Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Die Wittenberger »Judensau« ist eine antisemitische, mittelalterliche Schähplastik an der Fassade der Stadtkirche. Foto: picture alliance / imageBROKER

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Beschwerde gegen das umstrittene Relief an der Stadtkirche in Wittenberg zurückgewiesen. Damit bleibt die als »Wittenberger Sau« bekannte Darstellung weiterhin an der Fassade der Kirche angebracht. Das Gericht erklärte die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig. Der »Spiegel« berichtete.

Der Kläger, Dietrich Düllmann, sieht sich durch das mittelalterliche Schmährelief in seinen Grundrechten verletzt. Seine Anwälte argumentierten, die »bizarre beziehungsweise perverse Bildersprache« stelle »Juden als einen widernatürlichen Abschaum der Menschheit« dar. Deshalb müsse das Relief entfernt werden, da es die Persönlichkeitsrechte »jedes Juden in Deutschland« verletze.

Bereits 2022 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass das Relief zwar »in Stein gemeißelter Antisemitismus« sei, die Kirchengemeinde sich jedoch ausreichend davon distanziert habe. Ausschlaggebend war eine erläuternde Tafel vor Ort, die das historische Werk kritisch einordnet und es als »Mahnmal« kenntlich macht. Nach Angaben der Gemeinde sei die jüdische Gemeinschaft in diesen Prozess einbezogen worden. Dies stelle eine Alternative zur Entfernung dar.

Lesen Sie auch

Das Relief befindet sich an der Stadtkirche in Wittenberg, der Predigtkirche von Martin Luther. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen zwei Figuren mit sogenannten Judenhüten saugen. Eine weitere, als Rabbiner gedeutete Gestalt hebt den Schwanz des Tieres und blickt darunter. Da Schweine im Judentum als unrein gelten, gilt die Darstellung seit Jahrhunderten als besonders diffamierend. Gang durch alle Instanzen

Düllmann hatte sich mit der Bewertung des Bundesgerichtshofs nicht abgefunden und zunächst das Bundesverfassungsgericht angerufen. Nachdem auch dort seine Klage keinen Erfolg hatte, wandte er sich im Herbst 2024 an den Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. Nun bestätigten die Straßburger Richter die Entscheidungen der deutschen Gerichte.

Der Fall beschäftigt die Öffentlichkeit seit Jahren. Bereits 2020 sagte Düllmann dem SPIEGEL: »Jetzt testen wir die deutsche Justiz anhand der ›Judensau‹«. Mit dem Beschluss aus Straßburg ist dieser Rechtsweg nun ausgeschöpft. ja

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Montréal

Bericht über IDF-Soldaten als Gastredner an jüdischen Schulen löst Angst aus

Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten. Eltern sorgen sich eher darum, dass die Schulen ihrer Kinder bloßgestellt worden seien

 27.02.2026

Washington D.C.

US-Militär legt Trump Optionen für Vorgehen gegen Iran vor

Der Oberbefehlshaber des United States Central Command, Admiral Brad Cooper, soll Trump verschiedene Einsatzvarianten erläutert haben

 27.02.2026

Würzburg

Zentralratschef Josef Schuster: »AfD-Verbot lieber heute als morgen«

Zugleich äußert er Bedenken: Scheitere ein entsprechendes Verfahren, könnte sich die Partei in ihrem demokratie- und menschenfeindlichen Kurs bestätigt fühlen

 27.02.2026

Genf/Washington D.C.

Krieg oder Atomdeal? USA und Iran beenden Verhandlungsrunde

US-Präsident Donald Trump hat der iranischen Führung ein Ultimatum gestellt. In Genf kamen Vertreter beider Staaten zusammen. Es herrscht Misstrauen

 27.02.2026

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  27.02.2026