New York

Streit bei der Claims Conference

Z wischen 1993 und 2009 wurden 57 Millionen Dollar von Mitgliedern der Claims Conference geklaut. Geld, das eigentlich Überlebenden der Schoa zugute kommen sollte. 31 Personen haben sich mittlerweile des Betrugs schuldig bekannt oder wurden überführt. Der Kopf der Betrügerbande: ein gewisser Semen Domnitser.

Es gibt indessen noch einen Skandal im Skandal, der vor zwei Monaten während des Prozesses gegen Domnitser ans Licht kam: Schon 2001 ging im Frankfurter Büro der Claims Conference ein anonymer Brief ein, in dem auf den Betrug hingewiesen wurde. Karl Brozik, der Leiter des Frankfurter Büros, stellte Domnitser daraufhin schriftlich ein paar Fragen.

Untersuchung Die damalige Führung der Claims Conference war in jedem Detail über den Schriftwechsel informiert. Ein Untergebener von Brozik reagierte auf die Antworten, die Domnitser gab, mit Vorschlägen für weitere Erkundigungen. Doch dann kam nichts mehr. Die Untersuchung war im Sand verlaufen. Domnitser scheint sich durch diesen Vorgang bestätigt gefühlt zu haben – er zog daraus den Schluss, dass er straflos schalten und walten konnte. So ging der Betrug noch ein paar Jahre weiter.

In New York wurde in der vergangenen Woche ein dringend erwarteter Bericht über das Verhalten der Führung der Claims Conference vorgestellt, der sofort zu einem heftigen Streit führte. Zwei der vier Mitglieder jener Kommission, die das Papier erarbeitet hat, sind mittlerweile zurückgetreten, weil sie nicht mehr hinter dem Bericht stehen. Von grober Schlamperei ist dort die Rede. Allerdings wird niemand beschuldigt, er habe den Betrug gedeckt. Auch personelle Konsequenzen werden nicht gefordert. Es heißt nur allgemein, die Verwaltung müsse gründlich reformiert werden.

Schock Natan Sharansky, der Vorsitzende der Jewish Agency, und Ronald Lauder, der Präsident des World Jewish Congress (WJC), haben auf den Skandal reagiert: In einer Stellungnahme, die bei einem Treffen des Direktoriums des WJC verlesen wurde, drückten sie ihren »Schock« darüber aus, dass das Direktorium über die anonyme Warnung nicht informiert worden sei. Daran sei damals ein gewisser Julius Berman beteiligt gewesen. 2002 wurde genau der zum Vorsitzenden der Claims Conference ernannt und sprach von Neuanfang. Sharansky und Lauder wollen diesen lieber ohne Julius Berman.

Julius Berman und die aktuelle Spitze der Claims Conference sehen das anders. »Die Betrugsaffäre wurde 2009 von der Claims Conference selbst aufgedeckt«, teilt die Organisation der Jüdischen Allgemeinen mit. Sofort seien »strukturelle Änderungen umgesetzt und umfassende Kontrollmechanismen« eingebaut worden, um künftig Missbrauch zu verhindern.

An dem Schlamassel mit dem anonymen Warnbrief sei, sagt Claims-Vizechef Greg Schneider, nur ein einziger Mensch schuld: Karl Brozik aus Frankfurt. Diese Schuldzuweisung hat einen ungeheuren Vorteil: Kein Lebender muss sich von ihr gemeint fühlen. Denn Karl Brozik ist 2004 verstorben.

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Karlsruhe

Waffen für Hamas? Verdächtiger nach Deutschland überstellt

Seit Monaten geht die Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Anhänger vor, die Waffen für die Organisation geschmuggelt haben soll. Ein weiterer Beschuldigter ist jetzt in deutscher U-Haft

 03.07.2026

Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Wie die »New York Times« berichtet, fürchtete die Trump-Administration bei den Iran-Verhandlungen die gezielte Tötung der iranischen Delegierten Abbas Araghchi und Mohammad Bagher Ghalibaf durch Israel

 03.07.2026

Studie

AJC warnt vor AfD-Regierungsübernahme

Zum AfD-Bundesparteitag hat das American Jewish Committee eine Analyse über den Landesverband in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Die Aussage ist eindeutig

 03.07.2026

Gesellschaft

Filmproduzentin Brauner: Die Erinnerungskultur ist gescheitert

Die Hintergründe

von Hannah Krewer  03.07.2026

Vereinigte Staaten

Trump: »Warum Juden Demokraten wählen, ist mir ein Rätsel«

Im CNBC-Interview hat sich der US-Präsident erneut abschätzig über amerikanische Juden geäußert, die seine Politik nicht goutieren

 03.07.2026

Iran

Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Chamenei beginnen Samstag

Rund vier Monate nach seiner Tötung soll Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden. Mehrere Tage lang herrscht dafür im Iran Ausnahmezustand

 03.07.2026

Interview

»Ich nehme die Kritik sehr ernst«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Im Interview blickt er zurück und zieht Bilanz

von Leticia Witte  03.07.2026