Diplomatie

»Stimmen gegen Öl«

»Meistgehasster Mann im Menschenrechtsrat«: Hillel Neuer Foto: unwatch.org

Diplomatie

»Stimmen gegen Öl«

Hillel Neuer von »UN Watch« erklärt, wie Anti-Israel-Resolutionen der Vereinten Nationen zustande kommen

von Steward Ain  28.10.2013 20:42 Uhr

Herr Neuer, was ist UN Watch, und was wollen Sie erreichen?
Wir beobachten die Vereinten Nationen und messen das, was sie tun, an ihrer eigenen Charta. Es geht uns um Menschenrechte für alle. Wir legen besonderes Augenmerk auf den Kampf gegen einseitig antiisraelische Tendenzen, die die Fähigkeit der UNO einschränken, sich auf wirklich drängende Menschenrechtssituationen zu konzentrieren.

Lässt sich das, was Sie als einseitig anti-israelische Tendenzen ansehen, in Zahlen ausdrücken?
Jedes Jahr werden in der Generalversammlung in New York etwa 22 Resolutionen gegen Israel verabschiedet und insgesamt vier gegen alle anderen Länder der Welt. Schon seit Jahrzehnten liegt die Zahl der einseitigen Resolutionen gegen Israel ziemlich konstant bei über 20 im Jahr.

Viele Reden, die dieses Jahr von Staatschefs in der UNO-Generalversammlung gehalten wurden, enthielten eine Verurteilung Israels wegen der Behandlung der Palästinenser. Dabei haben diese Länder kaum jüdische oder palästinensische Bürger und mit dieser Region der Welt sehr wenig zu tun.
Für dieses Verhalten gibt es rationale und irrationale Gründe. Als Erstes ist der Stimmenhandel zu nennen. Es gibt 56 islamische Staaten, und sie machen aus dem Stimmenhandel gar keinen Hehl. Sie sagen zum Beispiel zu Brasilien: Ihr stimmt für unsere Anti-Israel-Resolutionen und veröffentlicht Anti-Israel-Verlautbarungen, dann werden wir euch im Gegenzug politische Unterstützung geben und für eure Resolutionen stimmen. Das passiert immer und überall. Auch wenn ein Land im Nahostkonflikt gar keine Interessen hat, ist es realpolitisch nun einmal so: Die haben 56 Stimmen und treiben einen zynischen Handel damit. Der zweite Grund ist Öl. Trotz interessanter Funde von Gasvorkommen vor der israelischen Küste bleibt es doch dabei, dass die arabische Welt den Ölmarkt beherrscht und den Rohstoff als Waffe benutzt, wie sie das seit 1973 getan hat. Die Araber sagen: Du stimmst für uns, und wir geben dir weiterhin Öl. Tust du es nicht, ist die Zapfsäule geschlossen. Grund Nummer drei sind die staatlichen Vermögensverwaltungsfonds. Die Golfstaaten haben Milliarden Dollar zu investieren – abhängig davon, wie ein jeweiliges Land in der UNO votiert.

Was sind die irrationalen Faktoren?
Wenn ich höre, wie europäische Diplomaten rechtfertigen, dass Israel sich in der UNO keiner Regionalgruppe anschließen kann, und wenn sie sagen, dass es nicht der westlichen Regionalgruppe beitreten könne, weil es nicht deren Werte teile, dann spüre ich das alte Vorurteil, von dem wir gehofft hatten, dass es nach 1945 aus Europa verschwunden sei.

Glauben Sie, dass das Israel-Bashing aufhören wird, wenn Israel und die Palästinenser jetzt wieder Friedensverhandlungen führen?
Nein, das tut es nicht. Die Geschichte zeigt vielmehr, dass es ein paradoxes Szenario gibt. Ägypten beispielsweise war in den letzten Jahrzehnten ein wichtiger Partner Israels bei der Sicherheitskooperation. Trotzdem stand das Mubarak-Regime oft an der Spitze, wenn es darum ging, in der UNO die bösartigsten, fanatischsten Anti-Israel-Resolutionen zu verabschieden, um sich auf diese Weise als das zu profilieren, was traurigerweise in der arabischen Welt unter einer »Leitnation« verstanden wird.

Wie werden Sie von den UN-Delegierten und anderen NGOs behandelt?
Ich bin der am meisten gehasste Mann im Menschenrechtsrat. Wenn ich in den Saal eintrete, spüre ich Hass von den radikalsten arabischen Diktaturen auf der Rechten bis zu den linksradikalen NGOs. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch sehr viel mit Opfern von Menschenrechtsverletzungen und mit kleineren NGOs zusammen, die sich um Opfer aus Kuba, Iran, Burma und China kümmern.

Würde eine Reform der UNO Israel helfen?
Es gibt viele Reformen, die man unternehmen könnte, aber letztendlich ist nun einmal etwa die Hälfte der UNO-Mitgliedsstaaten nicht demokratisch. Um die UNO zu ändern, müsste man die Welt ändern. Und solange Kindern beigebracht wird, Israel und die Juden zu hassen, wird sich das in der Welt und der UNO manifestieren.

Hillel Neuer ist Direktor von UN Watch. Er vertritt seit 2009 jüdische Gruppen beim UN-Menschenrechtsrat in Genf. Das Gespräch führte Steward Ain. Wir danken der »Jewish Week«, New York, für die Abdruckgenehmigung. Übersetzung: Stefan Frank

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  10.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026