Meinung

Stolpergefahr in München

Marian Offmann Foto: Christian Rudnik

In vielen Orten in Deutschland werden auf Gehsteigen Stolpersteine verlegt. Sie tragen die Namen von Naziopfern, die in der näheren Umgebung wohnten.

München hat sich dem nicht angeschlossen, der Stadtrat sprach sich 2004 gegen eine Verlegung aus und folgte damit Charlotte Knobloch: Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde lehnt diese Form des Gedenkens ab, sie möchte nicht, dass die Namen der Ermordeten und Geschundenen mit Füßen getreten werden können. Als kleines Kind hatte sie erleben müssen, wie jüdische Menschen vor ihren Augen auf der Straße geschlagen und gedemütigt wurden.

demütigung Mittlerweile sind in Deutschland und Europa rund 50.000 Stolpersteine verlegt worden. Von Schändungen der Steine wurde nur in ganz wenigen Einzelfällen berichtet.

Gleichwohl würde ich persönlich niemals die Verlegung von Stolpersteinen für meine ermordeten Großeltern, Tanten und Onkel wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die unendliche Demütigung, die sie erfuhren, auf dem Gehsteig eingemeißelt sehen wollten. Zumal auf diesen Tafeln allein der Name stehen könnte, denn nur die Mörder wussten Tag und Ort der Ermordung.

Aber ich kenne auch Angehörige von ermordeten Juden, die für Stolpersteine kämpfen, die an ihre getöteten Angehörigen erinnern sollen. Sie leiden unter dem Verbot.

beschriftung Die Entscheidung, die der Münchner Stadtrat, dem ich angehöre, demnächst fällen soll, ist schwierig. Charlotte Knobloch votiert weiterhin dagegen. Vertreter der homosexuellen Opfer, der Sinti und Roma, aber auch die liberale jüdische Gemeinde befürworten diese Form des Gedenkens. Unbehagen bereitet, dass schon Stolpersteine verlegt wurden, auf denen NS-Terminologie eingraviert war: »Rassenschande« oder »Volksschädling«.

Aus diesem Grund kann es keine Zustimmung zur Verlegung geben, wenn weiterhin das uneingeschränkte Urheberrecht des Künstlers Gunter Demnig gilt. Der aber drohte schon mit Anwälten, wenn es hier Eingriffe geben sollte.

In diesem Jahr wird eine Entscheidung für München fallen. Sie sollte versöhnlich und angemessen sein. Das wäre sie, wenn allein die Angehörigen der Opfer des NS-Regimes das Recht hätten, für einen Stolperstein, der an ihre Verwandten erinnert, initiativ zu werden. Und die letzte Entscheidung über die Formulierung, die eingraviert wird, sollte den demokratisch legitimierten städtischen Gremien vorbehalten bleiben.

Der Autor ist Stadtrat für die Münchner CSU sowie Vorstandsmitglied der IKG.

Kommentar

Was hat Künstliche Intelligenz mit Antisemitismus zu tun?

Ein Zwischenruf von dem Holocaust-Überlebenden Roman Haller

von Roman Haller  27.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Teheran

Bericht: Internetsperre im Iran teilweise aufgehoben

Nach mehr als zwei Monaten ist das Internet im Iran laut einem Bericht teilweise wieder erreichbar. Ob die Aufhebung der Sperre dauerhaft bleibt, ist noch offen

 26.05.2026

Texas

»Ich bin gegen zionistische Juden«: Schwere Vorwürfe gegen Kandidatin der Demokraten

Maureen Galindo will ein »Gefängnis für amerikanische Zionisten« einrichten

 26.05.2026

Förderung

Bundesrechnungshof rügt Auswärtiges Amt wegen Geld für Islamic Relief

Islamic Relief Deutschland präsentiert sich als humanitäre Hilfsorganisation. Und erhielt Förderung des Auswärtigen Amtes. Der Bundesrechnungshof rügt das: Es gebe Verbindungen zur Muslimbruderschaft

von Christoph Arens  26.05.2026

Mexiko-Stadt

Mexiko nimmt iranische Nationalmannschaft während der WM auf

Präsidentin Claudia Sheinbaum sagt, die USA hätten angefragt, ob die Iraner in ihrem Land übernachten könnten. »Und wir haben gesagt: Ja, ohne Problem, wir haben damit überhaupt kein Problem.«

 26.05.2026

Teheran

Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Während des Krieges wollte das Regime offenbar verhindern, dass Berichte, Bilder über das Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden

 26.05.2026

Bilbao/Wien

Festnahmen und Tumulte um Gaza-Flottillen-Aktivisten in Spanien und Österreich

Teils chaotische Szenen mit Rangeleien und dem Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden von den Flughäfen in Bibao und Wien gemeldet

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026