Meinung

Stalin, der Sieg und die Moral

Darf man Stalin ehren? Für die Machthaber in Russland scheint die Antwort eindeutig: Sie wollen zu den Siegesfeiern in Moskau am 9. Mai Plakate des grausamen Sowjetführers zeigen. Er sei der Sieger über Nazideutschland und nicht der blutdürstige Diktator, der ganze Bevölkerungsschichten vernichtete, die Elite des Landes liquidierte. Vergessen sind die Millionen Opfer, von denen viele auch nach dem glorreichen Sieg als vermeintliche Kollaborateure und Kosmopoliten verfolgt wurden, unter ihnen zahlreiche KZ-Überlebende und jüdische Intellektuelle des Landes. Vergessen sind Stalins Pläne für eine massenhafte Umsiedlung von Juden, raus aus Kernrussland. Derartige Fakten finden kaum Platz in der offiziellen Erinnerungskultur eines Landes, in dem die Politik der starken Hand und des Großmachtstrebens wieder en vogue sind. Russland verpasst damit erneut die Chance zur Bildung einer gefestigten Identität, die die eigene Geschichte akzeptiert, so wie sie eben war – mit all ihren militärischen Siegen und moralischen Niederlagen.

Der Autor ist stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Kassel.

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  15.06.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

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Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Berlin

Streit um die Landesansprechperson für Antisemitismus

Recherchen des »Tagesspiegel« zufolge geht es bei der Suche nach einem Antisemitismusbeauftragten für die Berliner Hochschulen längst nicht mehr nur um die Belange der jüdischen Studierenden, sondern auch um Politik

 15.06.2026

Diplomatie

Macron will schnell Minen in Straße von Hormus räumen

Noch ist die Tinte nicht auf dem Abkommen zwischen den USA und Iran, doch Frankreichs Präsident signalisiert seine Bereitschaft »sehr schnell zu handeln«

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Iran will Gebühren für Straße von Hormus verlangen

US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus für geöffnet erklärt. Aber Details eines US-Iran-Rahmenabkommens sind noch unklar. Im Iran fordern Stimmen Gebühren für die Durchfahrt der Meerenge

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Ein beschämender Deal

Israel und die USA haben den Iran zwar militärisch geschwächt. Dennoch haben sie keines ihrer Kriegsziele erreicht. Mit dem sich nun abzeichnenden Abkommen belohnt Präsident Donald Trump das mörderische Mullah-Regime

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Nahost

Die Stolpersteine beim Abkommen zwischen den USA und Iran

Die Umsetzung des Gaza-Abkommens steckt fest, Israel will seine Truppen aufgrund des Verhaltens der Terrororganisation Hisbollah nicht aus dem Libanon abziehen. Droht dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran das gleiche Schicksal?

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