Hannover

Staatsanwaltschaft prüft Strafverfolgung eines iranischen Scharia-Richters

Justizbehörden in Hannover Foto: imago images / Olaf Döring

Die deutschen Strafverfolgungsbehörden werden gegen den in Hannover vermuteten iranischen Scharia-Richter Hossein Ali Naeiri vorerst keine Ermittlungen aufnehmen. Der Generalbundesanwalt habe eine Zuständigkeit verneint und die vom Grünen-Politiker Volker Beck erhobene Strafanzeige an ihre Behörde weitergeleitet, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover am Montag.

Diese sei am 18. Juli eingegangen. »Wir müssen nun zunächst prüfen, ob wir zuständig sind und Ermittlungen aufnehmen können.« Wie lange die Prüfung dauere, könne sie nicht sagen.

Nach Angaben des »Mideast Freedom Forum Berlin« und der »Deutsch-Israelischen Gesellschaft« in Berlin gibt es Hinweise darauf, dass sich Naeiri in einer Privatklinik in Hannover aufhält.

Hinrichtungsbefehle Beck hatte als Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nach eigener Aussage bereits am 7. Juli Generalbundesanwalt, Landeskriminalamt Niedersachsen, Auswärtiges Amt und Bundesinnenministerium auf den mutmaßlichen Aufenthalt von Naeiri hingewiesen und um Strafverfolgung gebeten. Naeiri wird vorgeworfen, für die Massenhinrichtung politischer Gefangener 1988 im Iran verantwortlich zu sein.

Der Online-Ausgabe der Tageszeitung »Die Welt« vom Montag sagte Beck: »Deutschland erweist sich anscheinend erneut als Sanatorium für iranische Massenmörder. Das ist ein Skandal.« Seit Wochen seien Polizei und Staatsanwaltschaft im Bilde. »Wenn der jetzt türmt, wäre das Strafvereitelung im Amt.«

Menschenrechtsverletzungen Nach Angaben des Mideast Freedom Forums hat Naeiri seine Beteiligung an dem Massaker eingeräumt. »Er ist ein grausamer Mörder, wie ein Monster zerstörte er die Leben unzähliger Menschen«, sagte die im Iran geborene Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi. »Wir verlangen, dass die deutsche Justiz ihn verhaftet und verurteilt, und sich nicht an die Seite des mörderischen Regimes stellt und ihn entkommen lässt.«

Auch Ulrike Becker, Forschungsleiterin des Mideast Freedom Forums, forderte die Strafverfolgungsbehörden zum Handeln auf: »Es ist nach dem Weltrechtsprinzip möglich und geboten, Naeiris Verbrechen in Deutschland zu ahnden.«

2018 war bereits der frühere Oberste Richter des Iran, Mahmoud Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi, aus einer Privatklinik in Hannover abgereist. Zuvor hatten ihn die Kurdische Gemeinde Deutschland, Menschenrechtsorganisationen und Grünen-Politiker wegen Mordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt.

Shahroudi soll von 1999 bis 2009 unter anderem zahlreiche Todesurteile auch gegen Minderjährige erlassen haben. epd

USA/Iran

Trump bestätigt: Chamenei ist tot

In Teheran bricht nach Berichten über den Tod von Irans obersten Führer spontan Jubel aus

 28.02.2026

USA

Ist Ajatollah Ali Chamenei noch am Leben? Nun äußert sich Donald Trump

 28.02.2026

Krieg

Explosionen in Tel Aviv. Eine Tote, mehrere Verletzte

Nach einem Raketenangriff aus dem Iran melden Einwohner laute Explosionen in Tel Aviv

 28.02.2026

Israel

Israelische Medien: Chameneis Leiche wurde gefunden

Die Hintergründe

 28.02.2026 Aktualisiert

Jerusalem/Teheran

»Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Tyrann nicht mehr existiert«

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat bekanntgegeben, dass Irans Oberster Führer Ali Chamenei bei den Angriffen Israels und der USA getötet wurde

 28.02.2026 Aktualisiert

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  28.02.2026

Krieg

Jubelrufe in Teheran nach Berichten über Chameneis Tod

In Teheran sorgt eine unbestätigte Nachricht für Freudenfeiern. Doch offizielle Bestätigungen fehlen bislang

 28.02.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Interview

»Die Chance auf Regimewechsel im Iran liegt bei 5 Prozent«

Der Sicherheits- und Terrorismusexperte Peter R. Neumann ist skeptisch, dass der von Israel und den USA gewünschte Fall des Regimes im Iran durch die Militäraktion erreicht werden kann

von Michael Thaidigsmann  28.02.2026