisemitische Positionen künftig wieder mehrheitsfähig würden.

In einem 1980 verabschiedeten Beschluss mit dem Titel »Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden« hatte die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland unter anderem eine »Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust« erklärt und sich von der Missionierung von Juden verabschiedet. An den Beschluss wird bei der bis zum 16. Januar tagenden Synode der rheinischen Kirche in Bad Neuenahr erinnert. Zudem werden künftige Anknüpfungspunkte erörtert.

Bell warnte: »Ein Problem haben wir, wenn Antisemitismus wieder salonfähig und zu einem entscheidenden kulturellen Code wird.«

Bell sagte, die Erklärung sei vor 40 Jahren in Deutschland die weitestgehende ihrer Art gewesen und habe eine neue und selbstverständlichere Kultur des Dialogs und des Nachdenkens über das Judentum eingeläutet. Der Beschluss sei auch ein »traumatherapeutischer Meilenstein« für die Landeskirche gewesen, bei dem man sich des seit Jahrhunderten gestörten Verhältnisses zum Judentum bewusst geworden sei und sich eingestanden habe, dass diese Einstellung den Boden für die Verbrechen der Nationalsozialisten mitbereitet habe.

Dass die rheinische Kirche 1980 einen solchen Beschluss gefasst habe, heiße aber nicht, dass sie selbst grundsätzlich antisemitismusfrei sei, warnte Bell. Auch die Kirchen hätten antijudaistische und antisemitische Mitglieder. Öffentlich vorgetragener Antisemitismus habe mittlerweile in Deutschland wieder zugenommen, auch im Internet, erklärte der Theologe.

Die rheinische Kirche solle gemeinsam mit jüdischen Gemeinden Stellen für Webaktivisten schaffen, um professionell gegen Hetze im Netz vorzugehen.

Webaktivisten Dem könne die rheinische Kirche zusätzlich zu ihrer bereits bestehenden Bildungsarbeit entgegenwirken, indem sie gemeinsam mit jüdischen Gemeinden Stellen für Webaktivisten schaffe, um professionell gegen Hetze im Netz vorzugehen.

Der Kampf gegen Antisemitismus ist nach Bells Worten auch ein Kampf um Bildung und Aufklärung. Diese Aufgabe nehme die rheinische Kirche in vielen Bereichen bereits seit langem wahr, sagte der Theologe. Sie schaffe etwa Begegnungsmöglichkeiten zwischen Juden und Christen. Wichtig sei aber auch, gemeinsam mit jüdischen Gemeinden vor Ort soziale und politische Initiativen voranzubringen.

Gegen latenten Antisemitismus am nachhaltigsten wirksam sei allerdings eine grundlegende Bildungsarbeit, die Menschen helfe, sich zu stabilen Persönlichkeiten zu entwickeln. Solche Menschen seien nicht so leicht für antisemitische Argumentationsweisen zu vereinnahmen, betonte Bell. epd

Teheran

Irans Vizeaußenminister: »Entweder siegen wir oder werden zu Märtyrern«

Nach Drohungen von US-Präsident Donald Trump zeigt sich die iranische Regierung kampfbereit. Der Vizeaußenminister findet deutliche Worte

 19.05.2026

Europäische Union

»Terror-Rente«: Brüssel vertraut Zusicherungen aus Ramallah

In ihrer Antwort auf die Anfrage der Europaabgeordneten Hildegard Bentele bleibt EU-Kommissarin Dubravka Šuica vage, was die Zahlungen an palästinensische Terroristen angeht

von Michael Thaidigsmann  19.05.2026

Berlin

Anstehende Abgeordnetenhauswahl: Jüdischer Verein warnt vor AfD und Linken

Laut »WerteInitiative« sind beide Parteien ein Risiko für die jüdische Gemeinschaft. Auf unterschiedliche Weise spielten sie Minderheiten gegeneinander aus, heißt es in einem Positionspapier

 19.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Kiel

TKMS und Elbit vertiefen Partnerschaft bei Marinetechnik

Während das deutsche Unternehmen seine Erfahrung im U-Boot- und Marineschiffbau einbringen will, sollen die Israelis vor allem Elektronik-, Sensor- und Waffentechnologie liefern

 19.05.2026

Berlin

Studie dokumentiert zunehmende Bedrohungslage jüdischer Wissenschaftler

Die Analyse des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender fasst erstmals entsprechende Vorfälle an mehr als 100 Hochschulstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen

 19.05.2026

Berlin

Neuer Förderaufruf: Projekte gegen Antisemitismus gesucht

Nach der Fördergeldaffäre nimmt der Berliner Senat einen neuen Anlauf. Für Projekte gegen Judenhass soll ein Aktionsfonds geschaffen werden

 19.05.2026

Washington

Trump: Geplanter Angriff auf Iran vorerst gestoppt

»Wenn wir ein Abkommen mit Iran erreichen können, ohne sie in Grund und Boden zu bombardieren, wäre ich sehr glücklich«, so der US-Präsident

 19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026