Interview

»Street View ist keine Gefahr«

Herr Fürst, Politiker, Privatpersonen und Institutionen diskutieren, ob sie Abbildungen von Häusern und Wohnungen bei Google Street View untersagen lassen sollen. Die Veröffentlichung gefährde die Privatsphäre und womöglich auch die Sicherheit, heißt es. Wie wird der niedersächsische Landesverband verfahren?
Ich gehe nicht davon aus, dass wir solche Abbildungen sperren lassen werden.

Sehen Sie die Sicherheit von Gemeindeeinrichtungen gefährdet, wenn sie im Internet im Detail abgebildet werden?
Ich bin nicht der Meinung, dass Google Street View die Sicherheit gefährdet. Den Schutz unserer Synagogen, Gemeindehäuser und Jugendzentren verbessern wir nicht durch die Ablehnung von Google Street View. Unsere Gemeindeeinrichtungen sind frei zugänglich. Wir werden angemessen geschützt.

Früher gaben einzelne Gemeinden aus Sicherheitsgründen ihre Adressen nur ungern an Unbefugte weiter. Jetzt landen Bilder und Daten im Netz. Gibt es keine Bedenken mehr?
Soweit ich weiß, nicht. Wir haben jedenfalls noch keine Anfragen dazu erhalten.

Dennoch lassen Datenschützer nicht locker mit ihrer Kritik. Wäre das nicht Anlass, sich des Themas noch einmal anzunehmen?
Es könnte Aufgabe der Landesverbände und des Zentralrats der Juden sein, mit Google über unsere Sicherheitsinteressen zu reden. Aber wir leben in einem demokratischen Staat. Wir haben nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen. Und eine davon ist die öffentliche Präsenz unserer Einrichtungen.

Zudem sind Gemeinden und ihre Mitglieder bereits im Internet präsent.
Ja. Unsere Gemeindemitglieder bewegen sich zu Tausenden in allen möglichen Internetportalen wie Facebook, StudiVZ, Twitter oder YouTube, allgemein zugänglichen Öffentlichkeitsplattformen, und geben dort bereitwillig sogar sehr persönliche Informationen über sich selbst und ihr Umfeld preis. Damit hat niemand Schwierigkeiten. Und dann soll es auf einmal Probleme mit der Abbildung von jüdischen Einrichtungen geben, die an öffentlich zugänglichen Straßen oder Plätzen liegen? Wir sind doch keine in sich abgeschlossene Gesellschaft.

Aber doch eine besonders schutzbedürftige Gemeinschaft.
Ja, wir müssen vorsichtig sein. Doch laden wir zu Tagen der Offenen Tür ein, auch bei Synagogeneinweihungen und Gemeindefesten ist die Öffentlichkeit anwesend. Auch wird häufig gewünscht, dass uns die Medien genügend Aufmerksamkeit zollen. Und jetzt vor Google Street View Angst haben? Das scheint mir nicht durchdacht.

Wie halten Sie es persönlich?
Ich werde auf keinen Fall bei Google der Abbildung meiner Wohnung und meiner Kanzlei widersprechen.

Mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen sprach Hans-Ulrich Dillmann.

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Bundesrats-Vorstoß

Zentralrat: Aufruf zur Vernichtung Israels soll strafbar sein

Bericht: Die Bundesländer Berlin und Brandenburg haben noch keine abschließende Position festgelegt

 01.05.2026 Aktualisiert

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Urteil

Buchhandlungspreis: Gericht untersagt Weimer Extremismus-Äußerung

Die Buchhandlungspreis-Affäre lässt Kulturstaatsminister Weimer nicht los. Die unter Extremismusverdacht geratenen Buchhandlungen wehren sich

 30.04.2026

Washington D.C.

Größter US-Flugzeugträger soll Nahen Osten verlassen

Erstmals seit Jahrzehnten sind wieder drei US-Flugzeugträger im Nahen Osten - das verkündete das US-Militär vergangene Woche. US-Medien zufolge dürfte sich das aber schon bald wieder ändern

 30.04.2026

Washington D.C.

Trump drängt erneut auf Begnadigung Netanjahus

»Bibi ist ein Premierminister im Krieg. Mit so etwas im Nacken kann er nicht arbeiten«, sagt der amerikanische Präsident

 30.04.2026

Ralf Fischer

Kollegah: Judenhass in Reimform

Warum schweigen alle zu dem offenen Antisemitismus von Felix Blume aka Kollegah?

 30.04.2026