Wuppertal

Terroristin als Stargast

Leila Khaled Foto: dpa

Leila Khaled ist viel unterwegs. Schon in ihren jungen Jahren nutzte sie gerne das Flugzeug, auch wenn ihr wenig daran lag, schnell und bequem von einem Ort zum anderen zu kommen. 1969 war sie an der Entführung einer Passagiermaschine beteiligt, die auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv war. Jüdische Fluggäste wurden separiert und Terroristen freigepresst. Ein Jahr später scheiterte die Entführung eines Flugzeugs am Widerstand der Passagiere und eines israelischen Sky-Marshalls.

propaganda Seitdem gilt Leila Khaled, Mitglied der »Volksfront zur Befreiung Palästinas« (PFLP), als »Heldin des palästinensischen Widerstands« und reist als Propagandakader durch die Welt. Etwa nach Wuppertal. Dort trat sie in einem Saal der »Taverne Zorbas« auf. Explizit wurde mit einem Kinderprogramm geworben.

Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, sagt: »Es sieht so aus, als ob es eine gewisse Tradition gibt, dass in Wuppertal Terroristen jeder Couleur empfangen werden. 1997 kam ja schon Jassir Arafat hierher. Unsere Politiker ziehen keine Lehren.«

tournee Ein erster Versuch, ein palästinensisches »Familienfest« zum »Tag des Bodens«, bei dem eine Terroristin als Stargast gefeiert wird, aufzuziehen, war auf einem Indoor-Spielplatz namens Upsalla Kinderwelt geplant – aber er scheiterte: Dem Betreiber war es unangenehm, mit Terrorismus in Verbindung gebracht zu werden. Die »Zorbas«-Betreiber hatten solche Hemmungen nicht und stellten den Raum zur Verfügung. Khaleds Auftritt ist Teil einer Europatournee, auch Wien steht auf ihrem Programm.

Wie Leonid Goldberg in Erfahrung brachte, habe der Staatsschutz zwar Gespräche mit den Betreibern der Taverne geführt, aber denen sei es nur auf die Zahlungsfähigkeit der Veranstalter angekommen. Ein Verbot des Auftritts von Khaled sei juristisch nicht möglich gewesen.

enttäuschung Sorgen um die Sicherheit der Gemeindemitglieder machte sich Goldberg wegen der Veranstaltung nicht: »Es herrschte keine Atmosphäre der Bedrohung. Ich habe noch am Freitag nach dem Gottesdienst alle vorgewarnt, dass diese Veranstaltung stattfinden wird, aber man solle keine Angst haben.« Zugleich gab Goldberg die Stimmung der Wuppertaler Beter wieder: »Wir waren alle sehr enttäuscht darüber, dass diese Terroristin in Wuppertal auftreten durfte.«

Im Juli 2014 hatten in Wuppertal drei junge Palästinenser mit einem Molotowcocktail die Synagoge angegriffen. In einem ersten Verfahren hatte ein Richter Antisemitismus als Tatmotiv ausgeschlossen: Das sei nur eine Aktion gegen den Gaza-Krieg gewesen.

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Bayern

»Antisemitismus ohne mich«: Parteiübergreifende Kampagne

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder sowie die Landtagsabgeordneten von CSU, Grünen, Freien Wählern und SPD nehmen Teil

 07.05.2026

Sachsen-Anhalt

Umfrage zur Landtagswahl: Rechtsextreme AfD stärkste Kraft

Die selbsternannte »Alternative« baut ihren Vorsprung zur CDU vor der Landtagswahl aus. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap. BSW, Grüne und FDP wären nicht im mehr Landtag

 07.05.2026

Berlin

Gericht stoppt geplante Abschiebung israelfeindlicher Aktivistin aus Irland

Im Oktober 2024 dringen 20 Aktivisten in das Präsidium der Hochschule ein, beschädigten Büros und verletzten mindestens einen Mitarbeiter. Die Irin soll dabei gewesen sein

 07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026

USA

Gericht veröffentlicht mutmaßlichen Abschiedsbrief von Jeffrey Epstein

»Es ist ein Privileg, den Zeitpunkt des Abschieds selbst wählen zu können«, steht auf der Notiz. Aber stammt sie wirklich von ihm?

 07.05.2026

Newcastle

Antisemitismus-Vorwürfe: Britische Grüne ziehen Unterstützung für Kandidaten zurück

Zwei weiteren Kandidaten hat die Green Party Unterstützung entzogen. Der Hintergrund: Judenhass in sozialen Medien

 07.05.2026

Nahost

Trump stoppte Hormus-Operation nach Ärger mit Saudi-Arabien

Riad soll den amerikanischen Streitkräften zeitweise die Nutzung wichtiger Militärbasen und des saudischen Luftraums verboten haben. Laut Berichten brachte das den Präsidenten zu seinem plötzlichen Rückzieher

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026